Seit Beginn dieser Regionalliga-Saison ist auf jedem offiziellen Spielberichtsbogen der SpVgg AnsbachNiklas Reutelhuber als Trainer vermerkt. In Wirklichkeit war er dies nicht. Er gab seinen Namen dafür her, weil Cheftrainer Christoph Hasselmeier nicht die erforderliche Lizenz besitzt. Ab nächster Woche ist Reutelhuber nun auch ganz offiziell Cheftrainer der SpVgg Ansbach.
Nach viereinhalb überaus erfolgreichen Jahren vollzieht Christoph Hasselmeier, mit dem die nullneuner 2022 in die viertklassige Regionalliga aufgestiegen sind, aus eigenem Antrieb den Stabwechsel. Das erklärte er am Donnerstagabend bei einem extra anberaumten Meeting, zu dem neben der Regionalliga-Mannschaft unter anderem auch Sponsoren der SpVgg erschienen sind.
Für den Verein kommt der Rückzug seines Cheftrainers nicht überraschend. „Wir wussten seit Langem von seinen Plänen, kürzertreten zu wollen“, verriet Sportvorstand Norbert Weidlein bereits im Vorfeld. „Nun wird der Schritt vollzogen.“
Im Grunde plante ich diesen Wechsel schon seit Monaten. Deshalb habe ich mir Niklas Reutelhuber als weiteren Co-Trainer an meine Seite geholt.
Als Gründe für seinen Rückzug als Trainer nannte Hasselmeier „zu 99 Prozent“ die private Situation: „Ich habe meiner Frau versprochen, ein Stück weit kürzerzutreten. Ich will für meine Familie mehr Zeit haben.“ Hasselmeier ist junger Familienvater, Job und Hobby schränkten das Privatleben enorm ein.
„Im Grunde plante ich diesen Wechsel schon seit Monaten. Deshalb habe ich mir Niklas Reutelhuber als weiteren Co-Trainer an meine Seite geholt. Meine Prämisse dabei war immer: Ich will unbedingt vermeiden, dass alles, was wir uns aufgebaut haben, nach meiner Übergabe auseinanderbricht. Und ich bin überzeugt davon, dass Niklas den Job als Cheftrainer sehr gut ausfüllt.“
Außerdem: Hasselmeier sagt bei der SpVgg nicht von heute auf morgen Adieu – er übernimmt ab kommenden Montag den Posten des Sportlichen Leiters und beschreibt seine neue Aufgabe: „Da bin ich nach wie vor ganz nah dran an der Mannschaft, kümmere mich zum Beispiel auch um die Kaderplanung und unterstütze das ganze Team, wo es nur geht. Außerdem gilt es die sportliche Schnittstelle zur Vorstandschaft auszufüllen. Das ist exakt die Position, die im Verein noch gefehlt hat.“
Schon Anfang dieses Jahres wurde der Name Reutelhuber, der Sportwissenschaft studiert, hoch gehandelt bei den Grün-Weißen. „Ihm wird perspektivisch zugetraut, die Nachfolge von Hasselmeier anzutreten“, ließen im Februar Teammanager Stefan Dehm und Norbert Weidlein verlauten. Dass es nun so schnell Realität wird, überrascht nach außen, zumal B-Lizenz-Inhaber Reutelhuber erst 24 Jahre alt ist.
Damit ist er bundesweit in den deutschen Regionalligen mit Abstand der jüngste Trainer. Sportvorstand Weidlein, der am Donnerstagabend nicht anwesend sein konnte, erklärte: „Auch wir als Vereinsverantwortliche konnten uns von Anfang an mit dieser Lösung anfreunden. Reutelhuber ist zwar noch jung, kennt Mannschaft und Verein aber sehr gut. Und: Wir haben natürlich auch die Spieler befragt. Die begrüßen diesen Schritt.“
Der defensive Mittelfeldspieler Reutelhuber gab nach seinem Wechsel vom 1. FC Nürnberg 2014 sein Debüt in der U17 der SpVgg Ansbach. Der Juniorenauswahlspieler des BFV wurde als U19-Junior im Alter von nur 17 Jahren bereits in die 1. Herren-Mannschaft der SpVgg hochgezogen und war auf Anhieb Leistungsträger im Bayernligateam.
Nach einem kurzen Intermezzo beim damaligen Regionalligisten VfB Eichstätt kehrte er 2021 zur SpVgg zurück und absolvierte in der Saison 21/22, also im Aufstiegsjahr der Ansbacher, 25 Spiele in der Bayernliga.
Als kompletter Novize steigt Reutelhuber nicht in das Traineramt ein. Bei seinem Stammverein SV Alesheim war er parallel zu seinem Engagement in Ansbach als Spielertrainer aktiv. Für Alesheim ist er nach wie vor („Wenn es die Zeit erlaubt“) im Kreisligateam im Einsatz.
Reutelhuber wolle bewusst nicht in die Fußstapfen von Hasselmeier treten. „Die sind viel zu groß“, sagte er am Donnerstag. Vielmehr gelte es, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen und die Mannschaft weiterzuentwickeln. „Wichtig ist mir, dass wir dies alles gemeinsam in Angriff nehmen. Deshalb bin ich auch froh, dass die weiteren Co-Trainer bei der Stange bleiben.“
Überraschend ist der Zeitpunkt dieses Trainerwechsels. Wenn schon, dann eher zur Winterpause, sollte man meinen. Bewusst wollte Hasselmeier den Stabwechsel aber nicht erst im Dezember vollziehen: „Man stelle sich vor, Niklas übernimmt das Team nach der Winterpause, hält sein erstes Training bei minus fünf Grad auf dem Kunstrasenplatz ab. Das will ich ihm ersparen.“
Der Zeitplan lautet nun: Im Heimspiel gegen Buchbach am Samstag, 28. Oktober, coacht Hasselmeier ein letztes Mal. Danach übernimmt Reutelhuber vollverantwortlich. Sein erstes Spiel als Cheftrainer ist am 4. November, wenn die nullneuner beim Partnerverein SpVgg Greuther Fürth II gastieren.
Größter Erfolg des ehemaligen Spielertrainers Hasselmeier, der Ende August 2019 als Trainernachfolger von Robert Kovacic präsentiert wurde, war der Aufstieg der SpVgg Ansbach in die Regionalliga Bayern 2022 mit anschließendem Klassenerhalt. In 104 Punktspielen als Trainer holte er mit seiner Mannschaft 54 Siege und 16 Unentschieden bei 34 Niederlagen. Das ergibt einen respektablen Punkteschnitt von 1,71.