SpVgg Ansbach macht Realschülern Beine: „Besser als vor der Playstation” | FLZ.de

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Veröffentlicht am 04.07.2024 13:43

SpVgg Ansbach macht Realschülern Beine: „Besser als vor der Playstation”

Gruppenbild mit „großen“ Fußballern: Die 5a und die 6a der Staatlichen Realschule freuten sich über den Besuch von Christian Kestel, Niklas Reutelhuber und Marco Schülein (oben, von links). Schulleiter Thomas Häckel (vorne, Fünfter von links) und Fachlehrer Marco Flassig (vorne, Siebter von links) jubelten mit. (Foto: Florian Pöhlmann)
Gruppenbild mit „großen“ Fußballern: Die 5a und die 6a der Staatlichen Realschule freuten sich über den Besuch von Christian Kestel, Niklas Reutelhuber und Marco Schülein (oben, von links). Schulleiter Thomas Häckel (vorne, Fünfter von links) und Fachlehrer Marco Flassig (vorne, Siebter von links) jubelten mit. (Foto: Florian Pöhlmann)
Gruppenbild mit „großen“ Fußballern: Die 5a und die 6a der Staatlichen Realschule freuten sich über den Besuch von Christian Kestel, Niklas Reutelhuber und Marco Schülein (oben, von links). Schulleiter Thomas Häckel (vorne, Fünfter von links) und Fachlehrer Marco Flassig (vorne, Siebter von links) jubelten mit. (Foto: Florian Pöhlmann)

Ein paar Minuten lang fliegen David im Tor die Bälle nur so um die Ohren. Zum Warmmachen wird von den Fünft- und Sechstklässlern der Staatlichen Realschule einfach nur ein wenig gebolzt. Dabei steht heute ein ganz besonderes Training mit einem prominenten Gast auf dem Programm.

Niklas Reutelhuber von der SpVgg Ansbach ist nicht nur der jüngste Trainer in der Regionalliga, der 25-Jährige hat auch noch ein großes Herz für den Nachwuchs. Das merken die Schüler der 5a und 6a im Alter zwischen zehn und zwölf gleich, nachdem sie der Coach der nullneuner zu sich gerufen hat.

Die richtige Antwort

„Habt ihr Bock?“, fragt Reutelhuber in die Runde und erntet ein noch zögerliches Ja. „Habt ihr richtig Bock?“, setzt er nach, und die Gruppe wird etwas lauter. „Habt ihr wirklich richtig Bock?“, will er nun wissen, und die Kinder geben ihm mit einem langgezogenen „Jaaaaa“ die für ihn richtige Antwort.

Wer in einer der beiden Fußballklassen der Johann-Steingruber-Realschule dabei ist, hat Bock, sich zu bewegen, dem Ball hinterherzusprinten und Tore zu schießen. Zwei Stunden mehr pro Woche stehen dafür im Lehrplan. Fußball ist in diesem Alter noch ein herrlich simpel anmutendes Spiel – weitestgehend befreit von taktischen Zwängen und losgelöst von Egoismen. Jeder rennt hier, köpft, grätscht und schießt. Technisches Know-how soll erst im Lauf der Zeit dazukommen.


Alles ist besser, als daheim vor der Playstation zu sitzen.

Marco Schülein

Die beiden Fußballklassen der Realschule profitieren nun schon im zweiten Jahr der Kooperation mit der SpVgg Ansbach von einem Förderprogramm, das der Deutsche Fußball-Bund aufgelegt hat. „Schule und Verein: gemeinsam am Ball“, lautet der Titel, hinter dem sich ein klares Ziel verbirgt.

„Alles ist besser, als daheim vor der Playstation zu sitzen“, sagt Marco Schülein, Stützpunkttrainer des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Ansbach und im Vorstand der Spielvereinigung für die Jugend zuständig. Auch der mit mehr als sieben Millionen Mitgliedern größte nationale Sportfachverband der Welt hat Nachwuchssorgen.

Die Realität sieht anders aus

Nach der Schule schnell ein Brot einverleibt, dann ab auf die Wiese und mit den Kumpels kicken? Zweifellos eine nette Reminiszenz an frühere Tage, die Realität sieht mit gewachsenen Anforderungen in den Schulen und dem Überangebot an anderen Freizeitmöglichkeiten längst anders aus. Straßenkicker, Typen, die sich nicht verbiegen lassen, ihren eigenen Stil haben – all das hat inzwischen Seltenheitswert. Daher wird nun über derartige Kooperationen mit Sportarbeitsgemeinschaften (SAG) im ersten Schritt versucht, die Breite an der Basis zu verstärken.

„Spielen muss sein. Spielen kann man nur durch spielen lernen“, erklärt Sportlehrer Marco Flassig sein Credo. Der 39-Jährige legt Wert auf die technische Ausbildung seiner Schüler. Saubere Ballannahme, genaue Pässe – das sind die Basics, auch für die wilde Rasselbande, die gerade mit SpVgg-Trainer Niklas Reutelhuber eine Übung auf verengtem Raum macht.

Die Nachfrage ist gut

Hier muss alles ein wenig schneller gehen als auf dem großen Feld, es bleibt weniger Zeit, den freien Mitspieler zu erkennen, den Ball anzunehmen und weiterzuspielen. „Die technischen Fähigkeiten sind wichtig“, sagt Sportlehrer Flassig, und wie zur Unterstützung spornt Reutelhuber die jungen Fußballer ein paar Meter weiter immer wieder an.

„Die Nachfrage nach den Fußballklassen ist gut“, erklärt Schulleiter Thomas Häckel. Rund 25 Jungs „und ein paar Mädchen“ seien für das im September beginnende neue Schuljahr bereits dafür angemeldet. „Beide haben etwas davon, so soll es sein“, findet Marco Schülein, auch wenn längst nicht alle aus der Fußballklasse dem Ball im Verein hinterherjagen. „Man könnte da noch viel mehr machen“, meint der Stützpunkttrainer. Er vermisst in Ansbach etwa die Bolzplätze – auf denen David und Co. die Bälle nur so um die Ohren fliegen.


Florian Pöhlmann
Florian Pöhlmann
Nach der journalistischen Grundausbildung beim Fernsehen rief 1999 die große weite Welt des Sports, die ich in Nürnberg in nahezu allen Facetten kennenlernen und in verantwortlicher Position gestalten durfte. Erst der verlockende Ruf aus Ansbach und die Aussicht, im fortgeschrittenen Alter Neues zu wagen, sorgten ab 2021 für einen Neustart in der Lokalredaktion.
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