SPD in Dinkelsbühl belebt ihr politisches Kabarett zum Aschermittwoch wieder | FLZ.de

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Veröffentlicht am 19.02.2026 16:15

SPD in Dinkelsbühl belebt ihr politisches Kabarett zum Aschermittwoch wieder

Sorgten für einen humorvollen Auftakt der Fastenzeit (von links): Peter Cahn, Friedemann Emmert, Elke Held, Anja Schmidt-Wagemann und „Bläserbub” Paul Beitzer. (Foto: Martina Haas)
Sorgten für einen humorvollen Auftakt der Fastenzeit (von links): Peter Cahn, Friedemann Emmert, Elke Held, Anja Schmidt-Wagemann und „Bläserbub” Paul Beitzer. (Foto: Martina Haas)
Sorgten für einen humorvollen Auftakt der Fastenzeit (von links): Peter Cahn, Friedemann Emmert, Elke Held, Anja Schmidt-Wagemann und „Bläserbub” Paul Beitzer. (Foto: Martina Haas)

Den ersten Tag nach Fasching nutzen Parteien nicht nur in Bayern für ihren Politischen Aschermittwoch. Dabei geht es in den Reden oft nicht zimperlich zu. Die Dinkelsbühler SPD nutzt traditionell ein anderes Format für ihre Aschermittwochsveranstaltung: das politische Kabarett.

Beim Dinkelsbühler SPD-Ortsverein gibt es dafür eine Tradition. Zwischen 1994 – damals war noch der CSU-Bürgermeister Dr. Jürgen Walchshöfer im Amt – und 2017 las immer am ersten Tag der Fastenzeit das „Dinkelsbühler Dreigehirn” mit Bläserbub, Marketenderin und Nachtwächter den Mächtigen in Stadt, Land und Welt humorvoll die Leviten.

Wegen „Nachwuchsmangels” war das „Dreigehirn” dann vorübergehend in Ruhestand gegangen. Für die Neuauflage 2026 am Mittwochabend hat Paul Beitzer seine alte Uniform wieder aus dem Schrank geholt, um im voll besetzten Café am Münster mit musikalischer Begleitung von Friedemann Emmert in seinem Stück „Unser schwarzer Bürgermeister” über das zu informieren, was in Dinkelsbühl seit 2003 so passiert ist.

Pech mit der KSV, Glück mit der DSD

Manches, was schon fast vergessen war, brachte der Bläserbub in Reimform wieder in Erinnerung: Das Pech mit der Abfallverwertungsanlage KSV in Waldeck ebenso wie das Glück mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD), die den Erfolg zurück gebracht habe.

Outlet, ISEK, „Gruselfeld”, der Bläserbub ließ keines von den Themen aus, an denen sich in Dinkelsbühl in den vergangenen Jahren in der Diskussion die Geister schieden. Die Entwicklung der Altstadt nahm er ebenso aufs Korn wie das verdichtete Bauen im Gaisfeld IV, das kein „städtebauliches Wunder” sei.

Auch in den Dörfern sehe es nicht besser aus, so die Überzeugung des Bläserbubs: ein „kassierter” Bebauungsplan in Segringen, bei dem Landschaft und Umwelt „ignoriert” und „das Gesetz oft locker” ausgelegt wurden, oder „Bauen nach Gutsherrenart” in Sittlingen, nichts blieb kabarettistisch unerwähnt. „Ja vor dem Gesetz sind alle gleich”, reimte der Bläserbub, „frühestens im Himmelreich”.

Literarische Akzente

Peter Cahn, der frühere Intendant des Landestheaters Dinkelsbühl, setzte beim Politischen Aschermittwoch literarische Akzente: Mit „Versuch einer Conférence” erinnerte Cahn an Heinz Erhardt, für den Humor stets zutiefst menschlich war, mit dem er ihnen den Spiegel vorhielt, aber der auch dort helfen sollte, wo es Menschen aufgrund ihrer Unzulänglichkeit schwer haben, mit dem Leben zurechtzukommen.

Mit Loriot-Stücken zeigte Cahn die Absurdität des modernen Politikbetriebs und Wahlkampfs auf, ehe er eine Bert-Brecht-Ballade auf Dinkelsbühler Verhältnisse abwandelte.

Gedicht auf Donald Trump und die OB-Herausforderin

Elke Held rezitierte ein Gedicht auf Donald Trump und Anja Schmidt-Wagemann, die OB-Herausforderin, fasste ihre Erfahrungen im Dinkelsbühler Wahlkampf ebenfalls in Reimform. „Wenn ihr morgen wieder Kreise dreht”, griff sie am Ende augenzwinkernd die vielen Wahlplakate des Amtsinhabers in Kreisverkehren auf, „wisst ihr, dass Demokratie bewegt”.

Im Publikum waren Genossinnen und Genossen einiger anderer SPD-Ortsvereine, unter anderem des Rothenburgers mit dem dortigen SPD-OB-Kandidaten Christoph Rösch. Am Ende des Abends waren sich alle einig: Der Politische Aschermittwoch soll wieder jährlich stattfinden.

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