Spätwinter: Letzte Chance für radikalen Pflanzenrückschnitt | FLZ.de

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Veröffentlicht am 24.02.2026 00:08

Spätwinter: Letzte Chance für radikalen Pflanzenrückschnitt

Zu ausladend? Jetzt ist eine gute Zeit für einen Rückschnitt, bevor das Gesetz Nein sagt. (Foto: Jens-Ulrich Koch/dpa-tmn)
Zu ausladend? Jetzt ist eine gute Zeit für einen Rückschnitt, bevor das Gesetz Nein sagt. (Foto: Jens-Ulrich Koch/dpa-tmn)
Zu ausladend? Jetzt ist eine gute Zeit für einen Rückschnitt, bevor das Gesetz Nein sagt. (Foto: Jens-Ulrich Koch/dpa-tmn)

Im Garten gilt: Nach dem Frost ist vor dem Rückschnitt. Doch die Zeit dafür drängt, denn ab dem 1. März greift gemäß Bundesnaturschutzgesetz das Schnittverbot. Was sollte also noch im Spätwinter geschnitten werden, was kann warten, und welche Arbeiten sind auch nach Beginn des Verbots noch erlaubt? 

Oliver Fink, Gärtnermeister und ehemaliger Vorsitzender des Verbands der Gartenbaumschulen (GBV), gibt Antworten.

Herr Fink, ist jetzt ein guter Zeitpunkt für den Rückschnitt?

Oliver Fink: Der Spätwinter ist für viele Gehölze der optimale Zeitpunkt. Man muss allerdings unterscheiden: Wenn man etwa einen Frühblüher wie die Forsythie jetzt stark zurückschneidet, schneidet man die Blüten weg - und das ist wenig sinnvoll. Deshalb wartet man hier bis nach der Blüte, bis man verblühte Blüten oder Triebe abschneidet - also bis Ende März oder Anfang April. Das ist der sogenannte Pflegeschnitt - und der ist auch nach Beginn des Schnittverbots erlaubt.

Was jetzt unbedingt mit Hinblick auf den Vogelschutz geschnitten werden sollte, sind Hecken. Wenn etwa die Hainbuchenhecke oder die Ligusterhecke zu breit oder zu hoch geworden ist, braucht sie einen starken Rückschnitt. Im März treibt die Hecke dann aus, während die Vögel mit dem Nestbau beginnen.

Was bringt ein Rückschnitt im Spätwinter?

Oliver Fink: Wer zur Gartenschere greifen will, um Gehölze einmal auszulichten oder Korrekturen vorzunehmen, kann das jetzt tun. Die Pflanzen gehen davon nicht kaputt. Zudem hält ein regelmäßiger und nicht zu starker Rückschnitt die Blütensträucher vital. Ausnahmen sind Edelsträucher wie Zaubernuss oder Magnolie - die brauchen eigentlich gar keinen Schnitt. Aber auch hier ist jetzt ein guter Zeitpunkt für einen Korrekturschnitt, etwa weil ein Ast in den Weg hineinwächst.

Ob dann im Laufe des Jahres noch ein Pflegeschnitt nötig ist, hängt von der Pflanze und ihrer Vitalität ab. Nach einem starken Rückschnitt im Spätwinter kann etwa die Hainbuchenhecke sehr stark austreiben. Wenn sie im Laufe des Jahres dann gut wächst, kann es durchaus Sinn machen, sie im Spätsommer ein zweites Mal zurückzuschneiden. Dann brüten in der Regel auch keine Vögel mehr. Man nimmt dann einmal den Jahrestrieb weg und die Hecke wird von innen wieder dichter. Dann treibt sie noch einmal kurz nach - und sieht im Winter super aus.

Und: Einige Gehölze schneidet man besser etwas später – je nach Region erst Mitte oder Ende März, manchmal sogar Anfang April. Denn Spätfrost kann noch einmal kräftig werden, sodass frisch geschnittene Triebe zurückfrieren. Besonders Arten wie Sommerflieder oder Rispenhortensien reagieren darauf empfindlich. Und für Rosen gilt die Faustregel: schneiden, wenn die Kornelkirsche blüht.

Worauf sollte man jetzt beim Schneiden achten?

Oliver Fink: Grundsätzlich sollte bei Frost nicht geschnitten werden, weil man da teilweise durchs Eis schneidet und keinen sauberen Schnitt hinbekommt. Der ist aber essenziell, da Wundstellen wesentlich besser heilen, wenn der Schnitt sauber ist. Daher ist auch das richtige Werkzeug entscheidend - die Schere sollte scharf genug sein und bei Bedarf vorher geschliffen werden. Auf Schnittwunden hat Kälte übrigens keine Auswirkungen.

Radikale Rückschnitte bis auf den Stamm sind grundsätzlich möglich, bei empfindlicheren Edelsträuchern sollte man jedoch vorsichtig sein. Obstgehölze brauchen ohnehin einen gezielten, eigenen Schnitt.

© dpa-infocom, dpa:260223-930-726531/1


Von dpa
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