Der Name Wildbienenhotel passt nur bedingt. Denn die summenden Bestäuber checken nicht zum Entspannen ein, stattdessen wird im Hotel hart gearbeitet.
Die Wildbienenweibchen bauen Nestkammern, tragen Blütenpollen und Nektar für ihren Nachwuchs ein, mörteln Wände und manche Arten tapezieren sogar wie etwa die Blattschneiderbienen, die ihre Nester mit kreisrunden Blätterteilen auskleiden. Auch wenn manche Wildbienen dann tatsächlich hier übernachten, ein Wildbienenhotel ist vor allem eine künstliche Nisthilfe für oberirdisch nistende Wildbienenarten, heißt es in einer Pressemitteilung der Deutschen Wildtierstiftung.
Ein Wildbienenhotel ist im Garten, auf Blühwiesen und auf dem Balkon sinnvoll. Neben Wildbienen wie der Gehörnten oder Rostroten Mauerbiene profitieren auch einige Kuckucksbienenarten, die ihre Eier in fremde Wildbienennester schmuggeln, und andere Insekten, wie solitär lebende Wespenarten, von solch einer künstlichen Nisthilfe.
Die Verarbeitung muss sauber sein. „Egal, ob Sie ein Hotel selbst bauen – beispielsweise aus einem Hartholzklotz und einem Bohrer oder mithilfe einer leeren Konservendose und Bambusröhrchen oder es im Baumarkt kaufen. Beim Material muss auf eine glatte und saubere Verarbeitung geachtet werden“, sagt Manuel Hensen, Leiter des Wildbienenteams bei der Deutschen Wildtier Stiftung. In der Natur nutzen Wildbienen gern die alten Bohrlöcher von Holzkäfern oder Holzwespen in abgestorbenen Holzpartien. Diese Käfer bohren sich über Monate, zum Teil Jahre, vom Stamminneren waagerecht nach außen. Dabei hinterlassen sie ein sehr sauberes und nicht ausgefranstes Bohrloch, ideal für die winzigen Wildbienen mit ihren zarten Flügeln, da sie hier kein Verletzungsrisiko eingehen. Darum müssen auch künstlich hergestellte Niströhren innen vollkommen glatt sein.
Das Hotel muss geschützt stehen. Wichtig sind eine gute Befestigung oder Verankerung im Boden oder an Wänden sowie ein Dach, das Regen abweist. Zum Schutz vor Vögeln, die die Löcher auf der Suche nach Insektennahrung aufpicken, sollte außen um die Nisthilfe ein Drahtgitter mit rund zehn Zentimetern Abstand zu den Niströhren angebracht sein. Durch das Gitter können die Wildbienen ein- und ausfliegen. Die Nisthilfe braucht zudem einen sonnigen, trockenen, windgeschützten und warmen Platz, am besten in südlicher Ausrichtung. „In Bäumen hängende, beschattete oder frei schwingende Nistelemente nehmen Wildbienen nicht an“, sagt Hensen. Auch auf Füllmaterialien wie Kiefernzapfen, Stroh oder Holzwolle soll verzichtet werden. Diese werden von Wildbienen nicht als Nistplatz genutzt.
In unmittelbarer Nähe der Nisthilfe sollten reichlich heimische Blühpflanzen als Nahrungsquelle wachsen, die vom zeitigen Frühjahr bis in den Oktober hinein blühen. Gut eignen sich Wilde Möhre, Natternkopf und Schafgarbe sowie reichlich blühende Kräuter. Haben Niströhren viele zerbrochene oder nicht vollständig verschlossene Nestabschlüsse, sollten diese entweder ersetzt oder mit einem spitzen Gegenstand, wie einem Schraubenzieher oder einem Pfeifenreiniger, gereinigt werden. Stängel aus weichen Materialien sollten immer dann ersetzt werden, wenn sie beginnen zu zerfasern. Das ist bei gekauften Nisthilfen oft schon nach einem Jahr der Fall.
Eine Anleitung für ein selbst gefertigtes Wildbienenhotel gibt es im Internet unter deutschewildtierstiftung.de