So will Bad Windsheim zu einer zukunftsfähigen Stadt werden | FLZ.de

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So will Bad Windsheim zu einer zukunftsfähigen Stadt werden

Interessiert lauschen die Gäste beim Neujahrsempfang der Stadt Bad Windsheim im Kur- und Kongress-Center den Worten von Bürgermeister Jürgen Heckel. (Foto: Katrin Merklein)
Interessiert lauschen die Gäste beim Neujahrsempfang der Stadt Bad Windsheim im Kur- und Kongress-Center den Worten von Bürgermeister Jürgen Heckel. (Foto: Katrin Merklein)
Interessiert lauschen die Gäste beim Neujahrsempfang der Stadt Bad Windsheim im Kur- und Kongress-Center den Worten von Bürgermeister Jürgen Heckel. (Foto: Katrin Merklein)

Gemeinsam. Der Neujahrsempfang der Stadt Bad Windsheim war geprägt von diesem Wort. Nur gemeinsam könne es gelingen, die Stadt zukunftsfähig zu machen, da waren sich die Redner einig. Rund 400 Gäste aus der gesamten Region tauschten sich am Samstag im Kur- und Kongress-Center (KKC) aus.

Traditionell mussten diese erst die Stadtsoldaten passieren und schüttelten dann Bürgermeister Jürgen Heckel (WiR), seiner Frau Dr. Annette Volkamer, seinen beiden Stellvertretern Alexandra Horst (Freie Wählergemeinschaft) und Ronald Reichenberg (SPD) sowie des Bürgermeisters Töchterlein der Wagnertanzgilde, Gabi Wattenbach, die Hände. Jürgen Heckel freute sich, zahlreiche Gäste aus vielen Sparten des öffentlichen Lebens begrüßen zu können. In seiner Rede erwähnte er diese nicht einzeln, sondern Themenfelder und wie diese in Beziehung zur Stadt Bad Windsheim stehen, was sie bringen und gebracht haben.

Heckel ging auf die größten Projekte ein, die in den kommenden Jahren auf die Stadt Bad Windsheim zukommen. Die Sanierung des Klosterchors mit historischer Stadtbibliothek zum Beispiel, ein Fünf-Millionenprojekt, bei dem er sich freute, bereits 2,8 Millionen Euro an Förderzusagen mitteilen zu können. Dazu gehört auch der Umbau des Bahnhofsgebäudes zu einem „Gebäude mit Willkommenskultur“ und die Kooperation mit der Lebenshilfe Lenkersheim, die darin ein Café betreiben wird.

Bahnentscheidung wird weiter hinterfragt

Kritik übte er, wie schon im vergangenen Jahr, an der Deutschen Bahn, die nun zwar den barrierefreien Ausbau des Bahnhofs Bad Windsheim angehen will, Neustadt und Steinach aber nach wie vor nicht auf dem Schirm hat. „Mir ist es unerklärlich, wie manche Entscheidungen zustande kommen“, sagte Heckel zur Art und Weise des Ausbaus. Die Barrierefreiheit ist nur über den Kurparksteg gegeben, eine deutlich günstigere, kürzere und einfachere Lösung lehnt die Bahn ab. Man werde aber weiter am Ball bleiben und für die Schrankenlösung kämpfen, die es anderswo ja auch gebe.

Dass sich die Stadträte an die Schienen kleben oder ketten, sehe der gesamte Stadtrat als letzte Möglichkeit: „Wir sind alle stinkesauer.“

Die Johanniterstraße sei in einem richtig schlechtem Zustand und werde nach der Sanierung als Verbindungskorridor vom Kurpark zum Freilandmuseum fungieren. Der Kurpark sei ebenfalls in die Jahre gekommen. In den nächsten Jahren müsste dort sowieso dringend etwas getan werden. Nicht mehr zeitgemäß sei die Einteilung der Wege – eine Verbindung zu Therme, den Hotels westlich der Erkenbrechtallee und dem KKC fehle gar komplett.

Dafür könne man nun gut auch die Landesgartenschau 2027 mit all ihren Fördermöglichkeiten nutzen. „Die Landesgartenschau wird ein voller Erfolg, wenn alle gemeinsam dahinter stehen“, sagte Heckel und verteilte einen kleinen Seitenhieb an die Stadtratsfraktion der Freien Wählergemeinschaft, die vor einer Entscheidung für oder wider Gartenschau erst einmal konkrete Zahlen auf den Tisch gelegt haben will.

Mediale Wirkung und Tourismusbotschafter

Allein die mediale Wirkung, die eine Landesgartenschau mit sich bringt, sei ein voller Gewinn für Bad Windsheim, betonte Birgit Grübler, die seit Oktober 2023 Geschäftsführerin der Kur-, Kongress- und Touristik GmbH ist. Hunderttausende Besucher werden 2027 nach Bad Windsheim strömen. „Die gilt es zu Tourismusbotschaftern der Stadt zu machen.“ Bad Windsheim habe enorm viel Potenzial, das Grübler für ihren Bereich mit Mut und Veränderung längerfristig herauskitzeln will. Eines ihrer Ziele sei unter anderem, dass sich der Aufenthalt von Touristen in der Stadt verlängert. Enormen Aufholbedarf habe die Stadt in Sachen Digitalisierung. Der Trend sei, dass der Gast bereits zu Hause „online in den Urlaub einsteigt“.

Heckel appellierte auch an die „große Politik“, die kleinen Krankenhäuser zu unterstützen. Er befürchte, dass die zehn Millionen minus der beiden Kliniken im Landkreis jedes Jahr nicht sehr viel länger zu stemmen seien. Unfair sei die „Doppelbesteuerung“ die die Bürger tragen. Zum einen stopfen sie das Loch über die Kreisumlage, zum anderen mit den Krankenkassenbeiträgen.

Weiter forderte Heckel zum wiederholten Male, dass Bad Windsheim Hochschulstandort wird. „Das brauchen wir in Bad Windsheim.“ Er ging auf bereits umgesetzte Projekte oder solche, die demnächst fertiggestellt werden, ein. Man könne stolz auf das Erreichte sein. Die Kindertageseinrichtung am Holzmark gehöre dazu, oder das neue Gemeindehaus, das gemeinsam genutzt werden soll. Generell hob er die gute Partnerschaft mit den Kirchen hervor. Die Winterung werde zwar später fertig als geplant, dafür aber eine „Naherholungsoase“. Mit der Errichtung des Waldkindergartens habe man Erfolgsgeschichte geschrieben, zwei Gruppen kommen heuer dazu, dann sei am Standort in der Gräf die Kapazität am Ende.

Krieg ist nicht die Lösung

Auch auf Kriege in der Welt ging Heckel ein. In Zeiten wie heute sei es wichtig für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit einzustehen. „Militärische Auseinandersetzungen sind nicht die Lösung.“ Für diesen Satz erhielt Heckel den meisten Applaus.

Noch lauter klatschte das Publikum für die folgenden Worte von Kabarettist Christoph Maul aus Schillingsfürst, der als Überraschungsgast in seiner Funktion als Sitzungspräsident der Fastnacht in Franken im KKC, seiner wohl zweiten Heimat im Fasching, vorbei spitzte.

Jeder müsse froh sein, in einem reichen und demokratischen Land wie Deutschland leben zu können. Die Demokratie sei in Gefahr sollte eine AfD an die Regierung kommen, die bereits jetzt in Potsdam „Deportationspläne“ schmiede. Er mahnte an, dass die, die heute die AfD wählten, am Schluss diejenigen seien, die am meisten unter ihr leiden werden.

Zunächst sorgte Maul aber für Auflockerung und Heiterkeit. Ministerpräsident Markus Söder bekam eine Breitseite, klopfe sich dieser doch wild auf die Schenkel und lache wie ein Wassereimer, sobald aber die Kamera bei der Faschingssitzung auf ihn gerichtet sei, verziehe er keine Miene mehr. Um seinen Stellvertreter Hubert Aiwanger zu übertrumpfen, zücke er sogar den Mähdrescher, den er zuvor aus Schillingsfürst entführt haben könnte.

Mit dem konnte dann ein Junggeselle nicht mehr bei seiner Herzensdame landen. Die Suche nach der Richtigen sei damals, als Maul noch jung war, ohnehin immer nach dem gleichen Muster abgelaufen: Fränkische Partnersuche. Wo? Na klar, in Dautenwinden. Zu zwölft im Fiesta ist man angereist, um den Schillingsfürster Genpool zu durchmischen. Zu „Summer of 69“ im „Halbkreis des Schreckens“, wurden hinter der Tanzfläche Bande geknüpft – reichlich Schnaps intus, versteht sich.

Dekan Jörg Dittmar und Pastoralreferent Ludger Mennes spendeten den ökumenischen Segen im Namen der gesamten christlichen Gemeinschaft, wie Dittmar betonte – für Gemeinschaft, Gerechtigkeit und Frieden. Bei Unterhaltungen an den Stehtischen im Foyer und im kleinen Saal klang der Empfang nach rund drei Stunden aus.


Von Katrin Merklein
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