Beim Beinahe-Unglück eines Boeing-Flugzeugs am Wochenende in München sind rund 60 Tonnen Kerosin abgelassen worden. Das passiert häufiger, als man denkt, wie eine Liste des Luftfahrtbundesamtes zeigt. Alleine im ersten Halbjahr 2026 wurden 15 solcher Treibstoffablässe im deutschen Luftraum verzeichnet, 6 davon betrafen Bayern zumindest teilweise.
Insgesamt weist die Liste, die bis Anfang 2018 zurückgeht, 203 Vorfälle aus - mehrere Dutzend davon passierten ganz oder teilweise über Bayern. Wie viel Treibstoff abgelassen wurde, schwankt stark: Teils sind es nur einige Hundert Kilo, in einem Fall aber auch 100 Tonnen. Werte um die 50 Tonnen sind dabei keine Seltenheit. Offizieller Grund sind dabei meist technische Probleme.
Hintergrund der Praxis ist, dass Flugzeuge beim Start in der Regel mehr Gewicht tragen können als bei der Landung. Müssen sie nach dem Start zu einem längeren Flug ungeplant umkehren, sind sie mit vollen Tanks oft zu schwer - und müssen erst leichter werden, um sicher zu landen.
Die Entscheidung darüber trifft laut Luftfahrtbundesamt alleine die Besatzung des Flugzeugs. Ein Fluglotse identifiziere dann einen geeigneten Luftraum, „der ein möglichst geringes Verkehrsaufkommen aufweist und möglichst abseits großer Städte liegt“, heißt es bei der Behörde. „Das Kerosin muss in einer Höhe von mindestens 1.800 Metern (6.000 Fuß) abgelassen werden. In der Regel erfolgt dies jedoch in größeren Höhen zwischen 4 und 8 Kilometern. Außerdem muss während des Ablassens und für 15 Minuten danach der Luftraum frei von durchfliegendem Verkehr bleiben.“
Doch was bedeutet das für die betroffenen Regionen? „Treibstoffschnellablässe haben nach dem aktuellen Kenntnisstand keine kritischen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt“ heißt es auf den Seiten des Umweltbundesamtes. In einem dort veröffentlichten Positionspapier von Ende 2020 wird allerdings auch empfohlen, nach Möglichkeit bei den Ablassgebieten abzuwechseln.
Hintergrund der eher niedrig eingeschätzten Belastung ist, dass sich das Kerosin über eine große Fläche verteilt. Untersuchungen des Umweltbundesamtes zufolge wird der Treibstoff meist binnen 5 bis 30 Minuten abgelassen - also über eine Strecke von 40 bis 220 Kilometern. Zudem verteilt sich das zu Tröpfchen versprühte Kerosin auf dem Weg zum Boden weiter und verdunstet teilweise. Wie viel am Boden ankommt, hängt dabei unter anderem von Ablasshöhe, Temperatur und Wind ab.
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