Bayern hat gewählt, doch bis alle Stimmen für die Kommunalwahl ausgezählt sind, wird es noch dauern. Anders bei den Personenwahlen - hier liegen die vorläufigen Ergebnisse bereits vor. Und wie immer bei Kommunalwahlen sind die Parteien bemüht, den Fokus auf ihre Erfolge und die Niederlagen der Konkurrenz zu legen.
Die Zahlen des Landeswahlleiters für insgesamt 275 Landkreise, kreisfreie Städte und andere Kommunen mit mehr als 10.000 Einwohnern erlauben erste Erkenntnisse, auch wenn gerade Kommunalwahlen besonders stark vom jeweiligen Kandidaten abhängen. Ein Überblick über die Hochburgen.
Die höchsten Einzelergebnisse in großen kreisangehörigen Kommunen und Landkreisen kann die CSU für sich aufweisen. Im schwäbischen Dillingen an der Donau kommt ihr Kandidat Frank Kunz auf 95,2 Prozent. Dass er Amtsinhaber ist und keinen Gegenkandidaten hatte, mag dabei geholfen haben.
Auch das beste Landratsergebnis geht an die Christsozialen: In Freyung-Grafenau in Niederbayern holt CSU-Kandidat Sebastian Gruber 89,1 Prozent der Stimmen - auch er Amtsinhaber, allerdings mit einem Gegenkandidaten.
In den kreisfreien Städten reicht es für die CSU dagegen nur für Platz zwei: Markus Pannermayr kommt in Straubing auf 64,4 Prozent.
„Wir sind klar die Nummer eins“, sagte Söder. Die CSU habe in den Städten zugelegt und wird weiter eine große Zahl der Landräte stellen. „Bamberg tut weh“, sagte Parteichef Markus Söder mit Blick auf das Ausscheiden der ehemaligen Gesundheitsministerin Melanie Huml bereits im ersten Wahlgang. Auch das Scheitern des CSU-Kandidaten Clemens Baumgärtner in München nannte Söder „ärgerlich“.
In den kreisfreien Städten hat die SPD die Nase vorn. Drei der fünf bereits entschiedenen Rennen gehen an sie - und in Fürth holt ihr OB-Kandidat Thomas Jung mit 72,1 Prozent auch eines ihrer stärksten Ergebnisse. In Ebersberg Stadt geht allerdings noch ein bisschen mehr für die Sozialdemokraten: Dort erreicht ihr Kandidat Ulrich Proske 77,9 Prozent der Stimmen. Bei den Landratswahlen ist dagegen bei 59,2 Prozent Schluss für die SPD - das reicht für ihren Kandidaten Florian Töpper in Schweinfurt aber klar.
Landeschefin Ronja Endres gab sich ebenfalls zuversichtlich. Für ihre Partei ist die Kommunalpolitik längst zur letzten Bastion in Bayern geworden - denn im Landtag ist die SPD seit Jahren nur noch die kleinste Fraktion. Deswegen dürften bei den Sozialdemokraten die Nerven nach dem schlechten Abschneiden von Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter ziemlich blank liegen. Er muss in der Stichwahl um seine Wiederwahl bangen.
Bei den Freien Wählern wird es kompliziert, denn sie treten nicht überall einfach nur unter Freie Wähler an. Zählt man auch Gruppen wie Freie Wähler Rödental e.V. mit, haben sie in dieser Stadt mit 90,5 Prozent ihr bestes Ergebnis eingefahren. Das beste Landratsergebnis holten die Freien Wähler der Landkreisgemeinden in Garmisch-Partenkirchen mit 66,2 Prozent - der Verein betont zwar auf seiner Internetseite unabhängig von der Partei Freie Wähler zu sein, diese reklamiert den Sieg von Landrat Anton Speer aber als Erfolg für sich. In den kreisfreien Städten haben sie es dagegen schwerer: Selbst wenn man den von einer gemeinsamen Liste mit einer überparteilichen Wahlgruppe in Kempten aufgestellten Kandidaten mitzählt, reicht es nur für 31 Prozent.
Parteichef Hubert Aiwanger nennt den Wahlausgang in jedem Fall einen „großen Vertrauensbeweis in unruhigen Zeiten“ und verweist auf sieben direkt gewählte Landräte und 23 Kandidaten in der Stichwahl.
Auch die Grünen treten häufig in Gemeinschaft mit Gruppierungen oder anderen Parteien an. Ohne Partner kommen sie bei der Landratswahl in Landsberg am Lech mit 39,7 Prozent für Daniela Groß auf ihr höchstes Ergebnis. Das Landesamt für Statistik wertet zudem eine Liste in Feuchtwangen als „Grüne und andere“ - dort reicht es sogar für 61,9 Prozent und das Amt des Ersten Bürgermeisters. Allerdings ist hier neben Gruppierungen auch die SPD mit im Boot. In der Landeshauptstadt München schaffen es die Grünen zudem erstmals in die Stichwahl um den Oberbürgermeisterposten.
Die Landesspitze gab sich nach der Wahl regelrecht euphorisch und verwies insbesondere auf den Erfolg von Dominik Krause in München. In den kommenden Tagen dürfte aber die Stimmung durchwachsener werden - denn es ist davon auszugehen, dass die Grünen ihr Rekordergebnis von 2020 nicht annähernd erreichen dürften.
Die AfD holt ihre besten Ergebnisse bei den Landratswahlen in Günzburg und Dingolfing-Landau mit 24,2 und 18,3 Prozent. Beides reicht aber nicht für einen Einzug in die Stichwahl, weil dort CSU-Kandidaten jeweils im ersten Wahlgang mehr als 50 Prozent erreichten. In den kreisfreien Städten ist die Partei in Schweinfurt mit 16,2 Prozent am stärksten. Auch hier reicht es aber nicht für die Stichwahl.
Landeschef Stephan Protschka gab zu, dass die Partei schon darauf gesetzt habe, in ein, zwei, drei Kreisen vielleicht in die Stichwahl zu kommen. Er selbst war ebenfalls angetreten - bei der Landratswahl in Dingolfing. Allerdings konnte die AfD die Zahl ihrer Mandate in den Stadt- und Gemeinderäten sowie in den Kreistagen deutlich ausbauen: In der oberfränkischen Gemeinde Frensdorf holt sie etwa die Stimmenmehrheit bei der Gemeinderatswahl, in Augsburg wurde sie zweitstärkste Kraft im Stadtrat.
Vielerorts müssen die Wähler ein zweites Mal an die Urnen. Alleine bei den Landkreisen, kreisfreien Städten und größeren Städten mit mehr als 10.000 Einwohnern stehen 128 Stichwahlen an, wie aus den vorläufigen Ergebnissen beim Landeswahlleiter hervorgeht. Dagegen steht in 147 der Landkreise, kreisfreien Städte und größeren Städte bereits der Sieger bei der Personenwahl fest.
Besonders in den kreisfreien Städten waren die Wahlen umkämpft. Dort gibt es nur in fünf von 22 Fällen bereits einen Sieger. Bei den 62 Landratswahlen sind 33 Rennen bereits entschieden.
In den größeren Städten mit mehr als 10.000 Einwohnern, die nicht kreisfrei sind, gab es in 109 Fällen bereits einen Sieger. In 82 steht noch eine Stichwahl an.
Zu den Gemeinden mit bis zu 10.000 Einwohnern gibt es derzeit keine zentralen Listen beim Landesamt für Statistik, daher können sie nicht umfassend ausgewertet werden.
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