Die Fenchelknolle ist unten schon braun, das Netz mit den Orangen aufgerissen, die Mairübchen sehen etwas schrumpelig aus. Zum Wegwerfen sind solche Lebensmittel aber viel zu schade, sagt Chantal Theisen von der Initiative Foodsharing.
„Wir retten Lebensmittel in Supermärkten, Discountern oder Bäckereien“, erklärt sie. Die Läden geben Lebensmittel ab, die sie nicht mehr verkaufen, zum Beispiel, weil Obst und Gemüse schon braune Stellen oder welke Blätter haben. Aber die lassen sich herausschneiden oder entfernen – und dann geht es los.
Die Düsseldorfer Foodsharing-Gruppe hat zur Schnippeldisco eingeladen. Auf einem großen Tisch liegen Fenchel, Orangen, Mairübchen und andere gerettete Lebensmittel. Alle, die Lust haben, können mitmachen und daraus gemeinsam etwas zubereiten. Chantal Theisen entfernt beim Fenchel den braunen Ansatz, die Mairübchen schält sie großzügig. In feine Ringe geschnitten wird daraus ein leckerer Salat.
Aus dem Saft der Orangen bereitet die gelernte Diätassistentin eine Vinaigrette zu. Dafür hat sie einige Basis-Zutaten mitgebracht: Öl und Essig, Salz, Pfeffer und Zwiebeln, die sie feinhackt. Ein Spritzer Sojasoße mit Wasabi-Geschmack gibt dem Salat die besondere Note. Weil das Mindesthaltbarkeitsdatum (MDH) überschritten ist, wurde die Flasche im Supermarkt aussortiert.
„Viele Lebensmittel sind trotzdem noch genießbar“, sagt Theisen und empfiehlt den dreifachen Test, zu dem auch das Bundeszentrum für Ernährung (BZfE) rät: Sieht das Lebensmittel wie gewohnt aus, riecht und schmeckt es wie erwartet? Dann kann es auch nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum verzehrt werden.
Jeder und jede von uns wirft jährlich 74,5 Kilogramm Lebensmittel weg, hat das Umweltbundesamt errechnet. Brotreste trocknen auf dem Küchenschrank vor sich hin, Bananen werden braun und angeschnittenes Gemüse verschrumpelt im Kühlschrank, bis man die Überbleibsel mit schlechtem Gewissen entsorgt.
Dabei ließe sich vieles noch verwerten, sagt Theisen. „Legt man schrumpelige Möhren in kaltes Wasser und stellt sie über Nacht in den Kühlschrank, sind sie am nächsten Tag wieder knackig“, erklärt die Food-Retterin. Für Salatblätter, die zu welken anfangen, hat sie einen ähnlichen Trick: „Die Blätter vom Strunk entfernen, waschen und leicht schleudern, so dass sie noch etwas feucht sind.“ Die Salatschleuder mit den Blättern kommt für einige Stunden in den Kühlschrank, danach hat das Grünzeug wieder Biss.
Kleine braune Stellen an Obst oder Gemüse schneidet sie einfach heraus. Bei schimmligen Lebensmitteln sollte man dagegen keine Kompromisse eingehen, sondern sie sofort entsorgen, rät das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES).
Damit es gar nicht erst so weit kommt, hat die Food-Bloggerin Jacqueline Alfers ihre Kochgewohnheiten auf den Kopf gestellt. Statt viele Zutaten für ein bestimmtes Gericht einzukaufen, schaut sie, was im Kühlschrank noch vorhanden ist und wie es zusammenpasst.
Einige Basislebensmittel hat Alfers immer parat: Asiatische und italienische Nudeln, Reis, Essig und Öl. Ein neutrales Sonnenblumenöl passt zu fast allem, Olivenöl lässt sich zum Beispiel gut für mediterrane Gerichte verwenden. Um Gemüsereste zu einer Pastasauce zu verarbeiten, braucht sie nicht viel: Dosentomaten oder Tomatenmark, eine italienische Kräutermischung, Zwiebeln, Knoblauch, Salz und Pfeffer.
Als Gemüse eignen sich Zucchini, Aubergine, Karotte, Brokkoli oder Porree. Die Gemüsereste werden in zwei bis drei Zentimeter große Stücke geschnitten, mit dem Olivenöl, gehackten Zwiebeln, Knoblauch und Gewürzen gemischt. Alfers gibt alles auf ein Backblech und schiebt es für 30 Minuten in den Backofen. Anschließend wird das Gemüse mit den Dosentomaten oder verdünntem Tomatenmark zu einer Sauce aufgekocht.
Auch altbackenes Brot lässt sich mediterran aufpeppen. Lebensmittelretterin Theisen bereitet daraus eine besondere Bruschetta zu. Dafür schmort sie Zucchini und Auberginen in etwas Öl, kocht das Gemüse mit frischen oder Dosentomaten kurz auf und schmeckt alles mit Salz, Pfeffer und mediterranen Kräutern ab. Die Brotscheiben werden mit Olivenöl und gehacktem Knoblauch bestrichen und im Ofen geröstet, bevor das Gemüse darauf angerichtet wird.
Trocken gewordenes Weißbrot eignet sich außerdem für Croutons zu Suppe oder Salat.
Resteküche geht auch asiatisch: Mit Zwiebeln und Knoblauch, Sojasauce und Ingwer kreiert Hobbyköchin Alfers aus Gemüseresten ein Stir-Fry. Die Zubereitungsart kommt ursprünglich aus China. Alfers brät dafür grob geschnittenes Gemüse scharf in der Pfanne an und gibt die Gewürze dazu. Von Brokkoli über Bohnen, Champignons und Chinakohl bis hin zu Weißkohl und Zucchini eignet sich fast alles. Und viele Gemüsesorten lassen sich kombinieren.
„Saisonales Gemüse harmoniert meistens gut, also zum Beispiel Karotten und Weißkohl als Wintergemüse oder Paprika, Tomaten und Zucchini im Sommer“, sagt Alfers. Zu Stir-Fry passen asiatische Mie-Nudeln, Glasnudeln oder Kartoffeln.
Indisch wird es mit einem Linsen-Dal: Bei der Düsseldorfer Schnippeldisco landen Kartoffeln, Tomaten und Spinat im Dal. „Man kann auch Karotten oder Paprika verwenden“, sagt Theisen. Sie dünstet zuerst Zwiebeln, Ingwer und Knoblauch in etwas Öl, gibt das kleingeschnittene Gemüse dazu und schwitzt es kurz an. Die Linsen werden vorgekocht, mit dem Gemüse und mit Gewürzen wie Kreuzkümmel und Chili gemischt und zu Ende gegart.
Gekochte Reste können ebenfalls verarbeitet und sogar neu gewürzt werden. „Kokosmilch oder Sahne dämpfen den ursprünglichen Geschmack“, verrät Food-Bloggerin Alfers. Sie empfiehlt, den Charakter des Gerichts nur leicht zu verändern. Ein Rest vom Stir-Fry passt beispielsweise gut in ein Curry, zusammen mit Kokosmilch, Currypaste und allem möglichen Gemüse. Das Beste: Es schmeckt jedes Mal ein bisschen anders.
© dpa-infocom, dpa:260722-930-419160/1