Am 2. April vor 100 Jahren wurde der Schachklub Dinkelsbühl gegründet. Für das Jubiläumsjahr hat sich der Verein vorgenommen, in der Bevölkerung das Interesse am strategischen Brettspiel zu wecken. Zudem will der Klub in Zeiten digitaler Vernetzung den Reiz an Partien „in Präsenz“ vermitteln, so wie sie schon in der Gründerzeit üblich waren.
Ins Leben gerufen wurde der Schachklub 1925 im Gasthaus „Weißes Roß“, das bis Ende der 1970er Jahre das Spiellokal blieb. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten 1925 Karl Hahn, Emil Hauf, Otto Kreuth, Karl Müller, Mathias Müller, Max Rahn, Siegfried Stein sowie Otto Wiesinger. Noch im selben Jahr traten weitere sechs Mitglieder bei und im Folgejahr nochmals fünf.
Das Vereinsleben ruhte während des Zweiten Weltkrieges. „Die Luftalarme störten die Spielabende“, heißt es in der Chronik.
Nach dem Einmarsch der US-Streitkräfte im April 1945 waren jegliche Vereinsaktivitäten zunächst verboten. Ab 1947 trafen sich die Mitglieder wieder regelmäßig zu ihren Partien. Zur ersten Hauptversammlung nach dem Zweiten Weltkrieg waren 40 Personen erschienen. 1950 erfolgte die Anmeldung beim Bayerischen Landessportverband.
Bei einem Blick in die Chronik sticht aus den Ereignissen der Vereinsgeschichte beispielsweise das Remis heraus, das 1968 der damalige Weltmeister dem ehemaligen Dinkelsbühler Jugendspieler Jürgen Teufel angeboten hatte. Teufel trat für den Bamberger Schachclub gegen den Weltmeister an.
Im Jahr 2003 fand in Dinkelsbühl ein Simultanturnier mit Großmeister Vlastimil Hort statt und 2019 holte sich Florian Ries – ein Aushängeschild des Dinkelsbühler Klubs – den Sieg bei den bayerischen U 25-Schnellschachmeisterschaften. 2023 wurden schließlich die Deutschen Schnellschachmeisterschaften in Dinkelsbühl ausgetragen. Zu den beliebten, regelmäßigen Veranstaltungen für junge Leute gehört der 2018 ins Leben gerufene Jugendcup.
Seit 2007 ist Franz Ramisch Vorsitzender; zweiter Vorsitzender ist seit vielen Jahren Andreas Vaas. Tobias Klingler – neben Ries ein weiterer leistungsstarker Vereinsspieler – übernahm 2014 die Position des Jugendwarts.
Heute ist das Jugendhaus AP 26 regelmäßiger Treffpunkt der Schachfreunde. Jeden Freitag wird dort trainiert. Ein Herzstück der Vereinsaktivitäten ist dabei die Jugendarbeit. So sind von 17 bis 19 Uhr zunächst die Jugendlichen an der Reihe, bevor ab 19 Uhr die Erwachsenen ihre Partien spielen. Der altersmäßige Übergang sei dabei fließend, wie Ramisch im Gespräch mit der FLZ deutlich machte. Wer Lust habe mitzumachen, könne freitags unverbindlich vorbeischauen oder über die Homepage des Klubs (www.skdinkelsbuehl.de) Kontakt aufnehmen.
Eine zentrale Festveranstaltung plant der Schachklub zum Jubiläum nicht. Vielmehr soll der Geburtstag im April vereinsintern gefeiert werden. Für die Öffentlichkeit haben die Mitglieder aber ein beachtliches Veranstaltungsprogramm organisiert. Dieses bietet Gelegenheit zum Mitmachen und zum Zuschauen.
Beim Tag der offenen Tür am Samstag, 10. Mai, sind alle Interessierten zum Schnuppern in das Jugendhaus AP 26 eingeladen. Im Juni starten Schachkurse für Jugendliche und Erwachsene. Am Samstag, 2. August, steht im Kleinen Schrannensaal ein Simultanturnier mit dem Großmeister Léon Mons auf dem Programm.
Der Dinkelsbühler Verein ist außerdem wieder beim Ferienprogramm mit dabei und trägt am Samstag, 27. September, im Gymnasium den 6. Jugendcup für Spielerinnen und Spieler unter 20 Jahren aus. Am Wochenende des 18. und 19. Oktobers findet schließlich in der Schranne die Deutsche Schnellschach-Amateurmeisterschaft statt. Zu guter letzt wird im November der Hauf-Pokal ausgespielt. Das komplette Programm ist auf einem Flyer abgedruckt. Dieser soll an frequentierten Stellen wie in Tankstellen oder Supermärkten ausgelegt werden.
Im Jubiläumsjahr wünscht sich Vorsitzender Franz Ramisch, dass neue Gesichter ihren Weg zum Verein finden. Angesprochen sein sollen dabei nicht nur Jugendliche. Es gebe, so Ramisch, sicher den einen oder anderen, der zu Hause spiele. Schön wäre, wenn man Personen aus diesem Kreis an den Schachbetrieb heranführen könne.
Der Schachklub Dinkelsbühl hat derzeit 34 Spieler gemeldet, darunter 19 Jugendliche. Unter den 15 Erwachsenen ist eine Frau. Als eher kleiner Verein, so der Vorsitzende, habe man natürlich ein Interesse an weiteren starken Spielerinnen und Spielern für die Wettkämpfe. Und noch eines ist Franz Ramisch wichtig: Gerade in einer Zeit, in der die digitale Welt das Spiel im virtuellen Raum jederzeit ermögliche, dürfe das Spiel in Präsenz nicht vernachlässigt werden. Dieses sei heute noch so wichtig wie vor 100 Jahren. Denn spannende Begegnungen am Brett seien ja auch Baustein eines Gemeinschaftserlebnisses.