Rücktritt des Kreisspielleiters aus Neustadt wirft Fragen auf | FLZ.de

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Rücktritt des Kreisspielleiters aus Neustadt wirft Fragen auf

Kennt den Job gut: Der Kreisvorsitzende Thomas Raßbach ist jetzt auch wieder Kreisspielleiter, obwohl er das nicht sein darf. Eigentlich. (Foto: Martin Rügner)
Kennt den Job gut: Der Kreisvorsitzende Thomas Raßbach ist jetzt auch wieder Kreisspielleiter, obwohl er das nicht sein darf. Eigentlich. (Foto: Martin Rügner)
Kennt den Job gut: Der Kreisvorsitzende Thomas Raßbach ist jetzt auch wieder Kreisspielleiter, obwohl er das nicht sein darf. Eigentlich. (Foto: Martin Rügner)

Unter Funktionären gibt es ein geflügeltes Wort: „Die meiste Arbeit haben Fußball-Spielleiter, wenn gar kein Fußball gespielt wird“. Also jetzt, in diesen Tagen, da die alte Saison beendet und der Beginn der neuen noch etliche Wochen entfernt ist. Die nächste Saison muss nun vorbereitet werden, was viel Arbeit macht. Und genau jetzt tritt der Kreisspielleiter zurück. Das wirft Fragen auf.

Wer bewirbt sich schon für das Ehrenamt?

Michael Grafhat nicht wenige überrascht mit der Ankündigung, nicht mehr der Kreisspielleiter sein zu wollen. Der 58-jährige Neustädter hatte das Amt erst vor einem Jahr von Thomas Raßbach (60) übernommen. Der Lehrberger war viele Jahre lange Kreisvorsitzender und Kreisspielleiter in Personalunion. Diese vom Aufgabenfeld her eigentlich logische Doppelfunktion möchte der Bayerische Fußballverband (BFV) nicht mehr haben.

Also suchte sich Raßbach aus den vielen hundert Bewerbern nach enervierenden Auswahlverfahren den seiner Meinung nach geeignetsten aus. So war es natürlich nicht. Menschen, die hier schreien, wenn unbezahlte Arbeit zu verteilen ist, sucht man auch unter Fußballern oft genug vergeblich.

Raßbach wieder in Doppelfunktion

Graf erklärte sich schließlich dazu bereit, den wichtigsten Job im Fußballkreis zu übernehmen, als Verantwortlicher für den Spielbetrieb von immerhin rund 220 Vereinen, die sich auf die Landkreise Ansbach, Neustadt und das Nürnberger Stadtgebiet verteilen.

Raßbach schien seine Nachfolge gut geregelt zu haben und schaute sich das Geschehen als Kreisvorsitzender mit einigem Abstand an, wobei er verlauten ließ, dass er auch dieses Amt in nicht allzu ferner Zukunft abzugeben gedenke. Tja. Daraus wird wohl vorerst nichts. Im Moment ist Raßbach „Kreisvorsitzender und erledigt gleichzeitig die Aufgaben des Kreisspielleiters.“ So sagt er selbst, die verbotene Doppelfunktion zumindest sprachlich korrekt umgehend.

Nicht mehr lange Kreisspielleiter: Thomas Raßbach treibt die Personalentscheidungen im Kreis Nürnberg/Frankenhöhe voran. (Foto: David Oßwald)
Nicht mehr lange Kreisspielleiter: Thomas Raßbach treibt die Personalentscheidungen im Kreis Nürnberg/Frankenhöhe voran. (Foto: David Oßwald)

Der Fußballkreis Nürnberg/Frankenhöhe stellt sich neu auf

Michael Graf aus Neustadt soll Nachfolger von Kreisspielleiter Thomas Raßbach werden.

Aber warum nur tritt Graf nun so plötzlich zurück? Die offiziell per E-Mail verbreitete Version: „Fast ein Jahr durfte ich meine Funktion ausüben, konnte mitarbeiten, meine Ligen betreuen, wurde von Vereinen zu Ehrungen und Jubiläen eingeladen. Dies und vieles mehr hat mir sehr viel Freude an der Arbeit im Kreis bereitet. Trotz der vielen positiven Erfahrungen habe ich für mich entschieden, dass ich diese Funktion nicht mehr ausführen werde.“

Alles super also, oder? „Es war nicht alles super“, sagt Graf, ohne konkreter zu werden. Familie, Firma, Gesundheit, alles kein Problem, er gehe ohne Groll, es gebe noch anderes im Leben als Fußball.

Das Ziel, mit einem Rücktritt auf Missstände aufmerksam zu machen, hat Graf, der als Leiter eines Handwerksbetriebes (Fliesen) Personalverantwortung gewöhnt ist, ganz offenbar nicht. Sonst würde er die ja benennen. Graf galt als durchaus fleißig, als einer der Kreisspielleiter, der nachts um zwölf die letzte Mail verschickt und morgens um halb fünf die erste.

Ein Interview mit Hintersinn?

„Ich bedauere es außerordentlich, dass er nicht mehr Kreisspielleiter ist“, sagt etwa Rainer Wölzlein (Neuses bei Burgoberbach), als Gruppenspielleiter Teil der Truppe, die den Kreisspielleiter unterstützt.

Auf der Suche nach dem Warum findet sich ein Interview mit Raßbach, das vor einigen Tagen auf dem regionalen Fußballportal fussballn.de erschien. Es wird Zeit, dass der Chef zurückkommt und den Laden wieder auf Kurs bringt. So konnte man, sehr salopp zusammengefasst, die darin von Raßbach geäußerte Kritik am Spielbetrieb lesen.

Reibereien im Führungszirkel

Kritik, die allerdings auf die Zustände im Bezirk gemünzt war, wie Raßbach nun betont. Tatsächlich wurde etwa die Relegation auf Bezirksebene lautstark von etlichen Seiten mit guten Argumenten regelrecht zerlegt.

Und warum sollte Raßbach auf diesem Weg dem von ihm selbst bestellten Nachfolger beschädigen wollen? „Niemand bedauert diesen Rücktritt mehr als ich“, sagt Raßbach. Graf lässt auf Raßbach rein gar nichts kommen.

Gründe für den Rücktritt zur Unzeit, so hört man, sind aber wohl doch in der Funktionärsmannschaft des Kreises zu verorten, die etliche Personen mehr als die in diesem Text genannten umfasst. Nicht mit allen soll die Zusammenarbeit so ganz reibungslos verlaufen sein. Dazu passt, dass sich Graf „manchmal mehr und bessere Kommunikation“ gewünscht hätte.

Nächstes Jahr ist Kreistag

Dieses Problem ist Graf nun jedenfalls los und Raßbach hat ein neues. Im Februar nächstes Jahr ist Kreistag in Nürnberg, spätestens da sollte man eine vollzählige Funktionärsmannschaft präsentieren können. „Ich lasse den Kreis nicht im Stich, dafür habe in den letzten Jahren zu viel investiert“, sagt Raßbach.


Alexander Keck
Alexander Keck
Der noch in Vor-Internetzeiten der FLZ zugelaufene Schwarzwälder hat im Verlauf von fast drei Jahrzehnten die fränkischen Merkwürdigkeiten, die in Ohrmuscheln (Allmächd!) und auf Esstellern (Saure Zipfel!) landen schätzen gelernt. Nur die im Vergleich zu Spätzle stets zu breiigen Knödel mag der Schwabe nicht. Das Schreiben über Sport dagegen immer noch sehr - gerne auch abseits des Mainstreams.
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