Römer ließen reichen Nachschub für Kastell in Ruffenhofen kommen | FLZ.de

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Veröffentlicht am 07.03.2023 14:46

Römer ließen reichen Nachschub für Kastell in Ruffenhofen kommen

Andreas Schaflitzl (links) und Ruffenhofens Museumsleiter Matthias Pausch (rechts) begrüßten die rund 50 Zuhörer zu dem Vortrag im Limeseum. (Foto: Peter Tippl)
Andreas Schaflitzl (links) und Ruffenhofens Museumsleiter Matthias Pausch (rechts) begrüßten die rund 50 Zuhörer zu dem Vortrag im Limeseum. (Foto: Peter Tippl)
Andreas Schaflitzl (links) und Ruffenhofens Museumsleiter Matthias Pausch (rechts) begrüßten die rund 50 Zuhörer zu dem Vortrag im Limeseum. (Foto: Peter Tippl)

Nur etwa 90 Jahre lang bestanden das Kastell und die Zivilsiedlung beim schwäbischen Munningen, einer Gemeinde im heutigen Landkreis Donau-Ries. Sie bestechen aber durch historische Alleinstellungsmerkmale.

Die Tempelanlage muss ein überregionaler Wallfahrtsort gewesen sein, denn nach nur 20-jähriger Präsenz der römischen Truppen entwickelte sich entgegen dem damaligen Trend vielseitiges Leben in einer großen Zivilsiedlung. Deren Speisekarte konnte aufgrund der feuchten Bodeneigenschaften bei Ausgrabungen optimal nachvollzogen werden.

Weinfässer kamen aus der Emilia-Romagna

Diese Erkenntnisse fasste der baden-württembergische Limeskoordinator Andreas Schaflitzl bei einem Vortrag im Limeseum unter dem Titel „Wein, Schafe, Lautenklänge“ zusammen. Der Titel wurde sorgsam gewählt und wies auf die überregionale Bedeutung von Munningen hin. Wahrscheinlich kamen die Weinfässer laut Schaflitzl aus der Emilia Romagna.

Bei der Tempelanlage wurden fünf Zentner Reste überwiegend von Schafknochen als Nachweis einer überregional bedeutsamen Kult- und Opferstätte gefunden. „Lautenklänge“ bezieht sich auf den europaweit einzigartigen Fund eines Lyra-Wirbels aus Bronze. Die Archäologen sind sich diesbezüglich laut Andreas Schaflitzl aber nicht ganz sicher, denn die Querstange des antiken Saiteninstruments wurde üblicherweise aus Holz angefertigt.

Munningen liegt am so genannten Alb-Limes, der nicht wie Ruffenhofen im Welterbebereich liegt. Das Kastell war aber, so Schaflitzl, „sicherlich eine zentrale Nachschubbasis für Ruffenhofen“. Der mit fruchtbarem Lößboden verfüllte Explosionskrater des Ries war ein bevorzugter Siedlungsraum und unweit von Kastell und Zivilsiedlung kann laut Schaflitzl von einer Schiffslände an der Wörnitz für die Flachboote der Römer ausgegangen werden.

Auch die Lage verbindet den Römerpark Ruffenhofen und das römische Kohortenkastell und Vicus von Munningen – jeweils auf einem Plateau gelegen und somit hochwasserfrei. Den militärischen Charakter der Anlage entdeckte Limesforscher und Mediziner Heinrich Eidam (Gunzenhausen) vor rund 100 Jahren.

Die von Andreas Schaflitzl vorgestellten Erkenntnisse wurden bei Baumaßnahmen im Jahr 2009 für die um Munningen führende Umgehungsstraße bei Grabungen festgestellt. Viele Brunnen gibt es dort, in die bei deren Aufgabe Haushaltsgeschirr und eingebrannte Töpfe entsorgt wurden.

Die wirtschaftliche Bedeutung der Zivilsiedlung wird auch durch einen Speicherbau, eine Art Säulenhalle, mit einer Grundfläche von etwa 3500 Quadratmetern untermauert.

Wesentliches Merkmal ist die Tempelanlage

Für den baden-württembergischen Limeskoordinator bleibt das wesentliche Merkmal des Munninger Areals aber die Tempelanlage. Gewidmet der Göttin „Securitas Aeterna“ für „ewige Sicherheit“, bestanden Kastell und Vicus nur etwa zwischen den Jahren 90 und 180 nach Christus, aber mit einer Bedeutung als überregionale Kultstätte.

Der größte Teil der Anlage wurde beim Bau der Umgehungsstraße überbaut und somit für die Nachwelt gesichert.Visuell erlebbar hingegen ist die römische Siedlung „Losodica“ entlang des nach Munningen führenden Radweges mit zahlreichen Hinweistafeln und „bronzenen Römern“.


Von Peter Tippl
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