Die ehemalige Bundesfamilienministerin Renate Schmidt (SPD) verlangt mehr Dialog der Politiker mit den Bürgern. „Was mir wirklich fehlt heutzutage, ist, dass Politiker den Leuten zuhören - und zwar nicht nur digital, sondern ganz stinknormal analog“, sagte die 82-Jährige der „Augsburger Allgemeinen“. Zu ihrer aktiven Zeit habe sie sich in Bürgersprechstunden die Sorgen der Menschen angehört und versucht, Lösungen zu finden.
Die Parteien der Mitte müssten den Menschen gegenüber Wertschätzung ausdrücken. Man dürfe nicht ständig erzählen, „dass sie nicht genug arbeiten, zu häufig krank oder einfach zu blöd sind, um die Reformen zu verstehen“, meinte die langjährige bayerische SPD-Chefin. „Wer so spricht, darf sich nicht wundern, dass die Menschen sich abwenden und woanders hingehen.“
Schmidt sagte, die Menschen würden keine Wahlprogramme lesen. „Es reicht ihnen, wenn sie den Eindruck haben, es gibt eine Partei, die unsere Probleme immerhin benennt. Das gibt den Leuten das Gefühl, wahrgenommen zu werden - und das ist etwas ganz Wichtiges.“
Die Sozialdemokratin wies aber auch darauf hin, dass es derzeit keine einfachen Lösungen in der Politik gebe. „Diese einfachen Lösungen werden den Menschen nur von der AfD, aber teilweise auch von der Linken vorgegaukelt.“
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