Pisa-Schock: Was Bayern bei der Bildung besser machen könnte | FLZ.de

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Veröffentlicht am 08.09.2026 09:55, aktualisiert am 08.09.2026 14:20

Pisa-Schock: Was Bayern bei der Bildung besser machen könnte

Einem Viertel der 15-Jährigen fehlen laut Pisa-Studie Basiskompetenzen in Naturwissenschaften, im Lesen und Mathematik ist es gar ein Drittel. (Symbolbild) (Foto: picture alliance / Jens Büttner/dpa)
Einem Viertel der 15-Jährigen fehlen laut Pisa-Studie Basiskompetenzen in Naturwissenschaften, im Lesen und Mathematik ist es gar ein Drittel. (Symbolbild) (Foto: picture alliance / Jens Büttner/dpa)
Einem Viertel der 15-Jährigen fehlen laut Pisa-Studie Basiskompetenzen in Naturwissenschaften, im Lesen und Mathematik ist es gar ein Drittel. (Symbolbild) (Foto: picture alliance / Jens Büttner/dpa)

Die Pisa-Studie enthält zwar keine Ergebnisse zu einzelnen Bundesländern, dennoch sorgt das schlechte Abschneiden der deutschen Schülerinnen und Schüler bei der aktuellen Ausgabe des Bildungstests auch in Bayern für Aufruhr. Schließlich erzielten die getesteten 15-Jährigen die niedrigsten Kompetenzwerte seit Beginn der Pisa-Erhebungen. So fehlten einem Viertel Basiskompetenzen in den Naturwissenschaften – in Lesen und Mathematik galt dies sogar für ein Drittel.

Damit steht erneut die Frage im Raum, was sich in der Bildungspolitik ändern muss und was beibehalten werden sollte. Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) jedenfalls sieht die Weichen im Freistaat bereits richtig gestellt. Bayern habe bereits nach den letzten Ergebnissen umgehend gehandelt, sagt sie und will den eingeschlagenen Weg deshalb weitergehen. „Unser Kurs steht: früh hinschauen, gezielt fördern und die Basiskompetenzen kraftvoll stärken.“

Mehr Unterrichtsstunden und frühe Sprachförderung

So seien die Fächer Deutsch und Mathematik in der Grundschule um sechs Wochenstunden aufgestockt worden. Stolz ergänzt: „Rund eineinhalb Jahre vor der Einschulung erheben wir verbindlich den Sprachstand und schließen bei Förderbedarf eine verpflichtende Sprachförderung an.“

Hinzu kämen eine wissenschaftsbasierte Diagnostik sowie Fortbildungen für Lehrkräfte. Zum aktuellen Schuljahr werde zudem eine entsprechende Initiative an den Mittelschulen beginnen. 

Sie räumt aber auch ein: „Selbstverständlich werden wir auch intensiv prüfen, wo wir besser werden können, ich denke dabei insbesondere an die Lehrkräftebildung.“ Dies ist allerdings nicht der einzige Punkt, bei dem Fachleute Verbesserungspotenzial sehen.

Sprachförderung und Ganztag

Allein bei der Sprachförderung rund um die Einschulung dürfe es nicht bleiben, findet etwa die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft. „Da eine gesicherte Sprach- und Lesekompetenz fächerübergreifend ausschlaggebend für gute Leistungen ist, müssen wir diese Fähigkeiten früh fördern, Sprachdefiziten entgegenwirken und Sprachkompetenz mit Leistungstests auch an weiterführenden Schulen kontinuierlich sicherstellen“, sagt deren Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt. 

Und fährt fort: „Die Basiskompetenzen Deutsch und Mathematik müssen wir ins Zentrum rücken und für mehr Partizipationsgerechtigkeit sorgen, indem wir das Ganztagsangebot weiter ausbauen.“ Eine aktuelle Studie zeigt etwa, dass der Besuch einer Ganztagsschule positive Auswirkungen auf die Deutschnoten hat und die Wahrscheinlichkeit erhöht, nach der Grundschule ein Gymnasium zu besuchen. Fachleute heben regelmäßig hervor, dass insbesondere gebundene Ganztagsschulen mehr Lernzeit und eine gezielte Förderung ermöglichen.

Soziale Benachteiligung

Viele Bildungsforscher kritisieren zudem seit Jahren den großen Einfluss, den der sozioökonomische Status der Eltern auf den Bildungserfolg der Kinder hat. Auch Pisa 2025 bestätigt die Erkenntnis, dass in Deutschland der schulische Erfolg stärker als in anderen Ländern vom Elternhaus abhängt. Seit 2015 nimmt diese Kluft sogar wieder zu. 

„Bayern muss endlich gezielt dort investieren, wo die Bildungschancen am schlechtesten sind“, fordert deshalb der Chef der SPD-Landtagsfraktion, Holger Grießhammer. Deren bildungspolitische Sprecherin Nicole Bäumler ergänzt, die Staatsregierung solle deshalb das Start-Chancen-Programm von Bund und Ländern als zentrales Instrument finanziell besser ausstatten, um individuelle Förderung, moderne Ausstattung und multiprofessionelle Teams aus Sozialpädagogik, Schulpsychologie und Sprachförderung zu ermöglichen.

Längeres gemeinsames Lernen

Die SPD legt den Finger gleich noch in eine weitere Wunde. „Wer in jungen Jahren nach Herkunft und Geldbeutel trennt, darf sich über wachsende Bildungsungerechtigkeit nicht wundern. Wir brauchen längeres gemeinsames Lernen, damit kein Kind abgehängt wird“, sagt Grießhammer. Die Idee dahinter: Wenn die Kinder und Jugendlichen länger auf einer Schule zusammenbleiben, lernen sie nicht nur mit-, sondern auch voneinander.

Mehr Personal gegen Lehrkräftemangel

Seit Jahren herrscht an den Schulen auch im Freistaat ein Mangel an Lehrkräften – mal ist diese, mal jene Schulart stärker betroffen. „Die Staatsregierung hat mit ihrem Stellenstopp in diesem Jahr das völlig falsche Signal gesetzt“, mahnt der Vorsitzende des Bayerischen Realschullehrerverbands, Ulrich Babl. Um die Trendwende bei den Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler zu schaffen, sei eine vorausschauende Personalpolitik vonnöten.

© dpa-infocom, dpa:260908-930-650813/2


Von dpa
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