Anlässlich seines 90. Geburtstages wurde Elmar Zellfelder nach sechs Jahrzehnten Kantorendienst in den Ruhestand verabschiedet. Seit seinem zehnten Lebensjahr ist er vollständig erblindet, was seiner Liebe zur Musik aber keinen Abbruch tat.
Elmar Zellfelder wurde als Kind der Eheleute Anna und Georg Zellfelder in Bechhofen geboren. Sein Vater verdingte sich als Pinselmacher, seine Mutter führte zusammen mit den Großeltern eine kleine Landwirtschaft.
Im Sommer 1945 begann Elmar Zellfelder unter starken Sehstörungen zu leiden. Die vor Ort praktizierende Ärztin erreichte beim amerikanischen Ortskommandanten, dass der Junge zum nächstgelegenen Augenarzt nach Nördlingen gebracht wurde. Mit Militärfahrzeugen fuhren die amerikanischen Soldaten Zellfelder auch zweimal in die Augenklinik nach Erlangen. Ein Klinikaufenthalt in Würzburg konnte ebenfalls nicht verhindern, dass er vollständig erblindete. Als Grund stellte sich eine Sehnervenentzündung heraus.
Aufgrund der Kriegsschäden war zunächst der Besuch einer speziellen Förderstätte für Blinde nicht möglich. So besuchte Elmar Zellfelder trotz seiner starken Einschränkung weiterhin die Volksschule in Bechhofen. Er wurde dabei von einer gleichaltrigen Cousine unterstützt.
Anfang 1947 folgte die Einbestellung an die Landesschule für Blinde nach München. Er musste sich dort in den ersten fünf Monaten ohne Telefonate mit seiner Familie oder gar Besuch von zuhause in einer für ihn fremden Umgebung zurechtfinden, erinnert sich der 90-Jährige. Noch heute empfindet er diese Zeit als schlimm.
Neben dem allgemeinen Schulstoff war das Lesen und Schreiben der Blindenschrift – damals noch von Hand – vorrangig. Nach den Sommerferien folgten Klavierspielen und die Blindennotenschrift, was dem musikalischen Jungen keine Schwierigkeiten bereitete. Elmar Zellfelder lernte in der Folge das Orgelspiel mit Begleitfächern wie Harmonielehre. Später kam noch das Akkordeon hinzu. In der Schule wurde er in Maschinenschreiben, Stenografie und Blindenkurzschrift unterrichtet.
Zudem erwarb er den Gesellenbrief der Münchener Korbmacherinnung. Er nahm am ersten Nachkriegslehrgang für blinde Betriebstelefonisten an modernen Anlagen teil und erhielt ein Zertifikat der Oberpostdirektion München.
1955 trat Elmar Zellfelder seine erste Telefonistenstelle bei der Firma Bellmann und Co. in Ansbach an. Von dort wechselte er 1964 zur Bezirksfinanzdirektion Ansbach, wo er bis zu seinem 65. Geburtstag arbeitete: „Länger als ich hätte müssen.“
Auf seinen Wegen zur Arbeit, zum Einkaufen und bei Spaziergängen begleiteten ihn 45 Jahre lang Blindenführhunde. 1956 heiratete er seine erste Frau Johanna Felsensteiner, die die Kinder Christa und Alfred mit in die Ehe brachte. 1958 wurden die Zwillinge Ruth und Herta geboren. Die Ehe wurde 1975 geschieden. Seit 1978 ist er mit Helga Gehrmann verheiratet. 1990 wurde Sohn Daniel geboren. „Er sorgt mit seiner Frau Simone dafür, dass wir trotz erhöhtem Pflegebedarf noch daheim sein können“, betont Elmar Zellfelder. Zu den weiteren Nachkommen zählen zwei Enkel und drei Urenkel.
Trotz und vielleicht gerade wegen seiner Erblindung engagierte sich Elmar Zellfelder über Jahrzehnte hinweg in verschiedenen Funktionen für die Gemeinschaft in Bechhofen. Besonders hervorzuheben ist sein Kantorendienst, den er seit 1965 ausübte. In den 60 Jahren begleitete er die Bechhöfer bei unzähligen Gottesdiensten an der Orgel – von der Wiege bis zur Bahre.
Später kam auch sein Engagement im Seniorenhof hinzu. 1984 spielte er eine entscheidende Rolle bei der Wiedergründung des Kirchenchors, den er leitete und dessen Auftritte er organisierte. Elmar Zellfelder war zudem zwölf Jahre lang Mitglied des Bechhöfer Gemeinderats und arbeitete drei Perioden im Kirchenvorstand mit.
In seiner Freizeit war er immer sportlich aktiv und unternahm zahlreiche Wanderungen in den Alpen, im Bayerischen Wald und im Schwarzwald. Auch dem Skilanglauf widmete er sich mit Begeisterung. Trotz zunehmender Altersbeschwerden zeigt Zellfelder auch heute noch großes Interesse an seiner Umwelt. Er bedient seit vielen Jahren souverän seinen Computer, den er mithilfe von Sprachausgabe nutzt.
Anlässlich seines 90. Geburtstages wurde er nun aus dem Kantorendienst in den Ruhestand verabschiedet. Der Kirchenvorstand der evangelischen Kirchengemeinde Bechhofen mit dem Pfarrerehepaar Katharina und Thorsten Wolff an der Spitze überreichte Zellfelder eine Dankesurkunde des Verbands der evangelischen Kirchenmusiker Bayerns. Die Geburtstagsgrüße der Marktgemeinde und des Landkreises Ansbach überbrachte Kreisrat und zweiter Bürgermeister Martin Günther. Die Feierstunde umrahmte der Posaunenchor Bechhofen musikalisch.