Reiner Hufnagel möchte Bürgermeister in Obernzenn bleiben und in seiner zweiten Amtszeit wichtige Projekte weiterführen. Zudem hat die Freie Wählergemeinschaft Unteraltenbernheim (FWG) ihre Kandidatinnen und Kandidaten für den Obernzenner Gemeinderat nominiert.
In den vergangenen Jahren der Legislaturperiode habe er unbequeme Themen angepackt und dafür auch Kritik einstecken müssen, blickte Hufnagel zurück. Als Beispiele nannte er den Beschluss der Globalsatzung, die die kleinteilige Organisation mit zehn verschiedenen Kläranlagen und Satzungen zu einer rechtlichen und wirtschaftlichen Einheit mit gleichen Gebühren- und Beitragssätzen zusammengeführt hat, und die Beseitigung des Missstands identischer Straßennamen.
Vor allem die Bürgerversammlung zur Abwasserthematik im Sommer 2023 mit über 300 Besucherinnen und Besuchern in der Halle und weiteren rund 180 Nutzerinnen und Nutzern des Live-Streams sei keine leichte Situation gewesen. Von der Möglichkeit, ans Mikrofon zu treten, hätten schließlich mehrheitlich diejenigen Gebrauch gemacht, die mit den Plänen nicht einverstanden gewesen seien.
„Nach der Veranstaltung sind aber auch viele Menschen zu mir gekommen und haben mir sehr positive Rückmeldungen gegeben“, berichtete Hufnagel. „Die Zustimmung der schweigenden Mehrheit hat auch der Gemeinderat gespürt und die Globalsatzung schließlich mehrheitlich beschlossen.“
Um das Abwassersystem zukunftsfit zu machen, sollen 10,6 Millionen Euro in den Neubau der Kläranlage, den Anschluss des Ortsteils Unteraltenbernheim per Pumpleitung und die Kanalsanierung in Unteraltenbernheim investiert werden. Für Verzögerung habe unter anderem das Warten auf externe Fachberater und auf das Erscheinen der neuen Richtlinie für Zuwendungen zu wasserwirtschaftlichen Vorhaben, RZWas, gesorgt.
Der im Frühjahr erschienenen Novelle zufolge könne Obernzenn bedauerlicherweise voraussichtlich nur mit einer Förderung für den Bau der Pumpleitung rechnen. „Für alle möglichen exotischen Vorhaben gibt es staatliche Zuschüsse – für Grundlegendes nicht“, kritisierte Hufnagel. Der Baubeginn der Pumpleitung solle aber noch vom jetzigen Rat beschlossen werden.
Aufgestellt wurde außerdem der Gemeinderats-Wahlvorschlag mit 14 Kandidatinnen und Kandidaten aus Unteraltenbernheim, Limbach, Hechelbach und Wimmelbach. Mehrere davon nannten vor allem Nahbarkeit und Bürgerkontakt als Ziele. Man dürfe sie jederzeit mit Anliegen aller Art ansprechen, sagte Christina Hoffmann. Die 52-jährige Verwaltungsangestellte kandidiert auf dem zweiten Listenplatz hinter Reiner Hufnagel. „Ich möchte ein Sprachrohr für die Menschen sein und auf ihre Sorgen und Nöte eingehen“, kündigte der 30-jährige Wimmelbacher Dominik Braun an.
Auch der Situation und der Probleme von Seniorinnen und Senioren im ländlichen Raum möchten sich einige annehmen. So zum Beispiel die 26-jährige Ärztin Dr. Anna Lobmann, die ihr Fachwissen für eine Verbesserung der Gesundheitsvorsorge einbringen möchte. Kenntnisse aus ihren jeweiligen Berufen zum Wohl der Gemeinde nutzen wollen unter anderem auch der Diplom-Biologe und ehemalige Schulleiter des Platen-Gymnasiums in Ansbach Jochen Heldmann (66 Jahre) oder der Diplom-Physiker Florian Stern (41).
Von den derzeitigen Ratsmitgliedern kandidiert nur Markus Müller erneut. Der 40-jährige Heizungsbauer aus Hechelbach hatte sich bei der Aufstellung der Liste, die im Block gewählt wurde, aber ausdrücklich für den letzten Platz beworben. „In den kommenden Jahren müssen wir viel Geld in die Hand nehmen und große Projekte voranbringen“, sagte Müller. Er wolle sich daher nicht aus der Verantwortung ziehen, sei aber beruflich derzeit stark eingespannt und strebe nicht unbedingt ein weiteres Mandat an.
Frank Schühlein sitzt aktuell noch für die FWG im Rat. Der Limbacher kandidiert jedoch bei der Kommunalwahl 2026 auf der CSU-Liste des konkurrierenden Kandidaten um das Bürgermeister-Amt, Johannes Weiß. Als Gründe hatte Schühlein unter anderem den Wunsch nach Veränderung und einem transparenteren Kommunikationsstil genannt.
Hufnagel nahm bei der Versammlung Stellung und äußerte Verwunderung über die Kritik sowie die Entscheidung des Kollegen. Nach der Verabschiedung der Globalsatzung vor zwei Jahren habe Schühlein ihm ausdrücklich in einer privaten Nachricht dazu gratuliert, etwas erreicht zu haben, das seine Vorgänger in 30 Jahren nicht geschafft hätten.
Nach 18 Jahren im Rat und rund fünf Jahren als zweite Bürgermeisterin tritt Silke Horneber-Schühlein nicht mehr an. Hufnagel dankte seiner Stellvertreterin für die gute Zusammenarbeit und ihr großes Engagement für die Gemeinde.
Das Alter bezieht sich auf den Wahltag.