Wenn am Obernzenner See drei Tage lang die Boxen dröhnen, dann ist Wasted-OpenAir. Mit Punk, Rock und politischen Botschaften. Vom 11. bis 13. Juni ist es wieder so weit, heuer sogar noch barrierefreier als zuvor. Was das „Stoner-Punk-Blödsinn-Nackedei-Festival” alles zu bieten hat.
„Wir haben uns zum Ziel gesetzt, einen ganz besonderen Teil zur ländlichen Kultur beizutragen: Jenseits von altbewährten Programmen und Veranstaltungen einen gemeinsamen Raum zu schaffen für Kreativität, Diversität, Musik, Kunst und vor allem Do it yourself. Für alle und gegen Fremdenhass”, berichtet der Verein hinter dem Wasted-Festival, die Turbojugend „Schlachthaus” aus Obernzenn. Und: „Wir reduzieren niemanden auf Hautfarbe, Herkunft, Religion, Lebenslauf oder anhand sonstiger gesellschaftlicher Konventionen.”
Die Organisatoren sind ehrenamtlich, selbstorganisiert, bisweilen chaotisch, aber vor allem mit ganz viel Herz und Seele dabei. Ein klassisches Beispiel dafür ist der neue Kabelkanal, den die Ehrenamtlichen des Wasted umgesetzt haben – für mehr Barrierefreiheit. Die Materialkosten hat die Marktgemeinde Obernzenn übernommen, die Arbeitskraft die Helferinnen und Helfer. Zwei Wochenenden waren sie beschäftigt, haben mit einem Mini-Bagger die Furchen gezogen. „Das war sehr wichtig”, sagt Lisa Dworschak vom Orga-Team.
Denn die oberirdisch laufenden Kabel sind für Geheingeschränkte ein großes Problem. Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer kommen dort nur schwerlich ohne fremde Hilfe weiter –und sie sind eine Stolperfalle. „Jedes Kabel ist eines zu viel”, betont Dworschak. „Jetzt sind sie ordentlich aufgeräumt.”
In der Vergangenheit hatten Rollifahrer immer wieder Probleme. „Sie wissen nicht, worauf sie sich einlassen – und wir wollen jedem die Möglichkeit geben, eine gute Zeit zu haben.” Das sei grundsätzlich sowieso möglich: „Bei uns hilft jeder jedem.” Aber trotzdem sei es natürlich das schönere Gefühl, wenn Menschen mit Geheinschränkung auch möglichst alles selbstständig machen können.
Die schönste Nachricht für die Wasted-Crew und die Festivalgäste: „Der See ist wieder gefüllt.” Somit hat das Festival am Obernzenner See auch tatsächlich wieder eine Bademöglichkeit zur Verfügung. Im vergangenen Jahr, als das Gewässer wegen Bauarbeiten gesperrt war, hatten die Helferinnen und Helfer als Alternative Planschbecken aufgestellt. „Ich weiß gar nicht, ob die überhaupt überlebt haben”, sagt Lisa Dworschak und lacht. Entsprechend dürfte mit keiner Planschbecken-Neuauflage zu rechnen sei.
Um die Renaissance des Sees auch entsprechend zu feiern, hat die Crew eigens Wasted-Handtücher herstellen lassen, als Merch. „Damit auch wirklich alle wissen, woher die Leute kommen.” Fakt ist: Am zweiten Juni-Wochenende dürfte sich wieder so mancher Punk unter die Bademeute mischen.
„Ich bin schon total aufgeregt und voller Vorfreude”, erklärt Dworschak. Denn ab Montag geht es für die Helferinnen und Helfer wieder aufs Plateau, dann startet der Aufbau so richtig durch. Die Wiesen für den Campingplatz will die Crew jetzt am Wochenende abstecken und auf dem Vereinsanswesen Ruff, beim Vorsitzenden Michael Ruff, wird gerade alles vorbereitet, alles aus der Einwinterung geholt. „Vor Ort fällt uns dann sicher noch was ein.” Irgendetwas, was dringend noch gebraucht wird oder einen gewissen zusätzlichen Coolness-Faktor aufs Gelände bringt.
Die Essens- und Getränketafeln müssen heuer hier und da überarbeitet werden. „Wir mussten die Preise ein bisschen anpassen.” Der Inflation geschuldet. „Aber ich finde, sie sind noch sehr human”, sagt Dworschak. Beim Bier wird mehr auf Einheitlichkeit gesetzt: „Wir hatten eine Brauereibesichtigung bei Hofmann-Bier.” Und die war für die Veranstalter sehr überzeugend. Bislang kam bereits das Pils aus Pahres, diesmal wird es deutlich mehr sein.
2025 hatte die Wasted-Crew, obwohl das Festival selbst ausverkauft war, unter dem Strich ein kleines Minus eingefahren. „Wir hatten Mehrkosten, mit denen wir so nicht gerechnet haben”, erläutert Lisa Dworschak die Hintergründe. Heuer gehen die Verantwortlichen aber deutlich entspannter an die Sache. Der Grund: „Wir haben über die Initiative Musik eine gute staatliche Förderung erhalten. Das macht das Planen einfach angenehmer.”
Auch in diesem Jahr soll es wieder Aktionen für den guten Zweck geben, natürlich nicht 08/15, sondern Do-it-yourself-Stil, im Wasted-Gewand. Zum einen gibt es eine Kleiderbörse für alle, bei der vor allem Bandshirts auf Spendenbasis angeboten werden. Jeder kann ungeliebte Exemplare abgeben. Der Erlös geht an die „Sea Punks”, eine Organisation, die sich für sichere Fluchtrouten einsetzt und sich auch in der Seenotrettung engagiert. Die Pfandeinnahmen bleiben derweil in Obernzenn und werden dort für Projekte eingesetzt.
Eine Neuerung aber gibt es. Das Wasted soll ein Festival für die ganze Familie sein, entsprechend ist nachmittags auch ein Kinderprogramm geboten. Diesmal gibt es dort neue Maskottchen im Angebot. Dahinter steckt eine typische Wasted-Aktion: Ein Vater eines Kindes aus dem Umfeld näht gerne und hatte eine besondere Idee.
So durften die Kinder der Helferinnen und Helfer gemeinsam ein Fantasiewesen namens „Wasti” gestalten. Herausgekommen ist eine Minions-Anlehnung. „Das schaut total putzig aus”, findet Lisa Dworschak. Der Ideengeber näht nun 30 Exemplare, die am Wasted-Wochenende versteigert werden. Die Einnahmen gehen an ein Frauenhaus.
Musiktechnisch kann sich das Programm ebenfalls sehen lassen: Eine bunte Mischung aus Punk, Rock, Stoner und vielen Spielarten dazwischen ist geboten. Hat Lisa Dworschak denn Empfehlungen? „John Coffey”, sagt sie sofort. „Der ist auf dem Plakat oben auch ganz groß drauf.” Mehrfach hatten die Wasted-Leute versucht, die niederländische Band an den Obernzenner See zu lotsen. Nun hat es endlich geklappt.
Der Sänger genießt tatsächlich Weltruhm, weil ein Video von ihm viral ging. Dort steht er bei einem Konzert auf der Schulter eines Fans und ein gefüllter Bierbecher fliegt in seine Richtung. Sänger David Achter de Molen fängt ihn und trinkt das Bier ganz cool aus. Das hat der Band Millionen Klicks gebracht. „Dadurch sind sie mittlerweile gut bekannt”, sagt Dworschak.
Ansonsten kommen auch viele andere, bisweilen kleinere Bands. „Persönlich kenne ich nicht so viele”, sagt die Frau aus dem Orga-Team. „Aber ich höre die Musik dann immer und bin begeistert.” Schließlich ist das Wasted auch dafür da, neue Interpreten kennenzulernen. „Man sieht Bands, die hat man gar nicht auf dem Schirm, das ist geil.”
Für den Rest gilt: „Wir geben immer unser Bestes.” 900 Gäste werden erwartet. Die Helferschar wird sogar noch einmal größer, 160 Menschen werden dazu beitragen, dass das Wasted-Wochenende unvergesslich wird. Dworschak. „Wir planen seit einem Dreivierteljahr. Das können wir jetzt endlich umsetzen, es kommt von der Planung im Kopf in die Wirklichkeit.” Genau dafür arbeitet die Crew.