Die 24/7-Supermarktkette Tante Enso steigt beim Dorfladen in Langenfeld ein, der bisher von Tegut beliefert wurde. Das teilt Tante Enso in einer Pressemitteilung mit. Neben dem Standort in Langenfeld übernimmt das Unternehmen weitere bisherige Tegut-Filialen.
Der Handelskonzern Migros hatte im März verkündet, sich von seinem Filialnetz unter der Marke Tegut trennen zu wollen. Seitdem war die Zukunft hunderter Standorte fraglich. Für rund 200 Filialen hatte sich bereits frühzeitig der Edeka-Konzern interessiert. Auch Rewe und Aldi Nord wollen laut Presseberichten einige Geschäfte übernehmen.
Nun erhält Tante Enso vom Kartellamt die Erlaubnis, 36 Tegut-Filialen zu integrieren. „Alle neuen Filialorte werden schrittweise ins Tante Enso-Konzept überführt”, heißt es. Das bedeute, dass es auch Bürgerversammlungen gebe, um über das Genossenschafts- und 24/7-Modell zu informieren.
Die bisherigen Tegut-Eigenmarken will Tante Enso durch Rewe-Produkte ersetzen. Die Mitarbeitenden würden alle übernommen, versichert der neue Betreiber. In Bruckberg im Landkreis Ansbach unterhält Tante Enso bereits seit 2024 einen Dorfladen. Im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim wird Langenfeld der erste Tante-Enso-Standort.
Der dortige Dorfladen ist keine klassische Tegut-Filiale, sondern wurde in der Vergangenheit nur von der Kette beliefert. Hinter dem Laden steht eine Unternehmergesellschaft, die für den Betrieb verantwortlich ist.
Langenfelds Bürgermeisterin Anna Ebener, die gleichzeitig Geschäftsführerin im dortigen Dorfladen ist, erreichte die Nachricht von der Übernahme eher zufällig. „Wir hatten am Dienstag eine Einladung, uns das Zentrallager von Tegut in Michelsrombach bei Fulda anzusehen. Dort haben wir dann auch einen Herrn von Tante Enso kennengelernt.” So habe man erfahren, dass die Kette Interesse an Langenfeld hat, man warte nur noch die kartellrechtliche Zustimmung ab.
„Wir sind froh, dass es Tante Enso geworden ist, weil sie das gleiche Konzept haben wie wir: Wir beteiligen unsere Kunden am Dorfladen. Wir haben stille Gesellschafter, Tante Enso hat Genossen.”, sagt Ebener. Durch das Mitspracherecht würden die Kunden Vorteile genießen und sich mit dem Laden identifizieren.
Als Gemeinsamkeit sieht Ebener auch die Zeit: Der Dorfladen und Tante Enso betreiben seit zehn Jahren jeweils ihr Geschäft. Mit Tante Enso verbunden ist noch eine wichtige Sache: „Wir werden dann 24/7, das wollten wir ja schon länger.” Auf diese Weise sei Tante Enso „groß geworden”, informierte die Bürgermeisterin. Das Personal wird nach der Übernahme wie gehabt im Dorfladen arbeiten, künftig aber kann die Kundschaft auch außerhalb der Öffnungszeiten mit Karte einkaufen, was durchaus gewünscht werde, betonte die Geschäftsführerin.
Wann Tante Enso einzieht, bleibt spannend. Bevor die Tegut-Produkte durch Rewe-Waren abgelöst werden können, bedarf es laut Ebener noch einer riesigen Inventur in Deutschland seitens Tegut. Das werde dauern.
Was aus Tegut im Ansbacher Retti-Center wird, ist derweil noch unklar: Äußerungen, ob diese Filiale etwa Teil des Pakets sein soll, auf das Edeka ein Auge geworfen hat, blieben bislang aus.