Mit modernster Technik den alten Römern beim Limeseum auf der Spur | FLZ.de

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Veröffentlicht am 17.07.2024 18:30

Mit modernster Technik den alten Römern beim Limeseum auf der Spur

Dr. Carsten Mischka und Dr. Matthias Pausch (von links) beobachten aus der Ferne die Studentin Hannah Zeh bei einer Messung mit dem Radargerät auf der Fläche rund um das Limeseum-Gebäude. (Foto: Tizian Gerbing)
Dr. Carsten Mischka und Dr. Matthias Pausch (von links) beobachten aus der Ferne die Studentin Hannah Zeh bei einer Messung mit dem Radargerät auf der Fläche rund um das Limeseum-Gebäude. (Foto: Tizian Gerbing)
Dr. Carsten Mischka und Dr. Matthias Pausch (von links) beobachten aus der Ferne die Studentin Hannah Zeh bei einer Messung mit dem Radargerät auf der Fläche rund um das Limeseum-Gebäude. (Foto: Tizian Gerbing)

Ein Team von Studierenden rund um Dr. Carsten Mischka bringt unerforschte Gebäudestrukturen zum Vorschein. Wenn auch nur digital. Rund um das Gelände des Limeseums in Ruffenhofen war die Gruppe mit modernster Technik unterwegs. Sie haben die Überreste einer Siedlung vor dem Römerkastell genau untersucht.

„Wo waren denn nun die Römer?“, das fragt man sich, wenn man auf das weitläufige Areal vor dem Limeseum bei Ruffenhofen blickt. Große Gebäude, pompöse Mauern und epochale Statuen – nichts davon ist zu sehen. Mit Hilfe der Erklärtafeln auf dem Gelände finden sich die Besucher zurecht – auch wenn sie dabei ihre Vorstellungskraft anstrengen müssen.

In einem der Arbeitsräume des Limeseums zeigt Museumsleiter Dr. Matthias Pausch eine große Karte. Gemeinsam mit dem Archäologen Dr. Carsten Mischka deutet er bisher unerforschte Strukturen. Hier sollen, wie vorherige Vermessungen bereits ergeben haben, mehrere Gebäude entlang einer Straße gestanden haben. Die Straße führte damals direkt zum Kastell. Auf dieser internen Karte basieren die stark vereinfachten Karten, die den Gästen gezeigt werden, erklärt Pausch. Allerdings fehlten bisher noch einige Details zu den Gebäuden und auch auf der Forschungskarte war vieles unklar.

Erforschung unklarer Gebäudestrukturen

Um die Unklarheiten zu beseitigen, gibt es das Team rund um Dr. Carsten Mischka. Er ist am Institut für Ur- und Frühgeschichte an der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) Erlangen-Nürnberg tätig. Mit seiner „Mannschaft“, wie Mischka die Studentengruppe nennt, forscht er an den unklaren Gebäudestrukturen.

Bei ihrer Arbeit konnten sie deutliche Gebäudestrukturen erfassen und die unklare Stelle genauer beleuchten. Mit einem Radargerät konnte das Mauerwerk erfasst werden und die Daten in ein digitales Modell umgewandelt werden. „Es kamen die Fotos raus und ich muss schon sagen, ich habe mich sehr gefreut“, erzählt Carsten Mischka stolz.

Warum finden in Ruffenhofen nur selten Grabungen statt? „Wenn wir graben, dann zerstören wir“, meint Archäologe Matthias Pausch. Er zieht Vermessungen den Grabungen vor.

Schon direkt unter der Erdoberfläche, ab 20 bis 30 Zentimetern, trifft man in Ruffenhofen auf historisches Gestein. Um es zu erhalten, verzichtet das Limeseum schon lange auf Freilegungen. So wird das Erbe konserviert im Boden belassen.

„Wenn wir Fragen haben, versuchen wir die möglichst ohne Grabungen zu beantworten“, erzählt Pausch weiter. Viele Fragen konnte die Gruppe der FAU beantworten. Mit spezieller Radartechnik, Magnetiktechnik und Lufttechnik erfassten die Studierenden unter Aufsicht Mischkas verschiedene Daten.

Universität stellt teure Gerätschaften zur Verfügung

„Ich möchte mich auf meine Mannschaft verlassen können“, meint Mischka. Deshalb lernen die Studierenden den Einsatz der aktuellen Messtechniken von Mischka persönlich. Der Wert der benötigten Gerätschaften liegt im mittleren fünfstelligen Bereich. Sie sind von der FAU selbst zur Verfügung gestellt worden, erklärt Mischka.

„Wir kommen immer wieder gerne her“, meint er zu seinen bisherigen Erfahrungen in Ruffenhofen. Zwei Aspekte sind ihm bei der Arbeit mit den Studenten besonders wichtig. Als ersten Aspekt bezeichnet er die Forschung und die wissenschaftlichen Erkenntnisse. Der zweite ist die Praxiserfahrung der Studierenden. Diese absolvieren bei dem Einsatz in Ruffenhofen ein Praktikum.

Viele Archäologen zu Gast

„Wir sind in Franken der Standort, an dem in den letzten Jahrzehnten am meisten geforscht wurde“, betont Dr. Matthias Pausch. Über 50 Archäologen waren in den letzten 25 Jahren im Römerpark beschäftigt. Weitaus mehr Studierende und andere Helfer waren auf dem Römer-Gelände bereits zugange. Mit der Forschung geht es in der nächsten Zeit weiter. Erste Grabungen seit 19 Jahren wird künftig die Universität Leipzig ausführen. Carsten Mischka hat die Grabungsstätte bereits abgesteckt und mit seinen Ergebnissen die weiteren Forschungen für die Universität Leipzig vorbereitet.

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