Dieser Michael Kohlhaas steht in Gestalt von drei Frauen auf der Bühne – oder gar nicht. Das ist wie so vieles bei Heinrich von Kleists Erzählung eine Frage der Perspektive. Britta Kristina Schreiber hat den Text als ein postdramatisches Sprech-Terzett im Theater Ansbach auf die Bühne gebracht, erzählt, gespielt von Kohlhaas' Töchtern.
Die Geschichte um einen Pferdehändler, dem ein Adliger zu Unrecht zwei Rappen nimmt und bei der Feldarbeit zuschanden richtet, woraufhin der Getäuschte sein Recht geltend macht, kein Gehör findet und einen mörderischen Privatkrieg anzettelt, diese Geschichte voller Gewalt und Grausamkeit könnte auf der Bühne mit einigem Recht ein finsterer, dröhnender, bleischwerer Exzess über das Verhältnis von Individuum und Staat, über Recht, Gerechtigkeit, Rache und Vergebung werden. Könnte.
Im Theater hinterm Eisernen ist das nicht so. Dort ist nicht einmal Michael Kohlhaas zu sehen. Er ist aber trotzdem präsent: als schwarze Pelzkappe. Die setzt sich jede der drei Schauspielerinnen aufs Haupt, wenn sie gerade die Titelfigur gibt. Die Kappe geht reihum.
So lassen Nicole Schneider, Undine Schmiedl und Sophie Weikert den Kohlhaas als imaginäre Figur auf der inneren Bühne eines jeden, einer jeden im Raum entstehen. Das funktioniert sehr gut, nicht zuletzt, weil die drei sich Figuren und Textteile mit choreographischer Präzision übergeben und das Kleist'sche Personal mit kräftigen Strichen umreißen.
Fast könnte man die drei für Bänkelsänger halten, die eine gar schröckliche Moritat zum Besten geben. Ganz falsch wäre das nicht, denn Kleists Text hat eine kolportagehafte Seite. Astrid Nathos gewitzt historisierende Renaissance-Männermode tut das Ihrige, um diesen Eindruck zu verstärken. Die drei Frauen tragen Wams und Heerpauken als Grundkleidung. Kostümteile wie Schürze oder Umhang signalisieren die Figurenwechsel.
Britta Kristina Schreiber nimmt in ihrer Bühnenfassung und in ihrer Inszenierung also einen spielerischen Weg durch Kleists komplexes Textmassiv. Leichtfüßig, komödiantisch, ironisch wirkt das, so wie die Hintergrundmusik, ein Oldie-Filmmusik-Mix. Das schließt nicht aus, dass sich nach und nach das Geschehen eindunkelt und ernster wird.
Es bleibt aber eine innere Distanz, ein Sicherheitsabstand zu Kleists Text gewahrt, der nun nicht überwältigt, sondern wie zum Betrachten ausgebreitet daliegt. Das Erschrecken über Kohlhaas' Gerechtigkeitswahn fällt nicht allzu groß aus. Doch man schaut nachdenklich erstaunt in Richtung von Kohlhaas' gegenwärtigen Nachfahren.