Mit dem E-Bike ins Amt: Maria Hetzel geht für die ÖDP ins Rennen | FLZ.de

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Veröffentlicht am 17.02.2026 13:39

Mit dem E-Bike ins Amt: Maria Hetzel geht für die ÖDP ins Rennen

Die ÖDP-Landratskandidatin Maria Hetzel möchte den ÖPNV im Landkreis attraktiver machen und so die Nachfrage erhöhen.  (Foto: Evi Lemberger)
Die ÖDP-Landratskandidatin Maria Hetzel möchte den ÖPNV im Landkreis attraktiver machen und so die Nachfrage erhöhen. (Foto: Evi Lemberger)
Die ÖDP-Landratskandidatin Maria Hetzel möchte den ÖPNV im Landkreis attraktiver machen und so die Nachfrage erhöhen. (Foto: Evi Lemberger)

Sie wäre vermutlich die fahrradfreundlichste Landrätin Bayerns. Denn wenn es nicht gerade stürmt oder glatt ist, sieht man die ÖDP-Kandidatin Maria Hetzel wann immer es geht, mit dem Rad zu Terminen kommen. Auch als Landrätin würde sie gerne weiterhin so viel wie möglich radeln – am liebsten auch zu einem zentralen Klinikumsneubau.

Etwa 7000 Kilometer pro Jahr legt die in Bruckberg wohnende 57-Jährige nach eigenen Schätzungen jährlich auf dem E-Bike zurück. Im flächenmäßig größten Landkreis Bayerns „bräuchte ich als Landrätin aber wohl doch ab und zu mal ein Auto”, gesteht sie.

Das Radfahren ist dabei auch Ausdruck konsequenten Umweltschutzes, der für Hetzel bis heute von zentraler Bedeutung ist. Die ÖDP sei daher auch nach 36 Jahren, in denen sie sich politisch engagiert, die Partei, in der sie sich am besten aufgehoben fühlt. Mit einer Unterbrechung ist sie seit inzwischen 24 Jahren ÖDP-Kreisvorsitzende, seit 2017 sitzt Hetzel im Kreistag. Während man es bislang noch nicht in den Landtag geschafft habe, sei man auf kommunaler Ebene traditionell gut vertreten.

Anderes Verständnis vom Bewahren

Ursprünglich fand die Bruckbergerin aus der Ablehnung der CSU-Politik heraus den Weg in die ÖDP. An dieser Grundhaltung hat sich auch Jahrzehnte später wenig verändert: „Christliche Werte sind mir wichtig. Aber unter Erhalten und Bewahren verstehe ich etwas anderes als CSU-Politik.” Der große Flächenverbrauch in Bayern sei ihr „natürlich ein Dorn im Auge”.

Im aktuellen Kreistag hat die Partei vier Mandate. Hetzel, die bei der Regierung von Mittelfranken in der Haushaltsabteilung arbeitet, hofft und gibt sich zuversichtlich, dass die ÖDP auch im neuen Gremium wieder mit mindestens genauso vielen Personen vertreten sein wird. „Wir haben eine starke Liste”, findet sie. Dennoch werde sich das Gesicht des Kreistages nach der Wahl verändern, schließlich werden vermutlich Vertreterinnen und Vertreter der AfD hinzukommen. Hetzel befürchtet, dass sich die bislang zumeist konstruktive Stimmung verändern könnte.

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Mehr Transparenz bei den Debatten

Mit dem amtierenden Landrat Dr. Jürgen Ludwig kommt Hetzel nach eigener Aussage „im Großen und Ganzen schon aus”. Würde sie zur Landrätin gewählt werden, dann würde sie vor allem die Krankenhausdebatte öffentlicher diskutieren lassen. „Ich würde mir mehr Transparenz und auch mehr Vertrauen in die Mitarbeiter des Landratsamts wünschen. Das würde ich anders machen.”

Inhaltlich setzt die ÖDP in der Krankenhausdebatte mit der Forderung nach einem neu zu bauenden Zentralklinikum für den Landkreis seit Jahren einen gänzlich anderen Schwerpunkt als die übrigen Parteien im Kreistag. Hetzel ist nach wie vor davon überzeugt, dass ein solches Zentralklinikum „viele Probleme rund um ANregiomed lösen würde”. Der Trend gehe in der Krankenhauslandschaft schon lange zum Spezialisieren und Zentralisieren. Die drei aktuellen Standorte in Ansbach, Dinkelsbühl und Rothenburg würden aber auch bei einem Klinikneubau in abgespeckter Form weiterhin benötigt.

Die Probleme bei ANregiomed seien auch ein Stück weit hausgemacht. „Wir haben das hohe Defizit ja schon viel länger als andere”, so Hetzel. Der kürzlich erzielte Kompromiss, der den Erhalt der drei Standorte sichern soll, biete nur Planbarkeit bis zum Jahr 2030. Dann soll der Bauabschnitt 6 am Ansbacher Klinikum abgeschlossen sein. „Ich sehe die Perspektive für danach nicht und das treibt die Dinkelsbühler und Rothenburger verständlicherweise weiterhin um”, erklärt Hetzel.

Sie äußerte außerdem ihre Zweifel, ob der Kompromiss wirklich bis 2030 hält oder „ob da nicht vorher schon einiges wegbricht”. Im Hinblick auf den Umgang mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erwartet Hetzel beim Klinikverbund in der aktuellen Konstellation „keine positive Entwicklung mehr”.

Langsames Tempo bei der ÖPNV-Reform

Beim zweiten Millionengrab des Landkreises, dem ÖPNV, stellt sich die ÖDP klar gegen eine pauschale Kürzung bei bestimmten Linien, wie es bereits geschehen ist. Es sei Aufgabe des neuen Kreistages, die Linien einzeln zu betrachten und dann Schlüsse zu ziehen. Inzwischen wurden zwar erste Fahrgastzahlen erhoben, eine digitale Auswertung fehle aber nach wie vor. „Das muss besser werden”, findet die Kreisrätin, die auch Mitglied im ÖPNV-Ausschuss ist. So langsam komme man bei diesem Thema ins Handeln, womöglich sei man in den vergangenen Jahren allerdings zu blauäugig gewesen: „Das hätte man sicher alles schneller haben können.”

Die ÖDP setzt unter anderem auf die Einführung von Express-Strecken, welche die Attraktivität und damit auch die Nachfrage erhöhen sollen. Die Partei stehe außerdem voll hinter der Bahnreaktivierung, die aber nur mit einer guten Busanbindung vom Bahnhof weg funktioniere. Klar sei aber auch, dass es im dünn besiedelten Landkreis Ansbach ganz ohne Auto nicht gehen könne.

In der lokalen Landwirtschaft will die ÖDP die Quote an Bio-Betrieben erhöhen, die mit sieben Prozent laut Hetzel unter dem bayerischen Durchschnitt liegt. Die Nachfrage dafür sei da, der Kreis müsse aber sinnvolle Strukturen schaffen, um den Umstieg auf Bio attraktiver zu machen. Die Partei möchte außerdem das System der Wertstoffhöfe reformieren und hin zu einigen wenigen Zentren mit besseren Öffnungszeiten, besseren Abgabemöglichkeiten und besseren Mülltrennungsmöglichkeiten kommen.


Philipp Zimmermann
Philipp Zimmermann
Redakteur für Westmittelfranken/Landkreis Ansbach
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