Ein kleines rotes Quadrat an den Stadtgrenzen von Herrieden, Leutershausen und Ansbach sorgt für Aufregung. Auf der Karte des Regionalen Planungsverbandes Westmittelfranken zeigt die Markierung eine Vorrangfläche für Windkraftnutzung. Weil die Energieversorgung neu aufgestellt werden soll, könnte die Fläche deutlich größer werden.
Die drei Städte hatten deshalb gemeinsam zum Bürgerinformationsabend nach Herrieden-Schernberg geladen, und der große „Bergwirt“-Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt. Das rege Interesse zeige, wie sensibel das Thema sei, hob Leutershausens Bürgermeister Markus Liebich hervor.
Seit Monatsanfang gilt das neue Gesetz „Wind an Land“, und das sieht eine Ausweitung der Flächen für Windräder vor, machte Ansbachs Oberbürgermeister Thomas Deffner deutlich. Der Regionale Planungsverband arbeitet bereits daran, zusätzliche Flächen auszuweisen. Wie weit diese Arbeiten gediehen sind, ließ sich am Donnerstagabend nicht klären, weil der Regionsbeauftragte Dr. Rainer Fugmann krankheitsbedingt nicht anwesend sein konnte.
Im zweiten Quartal des Jahres sollen die Vorschläge auf dem Tisch liegen, damit die Planung fortgeschrieben werden kann, erläuterte Erich Maurer. Der Geschäftsführer der Energieagentur Nordbayern ist der Windkümmerer für Herrieden und Leutershausen.
Was das neue Gesetz neben der Flächenausweitung noch bringt, ist eine Privilegierung. In den Vorranggebieten dürfen Windräder gebaut werden, die jeweilige Kommune kann das nicht verhindern. Bevor „ein Investor von sonstwo“ kommt, sollten die drei Städte lieber selbst tätig werden und die Fläche für Windkraft nutzen, unterstrich Herriedens Bürgermeisterin Dorina Jechnerer mehrfach.
Sie denkt dabei in Richtung Bürger-Windräder, will sich aber auf ein konkretes Modell zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht festlegen. Neben der wirtschaftlichen Beteiligung der Menschen im Umgriff habe eine kommunale Anlage noch einen weiteren Vorteil, gab Maurer zu bedenken: Es ließen sich zusätzliche Abschaltzeiten festlegen, um den Schattenwurf zu begrenzen. Wie stark dieser ausfallen würde, kann man sich übrigens auf der Internetseite www. energieatlas.bayern.de ganz konkret für den eigenen Wohnort zeigen lassen.
Die bislang ausgewiesene Vorrangfläche mit dem Namen WK63 liegt etwa mittig zwischen Oberdombach und Rauenbuch auf Herrieder Gebiet. Sie reicht gerade so für ein Windrad, machte Maurer deutlich. Ein Windrad mit einer derzeit üblichen Nabenhöhe von 260 Metern und einem Rotordurchmesser von bis zu 170 Metern werde „von Ortsteilen in allen drei Kommunen aus gut sichtbar sein“, so Maurer. Er geht davon aus, dass die Technik weiter voranschreitet und in ein paar Jahren sogar Nabenhöhen um die 300 Meter üblich sein werden.
Der Vorteil von mehr Höhe und größeren Rotoren: „Die Anlagen drehen viel langsamer.“ Das werde gemeinhin als weniger störend empfunden, sagte Maurer. Wenn statt einer gleich mehrere Anlagen gebaut würden, würde diese Beeinträchtigung nicht so viel stärker ins Gewicht fallen, gab der Windkümmerer zu bedenken.
Wie viele Windräder es einmal sein könnten, lasse sich aktuell nicht sagen, schränkte Maurer ein. Das hänge vom Regionalen Planungsverband ab. Zwei oder drei Anlagen kann sich der Mann von der Energieagentur aber gut vorstellen, möglicherweise auch mehr.
Aktuell sind 0,8 Prozent der Fläche Deutschlands Windkraft-Vorranggebiet. Bis 2027 müssen es 1,1 Prozent sein, fünf Jahre später 1,8 Prozent sein. Die Windhöffigkeit, die für die Energieausbeute entscheidend ist, spielt beim Ausweisen der Vorrangflächen übrigens keine Rolle. Vielmehr geht es darum, dass keine Bodendenkmäler in Mitleidenschaft gezogen werden oder dass keine Behinderungen militärischer Anlagen entstehen.
WK63 ist aus Maurers Sicht eine gut geeignete Fläche. Die Windhöffigkeit liegt nach den Daten aus dem Energieatlas Bayern bei rund 6,5 Meter pro Sekunde. Das sei zwar kein Spitzenwert, aber dennoch gut, befand er.
Die sehr sachliche Diskussion drehte sich vor allem um die Standortfrage. Ein Teilnehmer brachte verschiedene Alternativen weiter nördlich ins Spiel, die dem Energieatlas zufolge sogar noch bessere Windgeschwindigkeiten aufweisen würden. Doch dort gebe es bislang eben kein Vorranggebiet für Windkraft, hielten Jechnerer und Maurer dem entgegen.
Auch die Frage, wie man denn gedenke, die Zufahrt in den Wald zu realisieren, um überhaupt ein Windrad bauen zu können, tauchte auf. Maurer betonte, dass keineswegs klar sei, wo in dem bislang eingezeichneten Quadrat das Windrad entstehen würde. Deshalb sei es für solche Detailfragen viel zu früh. Bedenken, dass der Strom mangels Einspeisepunkt gar nicht ins Netz gelangen könnte, wies der Windkümmerer ebenfalls zurück. Diese Problematik sei bei Freiflächen-Photovoltaikanlagen viel größer. Zudem werde der Netzausbau ebenfalls vorangetrieben.
Erich Maurer hob hervor, dass es sinnvoll sei, die Waldbesitzer in dem Gebiet frühzeitig einzubeziehen und die Pachterlöse allen – wenn auch gestaffelt – zukommen zu lassen. Andernfalls könne das eine Neiddebatte auslösen. Das habe man beispielsweise auch in Strüth so gemacht, berichtete Gerhard Sauerhammer. Die Erfahrungen seien durchweg positiv. Inzwischen hätten auch frühere Kritiker des dortigen Windrades Interesse bekundet, sich an weiteren Anlagen beteiligen zu wollen, schilderte er in der Versammlung.