Bewahrt ihn die Flucht ins Ausland vor der Strafe? Oder greift der Staat doch noch zu? Im Fall des Messerangriffs von Heilsbronn im Februar hatte sich der zweite Tatverdächtige aus der EU gestohlen. Doch nun ist klar, wo er steckt – und wie es für ihn weitergehen könnte.
Wie der Ansbacher Oberstaatsanwalt Jonas Heinzlmeier auf FLZ-Anfrage mitteilt, soll sich der Gesuchte in der Türkei aufhalten. „Er ist dort festgestellt worden”, sagt er. Der Mann steht im Verdacht, zusammen mit einem 26-Jährigen in Heilsbronn einem 40-Jährigen aufgelauert zu haben, um ihn zu ermorden. Der Haupt-Tatverdächtige sitzt bereits in Untersuchungshaft. Er war nach der Tat am 6. Februar mit seinem Komplizen zunächst abgetaucht, nach Frankreich und weiter nach Großbritannien gereist.
Dort nahm die britische Polizei den 26-Jährigen fest und lieferte ihn nach Deutschland aus. Der zweite Tatverdächtige blieb derweil unter dem Radar. Schon bald hatten die Ermittler allerdings den Verdacht, dass sich der türkischstämmige Gesuchte in seinem Heimatland aufhalten könnte. Das bestätigte sich nun.
Doch es gibt ein Problem: Die Türkei liefert keine eigenen Staatsbürger aus. „Das wurde uns noch einmal offiziell mitgeteilt”, bestätigt Heinzlmeier. Damit bleibt der deutschen Justiz nur eines: Den Fall an die türkischen Behörden abzutreten. „Dieses Ersuchen bereiten wir gerade vor”, sagt der Oberstaatsanwalt. Eine Kopie der Ermittlungsakte soll übersetzt und über bundesdeutsche Ministerien formell den türkischen Strafermittlern zugestellt werden.
Heinzlmeier ist optimistisch, dass der Tatverdächtige dadurch in der Türkei vor Gericht muss. „Dass das Verfahren übernommen wird, ist durchaus zu erwarten”, sagt er und bezieht sich dabei auch auf seine Erfahrung aus früheren Fällen. Wie die türkischen Behörden genau weiter vorgehen, darauf hat die deutsche Justiz dann allerdings keinen Einfluss.
Dem geschnappten 26-Jährigen wiederum steht bald der Prozess bevor. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: versuchter Mord. Mit seinem Partner soll er ein Killerkommando gebildet haben, das auf das ahnungslose Opfer angesetzt wurde. Der Mann, der als Auftraggeber infrage kommt, befindet sich in Frankreich. Doch auch dieser könnte nur eine Zwischenfigur sein: Denn der eigentliche Mordauftrag, darauf deute laut Heinzlmeier alles hin, kam ebenfalls aus der Türkei. Diese Verstrickungen dürften dann im Herbst Teil der Verhandlung in Ansbach werden.