Auftrag für den Mord an einem 40-Jährigen in Heilsbronn: Es ging um Geld | FLZ.de

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 25.07.2025 13:20

Auftrag für den Mord an einem 40-Jährigen in Heilsbronn: Es ging um Geld

Zur Kleinarbeit, mit der die Polizei dem Täter auf die Spur kam, gehörte die Befragung von Autofahrern exakt eine Woche nach der Tat rund um die St.-Gundekar-Straße. Sie zweigt hinter dem geparkten Streifenwagen links von der Neuendettelsauer Straße ab. (Foto: Manfred Blendinger)
Zur Kleinarbeit, mit der die Polizei dem Täter auf die Spur kam, gehörte die Befragung von Autofahrern exakt eine Woche nach der Tat rund um die St.-Gundekar-Straße. Sie zweigt hinter dem geparkten Streifenwagen links von der Neuendettelsauer Straße ab. (Foto: Manfred Blendinger)
Zur Kleinarbeit, mit der die Polizei dem Täter auf die Spur kam, gehörte die Befragung von Autofahrern exakt eine Woche nach der Tat rund um die St.-Gundekar-Straße. Sie zweigt hinter dem geparkten Streifenwagen links von der Neuendettelsauer Straße ab. (Foto: Manfred Blendinger)

Er kam mit einem Messer, doch mit leeren Taschen. Für einen Mord sollte der Killer erst danach belohnt werden. Sein Auftrag kam aus Frankreich und der Türkei.

Es wird ein spannender Prozess im Herbst am Landgericht Ansbach. Dann steht ein 26-Jähriger vor der Großen Strafkammer. Er kam mit einem klaren Auftrag in den Landkreis Ansbach: einen Menschen zu töten. „Es ging um Geld”, sagt Oberstaatsanwalt Jonas Heinzlmeier.

Am Donnerstag, 6. Februar, sorgte eine Nachricht aus der St-Gundekar-Straße für Entsetzen in Heilsbronn. Ein Mann war gegen 8.45 Uhr vor seinem Wohnhaus angegriffen und lebensgefährlich verletzt worden. Er hatte gerade seine Wohnung verlassen, als ihm auf dem Gehweg ein junger Mann entgegentrat. „Es kam zu einem kurzen Gespräch”, so der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft.

Dann stach der Überraschungsgast zu, mit einem Messer in Hals und Rücken. Sein Plan ging nicht auf. Sein Opfer überlebte und war in der Lage, der Kripo rasch zu schildern, was vor den Stichen geschah.

Die SoKo „Gundekar” hoffte, die Sache schnell zu klären. Die übliche Erwartung, bei einem Streit unter Männern könne es um Liebe, Eifersucht und Hass gehen, erfüllte sich nicht. Weit und breit kein Nebenbuhler, kein gehörnter Ehemann, keine verzehrende Leidenschaft in Sicht. Der Ansbacher Kripo blieb nur die Kleinarbeit.

Mühsame Kleinarbeit für die Kripo

Ein schwieriger Balanceakt für die SoKo „Gundekar”. Der Täter war flüchtig und sollte möglichst wenig erfahren vom Stand der Ermittlungen. Doch ohne öffentliche Aufrufe und Zeugen waren keine Fortschritte zu erwarten. Deshalb gab es für die Bürger immer wieder kleine Happen zu den Fortschritten der Kripo. Und eine große Polizeiaktion eine Woche nach der Tat. An den größeren Straßen um den Tatort und im Stadtzentrum wurden Autofahrer und Passanten angehalten und gefragt, ob ihnen eine Woche vorher etwas aufgefallen war.

Zwei Tage suchten Spezialkräfte der Polizei nach der Tatwaffe. Am Dienstagnachmittag entdeckten sie das Messer in dem Weiher an der Neuendettelsauer Straße in Heilsbronn.  (Foto: Evi Lemberger)
Zwei Tage suchten Spezialkräfte der Polizei nach der Tatwaffe. Am Dienstagnachmittag entdeckten sie das Messer in dem Weiher an der Neuendettelsauer Straße in Heilsbronn.  (Foto: Evi Lemberger)

Nach Messerattacke in Heilsbronn: Polizei findet Tatwaffe und zwei Handys

Der geständige 25-Jährige gab entscheidende Hinweise. Das Messer lag in einem Weiher, die Handys an der A6. Das ergaben Suche und Befragung.

Handydaten ausgewertet, Spuren am Tatort untersucht, Anwohner abgeklappert, alles gesammelt, was möglich war. Mit den Hinweisen des Opfers fand die SoKo zu einem dringend Tatverdächtigen. Er hatte sich über Frankreich nach Großbritannien abgesetzt. Trotz Brexit funktionierte die Fahndung. Ende Februar nahm ihn die englische Polizei im Raum Manchester fest. Ein Gericht in London ordnete die Auslieferung an. Beamte des bayerischen Landekriminalamts brachten ihn Mitte März nach Ansbach. Haftbefehl wegen versuchten Mordes.

Der Tatverdächtige erwies sich als überraschend auskunftsfreudig. Er legte nicht nur ein Geständnis ab. Sondern wies der Polizei die Wege zu einem Messer, das er in einem Weiher unweit des Tatorts versenkt hatte, und zu zwei Handys, die an einem von ihm exakt beschriebenen Platz am Rand der A6 lagen. Dort waren sie kurz nach der Anschlussstelle Heilsbronn aus dem Autofenster geworfen worden. In Richtung Westen.

Frankreich war das Ziel der Flucht über die Autobahn. Zwei Handys wunderten die Kripo nicht. Schon früh war beim Zusammensetzen des Puzzles aus den Zeugenaussagen in Heilsbronn klargeworden, dass der Angreifer nicht alleine war. Ein Begleiter bei der Tat, dann ins Auto von Komplizen. Beide Männer wurden, so die Staatsanwaltschaft, „von bislang unbekannten Helfern mit einem Pkw nach Frankreich verbracht”.

Der Tatort in Heilsbronn vom 6. Februar: Die Staatsanwaltschaft Ansbach hat nun Anklage erhoben gegen den mutmaßlichen Messerstecher. (Archivbild: Evi Lemberger)

Anklage nach Messer-Attacke in Heilsbronn: Sollte es ein Auftragsmord sein?

Im Februar wurde ein 40-Jähriger angegriffen. Nun hat die Staatsanwaltschaft Ansbach Anklage wegen versuchten Mordes erhoben. Klarer wird das Motiv.

Killerkommando nach Heilsbronn

Ein Killerkommando fährt nach Heilsbronn, um am helllichten Tag einen Mann auf der Straße vor seinem Wohnhaus hinzurichten. Um welches Geld ging es dabei? Waren es private Deals oder Geschäfte mit dem regionalen Unternehmen, für das der 40-Jährige gearbeitet haben soll? Welche Summen, welche Vorgeschichten lösen einen Mordauftrag in Heilsbronn aus?

Oberstaatsanwalt Jonas Heinzlmeier will vor dem Prozess nicht viel verraten. Lässt das Ansbacher Schwurgericht seine Anklage zu, entwirrt sich ein Geflecht über mehrere Länder, Sprach- und Kulturkreise. Klar ist bisher nur, dass der 26-Jährige in der Untersuchungshaft alles tut, um Vorteile beim Strafmaß zu bekommen. „Wir kennen seinen Auftraggeber. Er soll sich in Frankreich aufhalten”, sagt der Oberstaatsanwalt. Er schaut bei diesem Fall auch nach Osten. Denn der eigentliche Mordauftrag, darauf deute alles hin, kam aus der Türkei.

Spuren nach Frankreich und in die Türkei

Eine Hängepartie bei der Ansbacher Justiz soll aus den internationalen Verwicklungen nicht werden. Die Frage, wer wann wem welchen Auftrag gab, gehört nur am Rand zum Verfahren. Das können die Behörden in Frankreich und der Türkei, die keine Landsleute nach Deutschland ausliefert, getrennt angehen. Mit ihnen ist die Ansbacher Staatsanwaltschaft im Austausch.

Die Aufgabe für das Ansbacher Landgericht liegt nicht im Ausland. Für die Richter wird es in dem noch nicht terminierten Verfahren darum gehen, was an dem Morgen in der St.-Gundekar-Straße in Heilsbronn geschah. Für den Täter, dessen Komplize weiter flüchtig ist, hat sich der Anschlag nicht gelohnt. Er sollte, so Oberstaatsanwalt Jonas Heinzlmeier, sein Honorar erst nach erfülltem Auftrag bekommen.

north