Kurs im Kulturdolmetschen: Was die Aufgaben der Ehrenamtlichen in Ansbach sind | FLZ.de

foobarious
arrow_back_rounded
Lesefortschritt
Veröffentlicht am 01.06.2025 15:15

Kurs im Kulturdolmetschen: Was die Aufgaben der Ehrenamtlichen in Ansbach sind

Sie wirken bei dem neuen Angebot im Kulturdolmetschen mit: Integrationsbeauftragte Iryna Savchenko, Dr. Janina Dillig von der KEB, Jana Wimmer, in der Koordinationsstelle Integration zuständig für Bildungskoordination und Programmleiterin bei der Volkshochschule der Stadt, sowie Integrationslotsin Viktoriia Tschebanu (von links). (Foto: Oliver Herbst)
Sie wirken bei dem neuen Angebot im Kulturdolmetschen mit: Integrationsbeauftragte Iryna Savchenko, Dr. Janina Dillig von der KEB, Jana Wimmer, in der Koordinationsstelle Integration zuständig für Bildungskoordination und Programmleiterin bei der Volkshochschule der Stadt, sowie Integrationslotsin Viktoriia Tschebanu (von links). (Foto: Oliver Herbst)
Sie wirken bei dem neuen Angebot im Kulturdolmetschen mit: Integrationsbeauftragte Iryna Savchenko, Dr. Janina Dillig von der KEB, Jana Wimmer, in der Koordinationsstelle Integration zuständig für Bildungskoordination und Programmleiterin bei der Volkshochschule der Stadt, sowie Integrationslotsin Viktoriia Tschebanu (von links). (Foto: Oliver Herbst)

Menschen aus über 100 Nationen nennen Ansbach Heimat. Manche sind noch ganz frisch hier und wollen die Kultur in der Stadt und im Land besser verstehen. Frauen und Männer mit Migrationserfahrung können für sie als Kulturdolmetscherinnen und -dolmetscher tätig werden. Was sind die Aufgaben in ihrem Ehrenamt?

Kulturdolmetscherinnen und -dolmetscher sollen eine Brücke bauen zwischen Menschen, die kulturell unterschiedlich geprägt sind. So heißt es in einem Informationsflyer zu dem Angebot. „In zwei Kulturen zu Hause zu sein, ist eine große Bereicherung“ – für die Menschen persönlich und die Gesellschaft. Derzeit noch läuft ein erster Qualifizierungskurs, der Frauen und Männer im Kulturdolmetschen befähigt.

„Natürlich sind das keine Dolmetschenden, die eine Sprachdolmetschung machen können, sondern kulturelle Dolmetschende, die die deutsche Kultur übersetzen zur Kultur des jeweiligen Herkunftslandes“, sagt die Referentin für Erwachsenenbildung bei der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) Mitten in Franken, Dr. Janina Dillig.

Die Hilfe bei Behörden oder bei Arztbesuchen

Ihre Organisation und die Koordinationsstelle Integration der Stadt kooperieren bei dieser Aufgabe. Mitglieder des Integrationsbeirats der Stadt nehmen an dem Kurs teil. Das Konzept dazu entwickelte man in der KEB der Erzdiözese München und Freising, dem Dachauer Forum und der Domberg-Akademie.

„Die erste Idee ist, Integration allgemein zu fördern, indem Menschen, die bereits nach Deutschland migriert sind, Menschen, die neu nach Deutschland migriert sind, unterstützen“, informiert Janina Dillig. Dies helfe auch Deutschland und den deutschen Behörden bei der Integration. Bayernweit gebe es das Angebot seit dem Jahr 2019.

Familien mit Kindern zum Beispiel aus der Ukraine oder aus Afghanistan können die ausgebildeten ehrenamtlichen Kulturdolmetscherinnen und -dolmetscher etwa dabei helfen, das Schulsystem in Bayern zu verstehen.

Bei der Suche nach einer Behörde zu unterstützen, bei der man einen Antrag stellen muss, ist ebenfalls möglich. „Sie können aber auch zum Arzt begleiten“, betont Janina Dillig. Die Integrationsbeauftragte der Stadt, Iryna Savchenko, hebt überdies den guten Austausch unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern im ersten Kurs hervor.

Bayerns Innenministerium finanziert die Referentin

Sie weist ergänzend auf die Bildungsvermittlerinnen und -vermittler hin, die es in Ansbach schon gibt und von denen 60 bis 70 in fast 30 Sprachen aktiv sind. Menschen, die die deutsche und eine weitere Sprache fließend sprechen, können als solche tätig werden.

Ziel dieses Projekts ist neben einer erfolgreichen Elternarbeit, die Kinder und Jugendlichen ins Bildungssystem zu integrieren sowie die Familien in die Gesellschaft einzubinden. Von den zwölf Menschen im Kurs der Kulturdolmetscherinnen und -dolmetscher stammen die meisten laut Iryna Savchenkos Worten aus dem Pool dieser Bildungsvermittlerinnen und -vermittler.

Das bayerische Innenministerium finanziert die Referentin in dem Kurs, die Regierung von Mittelfranken die Verpflegung und die Kommune stellt den Raum bereit, wie Viktoriia Tschebanu, Integrationslotsin bei der Stadt, schildert.

Die Akzeptanz bei den Ministerien

Im November folgt der nächste Kurs mit zwölf Teilnehmerinnen und Teilnehmern in Ansbach, wie sie ankündigt. „Die Nachfrage ist sehr groß“, und es gebe eine lange Warteliste. Interesse haben insgesamt mehrere Dutzend Menschen, wie die Beteiligten ausführen.

Sie hoffen, dass es 2026 in Ansbach wieder jeweils einen Kurs im Sommer- und im Winterhalbjahr gibt. Das Projekt an sich „wird auf jeden Fall bis Ende 2027 sicher gefördert, und bislang wurde es immer wieder verlängert“, legt Janina Dillig dar. Es sehe nicht so aus, als würde der Freistaat es einstellen, die Referentinnen und Referenten zu finanzieren. Sie hat eher den Eindruck, dass er dies schrittweise ausbaut.

Die bayerischen Staatsministerien erkennen das Zertifikat als Kulturdolmetscherinnen und -dolmetscher an, wie Janina Dillig erläutert. Dies sei zum Beispiel dann wichtig, „wenn jemand jemanden bei einem Behördengang begleitet“.

north