Kunst- oder Echtleder? Tipps zum nachhaltigen Schuhkauf | FLZ.de

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Veröffentlicht am 05.02.2026 00:07

Kunst- oder Echtleder? Tipps zum nachhaltigen Schuhkauf

Wer vegan leben möchte, kann auch bei Schuhen auf tierische Produkte verzichten. Doch sind die Treter deshalb auch gleich nachhaltiger? Dafür muss man genauer hingucken. (Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa-tmn)
Wer vegan leben möchte, kann auch bei Schuhen auf tierische Produkte verzichten. Doch sind die Treter deshalb auch gleich nachhaltiger? Dafür muss man genauer hingucken. (Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa-tmn)
Wer vegan leben möchte, kann auch bei Schuhen auf tierische Produkte verzichten. Doch sind die Treter deshalb auch gleich nachhaltiger? Dafür muss man genauer hingucken. (Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa-tmn)

Klar: Am besten für die Umwelt ist es, wenn Produkte lange halten. Das gilt auch für Schuhe. Damit die keine Wegwerfprodukte werden, achtet man beim Kauf also am besten auf Qualität - und gibt lieber etwas mehr Geld für hochwertige Materialien aus. 

Im Gegenzug kauft man dafür seltener neue Schuhe. Außerdem sollte man darauf achten, dass die neuen Treter reparierbar sind. Nähte lassen sich beispielsweise erneuern.

Doch wie sieht es bei der Frage Echtleder oder Kunstleder aus - was ist für die Umwelt besser?

Pro und Contra: Lederschuhe

Für Echtleder spricht die Langlebigkeit der Schuhe: Mit der richtigen Pflege sind Lederschuhe oft länger haltbar als etwa billigere Stoff- oder Turnschuhe. Zudem ist das Material atmungsaktiv, vielseitig verarbeitbar und strapazierfähiger als etwa Kunstleder, so die Verbraucherzentrale NRW. 

Dem gegenüber stehen: Tierleid, mögliche schlechte Arbeitsbedingungen in Billiglohnländern sowie der Einsatz von giftigen und gesundheitsschädlichen Chemikalien beim Gerben. Auch der Wasserverbrauch ist dabei hoch - im schlimmsten Fall wird das mit Schadstoffen belastete Abwasser nach dem Gerben in Gewässer geleitet - und belastet dann die Umwelt. 

Das Material Leder ist aber nicht per se ein Problemstoff. Verbraucherschützer raten, darauf zu achten, dass Lederschuhe Pflanzen-gegerbt sind und dafür ausschließlich Häute verwendet werden, die als Nebenprodukt der Fleischproduktion entstehen. Denn sonst werden für die Lederproduktion extra Tiere getötet. 

Tipp: Orientierung bietet das Siegel „Naturleder“, das der Internationale Verband der Naturtextilwirtschaft (IVN) vergibt. Überhaupt sind Siegel hilfreich, wenn Verbraucher auf Tierwohl, faire Arbeitsbedingungen, Naturmaterialien und umweltschonende Herstellungsprozesse achten möchten. Gute Anhaltspunkte geben laut Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) neben der IVN-Zertifizierung etwa:

  • Der blaue Engel
  • Fairtrade
  • Oeko-Tex Made-in-Green
  • Oeko-Tex 100

Schuhe aus Kunstleder - (k)eine gute Alternative?

Und wie sieht es mit Schuhen aus Kunstleder aus? Sie können zwar vegan sein. Nachhaltiger sind sie aber nicht unbedingt. Basiert ihre Herstellung auf Erdöl, ist das etwa nicht der Fall. Oft ist ihre Lebensdauer dann laut BUND kürzer und das Material nicht biologisch abbaubar. 

Zudem können Lederimitate gesundheits- und umweltschädliche Zusätze enthalten und die Umwelt belasten. Auf Kunstleder aus PVC sollte man besser verzichten, rät die Verbraucherzentrale. 

Schuhe aus synthetischen Materialien sind dann meist nachhaltig, wenn sie aus recyceltem Kunstleder oder aus recycelten Kunstfasern beziehungsweise aus recycelten PET-Flaschen bestehen. Mittlerweile kommen bei der Schuhherstellung viele verschiedene recycelte Materialien zum Einsatz - etwa Autoreifen oder Papierfasern gemischt mit Textilfasern und Mais-Abfällen. Zudem gibt es Imitate aus natürlichen Materialien: Kork, Kakteen, Apfelreste, Zellulosefasern der Ananasblätter - auch als Piñatex oder Ananasleder bekannt. 

Fazit: Im Idealfall sind Schuhe nicht nur vegan, sondern auch nachhaltig. Verbraucher können dabei auf Naturmaterialien und nachwachsende Rohstoffe setzen, etwa:

  • Bio-Hanf
  • Bio-Leinen
  • Bio-Baumwolle
  • Holz

Und auch die Sohlen sollte man im Blick behalten: Kunststoffsohlen reiben sich etwa ab. Dadurch können große Mengen an Mikroplastik in die Umwelt gelangen. Ein Tipp daher: Auf Naturkautschuk setzen, ein besonders nachhaltiges Material bei Sohlen.

Übrigens: Neben dem Material und den Produktionsbedingungen kommt es beim nachhaltigen Schuhkauf auch auf kurze Transportwege und recycelbare Verpackungsmaterialien an. Am besten fragt man danach im Fachhandel.

Schuhe möglichst gut pflegen

Damit die neuen Schuhe dann auch möglichst lange halten, noch drei Tipps:

  1. Regelmäßig pflegen: Dabei auf Imprägniersprays möglichst verzichten, rät die Verbraucherzentrale. Denn sie können giftige Chemikalien enthalten. Besser Schuhcreme, Wachse oder Pflegeflüssigkeiten nutzen.
  2. Reparieren: Wenn sich eine Sohle löst oder die Absätze abgetragen sind, kann der Schuster solche Schäden meist reparieren. Das verlängert die Lebenszeit der Schuhe deutlich - schont also Ressourcen und ist oft preiswerter, klimaschonender und unterstützt das lokale Handwerk.
  3. Weitergeben: Gefallen einem die Schuhe nicht mehr, kann man sie zu einem Second-Hand-Laden oder ins Sozialkaufhaus bringen, so der BUND. Das ist viel besser als sie wegzuwerfen.

© dpa-infocom, dpa:260204-930-643666/1


Von dpa
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