Die Ansbacher Kulturstrategie soll umgesetzt werden. Zumindest empfiehlt dies der Schul- und Kulturausschuss dem Stadtrat. Den Beschluss fasste er einstimmig. Nadja Wilhelm, Referatsleiterin für Kultur und Tourismus der Stadt Ansbach, hatte das umfangreiche Strategiepapier in einer zweistündigen Sondersitzung vorgestellt.
Die Kulturentwicklungsplanung hat angesichts einer sich wandelnden Gesellschaft und schwindender öffentlicher Mittel bei Kommunen Konjunktur. Elke Homm-Vogel, die Leiterin der Sondersitzung, sieht denn auch die Ansbacher Kulturstrategie „als ein einendes Element, das wir in politisch, gesellschaftlich und finanziell herausfordernden Zeiten brauchen, um als Gesellschaft, auch als Stadtgesellschaft wieder zusammenzuwachsen“.
Eine der zentralen Neuerungen, auf die das Ansbacher Konzeptpapier mit dem Titel „Kulturstrategie” zielt, wäre die Gründung einer öffentlichen Anlaufstelle in Form eines Kulturbüros, eines Kulturamts, das zusammen mit dem Markgrafenmuseum, der Städtischen Musikschule und der Saalverwaltung einem Kulturreferat zugeordnet ist.
Es entstünde, wie Wilhelm darlegte, durch Umschichtungen innerhalb der Stadtverwaltung. Eine seiner Aufgabe wäre es, die für das Ansbacher Kulturleben so wichtigen Ehrenamtlichen zu entlasten. „Die Stadt muss da stützen“, sagte die Kulturreferentin, „wo es keine Freude macht, also bei der Bürokratie oder den Förderanträgen.“
Zunächst aber geht es Nadja Wilhelm, so führte sie aus, um die grundsätzliche Ausrichtung einer Kulturstrategie. Einen konkreten Zeit- und Kostenplan enthält das Strategiepapier daher nicht.
Der Text für eine Broschüre liegt nun nach zwei Jahren Arbeit in druckreifer Form vor. Er umfasst, großzügig layoutet, 56 Seiten und hält den ersten Entwicklungsstand der Kulturstrategie fest. Er ist eine umfangreiche Stoff- und Ideensammlung samt Handlungsempfehlungen und Zielvorgaben.
Themenschwerpunkte sind die Sicherstellung der kulturellen Teilhabe, die Verbesserung der Kommunikation und Sichtbarkeit nach außen, die Finanzierung und Förderung der Kulturlandschaft und eben die „strukturelle Verortung“ bei der Stadtverwaltung.
Im Detail finden sich in der „Kulturstrategie“ Vorschläge wie den Begriff „Kulturstadt Ansbach“ als Bild- und Wortmarke zu etablieren, ein digitales Kulturportal einzurichten, Angebote außerhalb der üblichen Veranstaltungsformate zu schaffen oder das Sponsoring und Fundraising zu aktivieren. Auch gibt es den „Wunsch nach einem großen Kulturort“, so Wilhelm, „nach einem gemeinsamen Kulturort, wo man Probenräume findet und kulturelles Leben auch darbieten kann.“
Erarbeitet werden sollen zum Beispiel transparente Förderrichtlinien, die neben den etablierten Institutionen nun auch Projekte umfassen. Die Expertise für eine solche Aufgabe verortet die Kulturstrategie bei einem mit Fachleuten besetzter Kulturbeirat. Ein solches Gremium gibt es noch nicht, es muss erst berufen werden.
Entstanden ist das Strategiepapier, wie bei solchen Projekten üblich, zusammen mit örtlichen Kunstschaffenden und Kulturanbieter. In Ansbach gehörten zur Begleitgruppe: Daniela Aue, Stefan Kammerer, Axel Krauße, Claudia Kucharski, Elisabeth Meisel, Carl-Friedrich Meyer, Dr. Christian Schoen, Anna Schuster und Thorsten Siebenhaar.
Stadtkämmerer Christian Jakobs und Nadja Wilhelm als Projektleiterin waren ebenfalls Mitglieder dieser Gruppe, zu der bei Runden Tischen zusätzlich zum Beispiel Verantwortliche aus Bildung, Gastronomie, Einzelhandel und Tourismus kamen. Moderiert wurde der Prozess von Elke Sieber, der Mitgründerin des Karlsruher Beratungsunternehmens swsp transform.
Einen Umsetzungsplan für die Kulturstrategie erstellen und die Ziele priorisieren will Nadja Wilhelm, wenn der Stadtrat sie dazu beauftragt. Die wichtigste Frage stellt sich dann: Was lässt sich umsetzen, ohne den städtischen Haushalt zu strapazieren? Luftschlösser bauen will Nadja Wilhelm nach eigenem Bekunden nicht.
Nach der Vorstellung der „Kulturstrategie“ erntete die Kulturreferentin viel Anerkennung für die Arbeit an dem Entwicklungsplan. Ausschussmitglieder formulierten aber auch Fragen, Bedenken und Wünsche. Friedmann Seiler (ÖDP) etwa hat die Sorge, dass die „zentrale Koordination“, für ihn ein Hauptbegriff des Strategiekonzepts, die Kunstschaffenden einschränken könnte, zumindest psychologisch. Otto Schaudig (CSU) betonte, dass die „anspruchsvolle Kultur“ nicht leiden dürfe. Angesichts des lebendigen Ansbacher Kulturangebots fragte sich Dr. Bernhard Schmid (Grüne), ob „wir da eine Bürokratie schaffen, die gar nicht nötig ist”, und die zusätzlich Kosten verursachen könnte.
Solche Bedenken konnte Nadja Wilhelm zerstreuen oder zumindest abschwächen. Am Ende stimmte der Kulturausschuss einstimmig dem Beschlussvorschlag zu: „Die Stadtverwaltung wird beauftragt, die Ziele und Handlungsempfehlungen der Kulturstrategie im Rahmen der personellen und finanziellen Möglichkeiten umzusetzen.” Auf Wunsch von Kathrin Pollak (SPD) wurde der Beschlussvorschlag um den Passus ergänzt, dass der Schul- und Kulturausschuss regelmäßig über die Umsetzung informiert werden soll.