Kreuzgangspiele Feuchtwangen: Wie aus dem Roman „Der große Gatsby” Theater wird | FLZ.de

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Veröffentlicht am 30.05.2026 14:05

Kreuzgangspiele Feuchtwangen: Wie aus dem Roman „Der große Gatsby” Theater wird

Im Bühnenbild von „Der große Gatsby”: Johannes Kaetzler, Intendant der Kreuzgangspiele. Er hat den Roman von F. Scott Fitzgerald dramatisiert und inszeniert ihn. (Foto: Martina Kramer)
Im Bühnenbild von „Der große Gatsby”: Johannes Kaetzler, Intendant der Kreuzgangspiele. Er hat den Roman von F. Scott Fitzgerald dramatisiert und inszeniert ihn. (Foto: Martina Kramer)
Im Bühnenbild von „Der große Gatsby”: Johannes Kaetzler, Intendant der Kreuzgangspiele. Er hat den Roman von F. Scott Fitzgerald dramatisiert und inszeniert ihn. (Foto: Martina Kramer)

Wie schon im Vorjahr bei Jane Austens „Stolz und Vorurteil“ wird es auch 2026 bei den Kreuzgangspielen als erstes Abendstück eine eigenständige Bühnenfassung eines berühmten Romans geben: F. Scott Fitzgeralds „Der große Gatsby“. Erarbeitet hat sie Kreuzgang-Intendant Johannes Kaetzler, der auch die Regie führt.

Der 1925 erschienene Roman von Fitzgerald ist mit seinen 101 Jahren weit näher am Heute als Austens Werk. Vieles, was damals im Schwange war, ist auch heute in Zügen wieder spürbar. Genau das hat Johannes Kaetzler interessiert, dem es stets ein Anliegen ist, in seinen Inszenierungen Bezüge zur Gegenwart herzustellen. Wirtschaftskrisen, Orientierungslosigkeit, Rückwärtsgewandtheit bestimmten das Leben. Auch heute herrscht wieder eine diffuse Stimmung. Obwohl Geschichte sich niemals wiederholt, lohnt sich die Auseinandersetzung mit ihr, um die Gegenwart besser zu begreifen.

Bezüge zur Gegenwart

Gatsby ist eine hochkomplexe, geheimnisvolle und zugleich menschliche Figur, die von dieser Zeit geprägt ist. Ein Kriegsveteran, traumatisiert und doch von einem großen Traum getrieben: sich mit Geld eine bessere Welt zu erschaffen. In der Kreuzgang-Inszenierung wird er von Lennart Matthiesen gespielt, optisch also ganz weit weg von Robert Redford, der dem im Roman äußerlich nicht näher beschriebenen Charakter ein unvergessliches Gesicht verliehen hat.

„Die Filme habe ich bewusst ignoriert“, sagt Kaetzler. Fünf sind es an der Zahl, die berühmtesten sind die 1974 unter der Regie von Jack Clayton entstandene Version mit Robert Redford und Mia Farrow, gefolgt von Baz Luhrmanns orgiastischem Epos mit Leonardo DiCaprio aus dem Jahr 2013.

Theater folgt seinen eigenen Regeln und der Kreuzgang mit seiner besonderen Atmosphäre ohnehin. Kaetzlers Bearbeitung wird eine große Bandbreite haben. „Es wird getanzt und geliebt, gestritten und gelitten“, sagt er. Es wird an Musicals angelehnte Einlagen geben, von den Kostümen ganz an die Zeit der 1920er Jahre angelehnt, in denen das 17-köpfige Ensemble über die Bühne wirbelt. Daneben werden ruhige Szenen mit tiefgründigen Dialogen gesetzt, wie sie im Buch ebenso zu finden sind.

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Dramatisierung ist Herausforderung gewesen

„Der Roman ist schon eine Herausforderung gewesen“, gibt Johannes Kaetzler zu. Überraschend kurz gefasst verdichtet er eine komplizierte Handlung um ein tragisches Liebespaar – Gatsby und Daisy (hier gespielt von Meike Pintaske). Wie Gatsby zu seinem sagenhaften Reichtum gekommen ist, wird nie direkt geklärt und ist umweht vom Ruch der Illegalität. Doch er ist ein Gentleman und ein großzügiger Gastgeber, der sich nicht gerne in den Mittelpunkt stellt. Als Kontrastpaar fungieren im Roman wie auch im Stück der Ich-Erzähler Nick Carraway (Joseph Reichelt) und die erfolgreiche Golfspielerin Jordan Baker (Kirsten Schneider). In der Kreuzgang-Version verkörpern sie am Ende eine Art Hoffnungsträger, während Gatsby als tragischer Held endet.

„Es ist im Grunde eine Odysseus-Thematik, die sich hier verbirgt: Gatsby kommt zu spät, im Leben wie in der Liebe“, sagt Kaetzler. Sein Reichtum, den er eigentlich nur für Daisy angehäuft hat, nützt ihm nichts. Gatsby scheitert, weil er versucht, eine Hoffnung Wirklichkeit werden zu lassen, die sich aus der Vergangenheit speist. Der nostalgische Blick zurück, wie er auch heute wieder eifrig gepflegt wird, erweist sich als Sackgasse. „So gesehen, kann man Fitzgeralds Buch durchaus als prophetisch betrachten“, findet der Intendant. Seine Inszenierung will dieses zum Ausdruck bringen, möchte aber auch den Spaß am Theater nicht zu kurz kommen lassen.


Von MARTINA KRAMER
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