Knobloch zu abgesagter Gedenkfeier: „Mir fehlen die Worte“ | FLZ.de

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Veröffentlicht am 18.06.2026 13:15, aktualisiert am 18.06.2026 13:44

Knobloch zu abgesagter Gedenkfeier: „Mir fehlen die Worte“

Charlotte Knobloch ist Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. (Archivbild) (Foto: Sven Hoppe/dpa)
Charlotte Knobloch ist Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. (Archivbild) (Foto: Sven Hoppe/dpa)
Charlotte Knobloch ist Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. (Archivbild) (Foto: Sven Hoppe/dpa)

Charlotte Knobloch, Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde für München und Oberbayern, hat mit scharfen Worten auf die Absage einer Gedenkveranstaltung bei den Bayreuther Jubiläumsfestspielen reagiert. „Diese Absage ist auf jeder Ebene eine Bankrotterklärung“, teilte sie mit. 

Nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ war am 26. Juli, einen Tag nach dem Festspielauftakt, ein Gedenkkonzert mit dem Titel „Verstummte Stimmen“ in Bayreuth geplant gewesen, der jüdische Publizist Michel Friedman hätte eine Rede halten sollen. In Bayreuth war nun von einer Verschiebung aus Sicherheitsgründen die Rede. 

„Unprofessionell und würdelos“

Knobloch sagte dazu: „Bei der vermeintlichen Verschiebung handelt es sich faktisch um nichts anderes als eine Ausladung Friedmans durch die Festspielleitung“, die ihm durch die Begründung „Sicherheitsbedenken“ obendrein noch indirekt die Verantwortung zuschiebe. „Mir fehlen die Worte, um meine Wut und Enttäuschung auszudrücken.“

Knobloch würdigte Friedman als einen „der bedeutendsten Intellektuellen, die wir in diesem Land haben“. Dass die Festspielleitung „ihm an dieser hochsymbolischen Stelle eine Bühne erst anbietet und dann unter fadenscheinigem Vorwand wieder entzieht, das ist unprofessionell und würdelos. Wer Bayreuth schwächen will, der muss genauso handeln.“

Die Festspiele hätten mit ihrem Vorgehen eine Gelegenheit zur Aufarbeitung ihrer eigenen NS-Vergangenheit nicht nur verpasst, sondern „auch für die Zukunft erheblich erschwert“. 

„Wäre Friedmans Vortrag schmerzhaft gewesen?“

Weiter sagte Knobloch: „Wäre Friedmans Vortrag für die Anwesenden schmerzhaft gewesen? Sehr wahrscheinlich. Das aber war doch Sinn und Zweck seiner Einladung: Ein Gespräch zu beginnen, das mehr ist als leere Symbolik und das deshalb auch wehtut. Nicht nur findet dieses Gespräch jetzt nicht statt – ich befürchte auch, die aktuelle Debatte wird dazu führen, dass das für einige Zeit so bleibt.“

Auch Friedman selbst hatte die Absage scharf kritisiert. „Das ist in einer Demokratie der Tod durch Selbstmord“, hatte er der „Süddeutschen Zeitung“ gesagt. „Die Ernsthaftigkeit, sich mit dem Antisemiten Wagner auseinanderzusetzen, ist durch diese Absage ad absurdum geführt.“

Der Komponist Richard Wagner (1813-1883), Gründer der Bayreuther Festspiele, verfasste antisemitische Schriften und äußerte sich auch immer wieder klar antisemitisch. Später galten die Festspiele als eng verflochten mit nationalistisch-völkischem Gedankengut und schließlich mit dem Nationalsozialismus. Adolf Hitler war immer wieder Gast in Bayreuth. 

Friedmans Frage an die Festspielgäste

In dem Interview bezeichnete Friedman die Wagner-Stätten in Bayreuth als einen „Ort, an dem der Komponist und seine Nachfahren gewalttätigen Judenhass transportierten, organisierten und salonfähig machten“.

In Bayreuth treffe sich jedes Jahr „die Crème de la Crème der deutschen Politik und Gesellschaft“, sagte Friedman. „Dieses Publikum hätte ich also gefragt: „Sie wissen, dass Sie auf einem vergifteten Boden die Opern eines menschenverachtenden Komponisten anhören. Dass Sie diese Opern genießen - was nicht schwer ist, denn dass Wagner ein musikalisches Genie war, wer würde das am Ende ernsthaft bezweifeln? Aber: Sie nehmen auch an einem exhibitionistischen Defilee teil, um genau hier abgelichtet und gesehen zu werden? Warum?““

© dpa-infocom, dpa:260618-930-243485/2


Von dpa
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