Kirchweih in Diespeck: Momente des Innehaltens | FLZ.de

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Veröffentlicht am 19.10.2026 07:51

Kirchweih in Diespeck: Momente des Innehaltens

Foto: Gudrun Schwarz-Köhler
Foto: Gudrun Schwarz-Köhler
Foto: Gudrun Schwarz-Köhler

Effizienz ist eines der großen Zauberworte unserer Zeit. Er wird in allen möglichen Zusammenhängen verwendet.

Aber selbst, wo dieses Wort nicht ausdrücklich auftaucht, findet der zugrundeliegende Gedanke an unzähligen Stellen und Situationen seine Anwendung. Es geht schlichtweg darum, mit möglichst wenig Aufwand möglichst viel Ertrag oder Nutzen zu erreichen.

Im Falle der Energieeinsparung hat dieses Bemühen durchaus segensreiche Folgen für die Umwelt. An anderen Stellen sind die Resultate weniger segensreich: Arbeitnehmer werden entlassen und der Rest der Belegschaft soll das auffangen. Produktionsziele werden erhöht und der Druck für die vorhandene Belegschaft nimmt zu.

Das Ganze spielt auch auf der persönlichen Ebene eine Rolle: Der Einzelne soll möglichst viel aus sich herausholen. Auf Neudeutsch heißt das „Selbstoptimierung”. Um diesem Trend noch eines drauf zu setzen, gibt es das nicht nur in der Arbeit, sondern auch in der Freizeit und im Hobby. Das alles hört sich nicht nur nach gehörigem Druck an, sondern ist es im schlimmsten Falle tatsächlich auch. Menschen leiden darunter, nehmen an ihrer Gesundheit Schaden und bleiben im schlimmsten Falle auf der Strecke.

Und siehe, es war sehr gut

Unsere Bibel beginnt mit der einen Geschichte, in der Gott auch gehörig etwas leistet. Er erschafft das Weltall, die Erde, Pflanzen, Tiere und Menschen. Gott als (schwäbisches?) Vorbild für Leistung und Effizienz! In der Schöpfungserzählung sind aber auch entgegengesetzte Momente eingebaut. Zum einen heißt es immer wieder: „Und siehe, es war sehr gut.” Gott nimmt sich Zeit und Muße, das Geschaffene anzuschauen und er ist – menschlich gesprochen – sehr zufrieden mit seinem Werk.


Momente des Innehaltens, mitten im Alltag, mitten in der Arbeit tun auch uns gut.
Momente des Innehaltens, mitten im Alltag, mitten in der Arbeit tun auch uns gut.

Momente des Innehaltens, mitten im Alltag, mitten in der Arbeit tun auch uns gut.

Pfarrer Manfred A. Kolberg

Zum anderen nimmt sich Gott den siebten Tag zum Ausruhen. Er verzichtet auf weitere Schöpfungstaten und eine mögliche Optimierung des Ganzen. Er ist zufrieden und nimmt sich einen Tag Auszeit.

Man könnte jetzt einwenden: Das ist alles schon ein sehr am Menschen orientiertes Bild Gottes, das in dieser Geschichte gezeichnet wird. Gut möglich, aber das ist genau die Stärke der Erzählung, weil es für uns etwas zum Abschauen und Nachahmen gibt. Der Sabbat im Judentum wird mit diesem Ausruhen Gottes begründet und bekommt von dort seine Bedeutung und Würde. An diesem Tag Gottes soll alle Arbeit unterbleiben, der Mensch soll sich auf sich selber und auf Gott besinnen. Er soll sich erholen. Sozial gesehen war das vor zweieinhalbtausend Jahren eine absolute Errungenschaft: Sogar Sklaven hatten Anspruch auf diesen Tag der Ruhe.

Tag des Herrn

Die Christen haben dann den Sonntag zum Tag des Herrn gemacht, auch wiederum ein Tag für den Gottesdienst und das Ausruhen. Es passt haargenau in das Bild einer von Effizienz- und Leistungsdenken geprägten Gesellschaft und Wirtschaft, wenn an verschiedensten Stellen der Schutz des Sonntags ausgehöhlt wird: Sonntagsarbeit, verkaufsoffene Sonntage, stressige Freizeitbeschäftigung und einiges mehr. Dem Menschen tut das nicht immer gut.

Die Schöpfungsgeschichte ermuntert uns zum Ausruhen, zum Innehalten, macht Mut, sich Muße zu gönnen. So gesehen ein Bibeltext, der haargenau zum Kirchweihwochenende passt – natürlich inklusive Gottesdienstbesuch!

In diesem Sinne wünsche ich den Ortsburschen und -madle, allen Diespeckern und allen Gästen eine schöne Kirchweih.

Ihr und Euer Pfarrer
Manfred A. Kolberg

PS: Das ist mein letztes Grußwort zur Kirchweih. Bei der nächsten Kerwa in Diespeck werde ich kein aktiver Pfarrer mehr sein.

Bürgermeister Markus Helmreich führt den Bieranstich am Samstag um 14 Uhr durch. (Foto: Gudrun Schwarz-Köhler)
Bürgermeister Markus Helmreich führt den Bieranstich am Samstag um 14 Uhr durch. (Foto: Gudrun Schwarz-Köhler)

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