Bayreuth sagt „Nein“ zum Rechtsruck | FLZ.de

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Veröffentlicht am 25.07.2026 03:32, aktualisiert am 25.07.2026 20:00

Bayreuth sagt „Nein“ zum Rechtsruck

Katharina Wagner und Michel Friedman stehen vor dem Start der Festspiele am Königsportal. (Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)
Katharina Wagner und Michel Friedman stehen vor dem Start der Festspiele am Königsportal. (Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)
Katharina Wagner und Michel Friedman stehen vor dem Start der Festspiele am Königsportal. (Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Zu ihrem 150-jährigen Bestehen stellen die Bayreuther Festspiele sich entschieden gegen einen Rechtsruck in Politik und Gesellschaft. Es gehe darum, „hier Nein zu sagen“ gegen Rassismus, Chauvinismus und eine Verharmlosung der Geschichte, sagte Festspiel-Leiterin Katharina Wagner beim Festakt zum Jubiläum. Die gelte vor allem „wegen der sehr persönlichen Verknüpfung“ ihrer Familie mit dem NS-Regime unter Adolf Hitler. 

Gegen die „Finsternis der Vergangenheit“

„Die Bayreuther Festspiele waren nie losgelöst von ihrer Zeit“, sagte die Urenkelin des Komponisten und Festspiel-Gründers Richard Wagner. Darum sei das Jubiläum „weit mehr als ein Anlass, zu feiern“. Ziel müsse es sein, „die Tradition ernst zu nehmen, ohne sie zu verklären“ – „damit die Zukunft nicht erneut in der Finsternis der Vergangenheit endet“. 

Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erinnerte in seinem Grußwort an die dunkle Seite der Festspielgeschichte und auch Wagners selbst, dessen Antisemitismus immer wieder Anlass zu einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Komponisten gibt. Er zitierte Thomas Mann und empfahl bei Wagners Musik: „genießen, aber nicht ohne Misstrauen“. „Canceln ist jedenfalls auch hier keine Lösung“, sagte Merz. Besser sei eine kritische Auseinandersetzung, wie sie bei den Bayreuther Festspielen geschehe: „Spät, aber es ist geschehen“.

Wagner entschuldigt sich erneut bei Friedman

Merz dankte den Festspielen, dass „die zwischenzeitlichen Irritationen“ um eine zeitweise abgesagte Gedenkveranstaltung für verfolgte jüdische Musiker inzwischen ausgeräumt seien. 

Intendantin Wagner entschuldigte sich in ihrer Begrüßung noch einmal explizit bei Michel Friedman, der die Absage und seine Ausladung öffentlich gemacht hatte. Sie sprach von „Unstimmigkeiten und Fehlern im Vorfeld, die wir zu verantworten haben“. Vor dem Beginn des Festaktes zeigte sie sich gemeinsam mit Friedman am Eingang zum Festspielhaus, wo sie die Gäste begrüßte. Die Gedenkveranstaltung mit dem Titel „Verstummte Stimmen“ und einer Rede Friedmans war für den zweiten Festspieltag geplant. 

Nike Wagner stellt die Zukunftsfrage

Nike Wagner, die Cousine der Festspielchefin, die einst mit ihr um den Posten konkurriert hatte, stellte in ihrer Festrede derweil vor allem die Frage nach der Zukunft der Festspiele, die sie immer mehr von einem Familien- zu einem Staatsbetrieb geworden sei. „Eine Art Erdrutsch findet statt“, sagte sie und meinte damit „den endgültigen Übergang vom Familientheater zum Staatstheater“. Bund und Land, die Geldgeber, die inzwischen so viel Mitspracherecht haben, dass sie die Festspielleitung ernennen, seien für sie „die Totengräber des familiären Elements der Festspielgeschichte“. Nur das künstlerische sei heute – „noch“ – in Familienhänden.

© dpa-infocom, dpa:260725-930-435422/4


Von dpa
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