Karin Falkenberg übernimmt die Leitung des Freilandmuseums Bad Windsheim | FLZ.de

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Veröffentlicht am 23.09.2025 17:36

Karin Falkenberg übernimmt die Leitung des Freilandmuseums Bad Windsheim

Ihre alte Wirkungsstätte, das Spielzeugmuseum in Nürnberg, hat Karin Falkenberg bereits „mit Liebe” losgelassen. Nun wird sie die neue Leiterin des Freilandmuseums Bad Windsheim. (Foto: Daniela Ramsauer)
Ihre alte Wirkungsstätte, das Spielzeugmuseum in Nürnberg, hat Karin Falkenberg bereits „mit Liebe” losgelassen. Nun wird sie die neue Leiterin des Freilandmuseums Bad Windsheim. (Foto: Daniela Ramsauer)
Ihre alte Wirkungsstätte, das Spielzeugmuseum in Nürnberg, hat Karin Falkenberg bereits „mit Liebe” losgelassen. Nun wird sie die neue Leiterin des Freilandmuseums Bad Windsheim. (Foto: Daniela Ramsauer)

Beim Bäcker ist Karin Falkenberg keine Unbekannte mehr. Wenn die 56-Jährige durch die Gassen Bad Windsheims geht oder „inkognito” ihren künftigen Arbeitsplatz erkundet, hat sie das Gefühl, dass manche Leute sie erkennen. Doch offiziell ist es erst im Oktober so weit: Dann wird sie die neue Leiterin des Freilandmuseums Bad Windsheim.

Vor ihrer neuen Aufgabe hat die 56-Jährige großen Respekt. Über 120 historische Gebäude, verteilt auf 45 Hektar Land – „das ist eine riesige Szenografie. Sie ist wissenschaftlich bestens aufgebaut”, sagt die Historikerin. Ihr Vorgänger Herbert May, der seit 2011 an der Spitze stand und der Anfang September verstorbene Konrad Bedal, der von 1977 bis 2010 erster Leiter des Freilandmuseums war, das waren „echte Koryphäen”, meint Falkenberg. In deren Fußstapfen wird sie nun treten.

Von der freien Stelle wurde geflüstert

Sie freut sich darauf, will ihre Schritte aber mit Bedacht gehen. Seit vielen Wochen schon läuft die Übergabe mit Herbert May. „Ich wurde herzlich empfangen, ich bin dankbar für die vielen Gespräche”, sagt sie. Um das neue Wissen zu vertiefen, war sie zwischendurch als Besucherin undercover unterwegs. „Ich hatte das Gefühl, dass die Frau an der Kasse mich vielleicht erkannt hat”, sagt Karin Falkenberg und lacht.

Laut gerufen hat sie niemand nach Bad Windsheim. Es war eher ein leises Flüstern von Stimmen, die wussten, dass ihr Vorgänger Herbert May in den Ruhestand gehen wird. „Bewirb dich doch, das ist was für dich”, rieten ihr diese Stimmen.

Karin Falkenberg hat auf sie gehört. Und wirkt ein bisschen überrascht, dass es geklappt hat. Ein „Lebensgeschenk” nennt sie ihre neue Aufgabe. Denn das Freilandmuseum ist schon lange ein wichtiger Teil in ihrem Leben. In der Gründungszeit des Freilandmuseums war ihr Vater im Vorstand des Fördervereins.

Ein kleiner „guter Ort” zum Wohnen

Oft war sie dabei, wenn die Vereinsmitglieder sich trafen. Sie hat miterlebt, wie die ersten Gebäude transloziert, also versetzt und wieder aufgebaut, wurden. Der Aufbau der Unterschlauersbacher Mühle in den Jahren 1981 bis 1984 ist ihr noch in guter Erinnerung. Auch das damals noch recht leere Museumsgelände hat sie noch vor Augen. „Ich habe es geliebt, auf den leeren Feldern zu spielen. Es war eine herrliche Stimmung”, schwärmt sie.

Auch die Stadt Bad Windsheim und die Region sind der in Nürnberg, Fürth und in Österreich aufgewachsenen Frau ein Begriff. Immer mal wieder in ihrem Leben ist sie gerne hierhergekommen. Nun hat sie vor, länger zu bleiben. Einen kleinen, „guten Ort”, wie sie es nennt, zum Wohnen hat sie schon gefunden. Schon im Zuge der ersten Renovierungsarbeiten hat sich in Bad Windsheim herumgesprochen, dass die neue Museumsleiterin sich einrichtet. „Mein Mann wurde beim Bäcker erkannt. Sie haben gesagt, wir können alles haben: Kaffee oder Strom”, beschreibt Karin Falkenberg ihr ersten Begegnungen an der neuen Wirkungsstätte.

Den alten Job in Liebe loslassen

Für die neue Arbeit muss sie eine andere aufgeben. Seit 2014 war Karin Falkenberg Leiterin des Spielzeugmuseums in Nürnberg. „Ich lasse mit Liebe los”, sagt sie. Von der Größe kann sich die Einrichtung nicht mit dem Freilandmuseum in Bad Windheim messen. Es ist untergebracht auf 1400 Quadratmetern in einer kleinen Seitengasse in der Nürnberger Innenstadt. Doch trotz beengter Verhältnisse ist das Spielzeugmuseum „weltbekannt”, sagt Karin Falkenberg stolz. „Die Hälfte der Menschen, die hierherkommen, sprechen weder deutsch noch englisch”, beschreibt sie die Internationalität des Museums.

In den vergangenen zwölf Jahren hat sie hier mit „einem kleinen Team richtig viel auf die Beine gestellt”, resümiert sie. Auf Partizipation, Diversität, Antirassismus und Demokratiestärkung hat sie bei ihren Projekten Wert gelegt. Bei den Ausstellungen war ihr wichtig, dass sie eine wissenschaftliche und zugleich emotionale Sprache sprechen. „Aber da hast du bei Spielzeug ein leichtes Spiel”, meint Falkenberg.

Sie geht ein neues Wagnis ein

Vor dem Spielzeugmuseum arbeitete die studierte Medien- und Wirtschaftshistorikerin unter anderem als stellvertretende Leiterin im Rundfunkmuseum Fürth. „Museen sind Wagnisse, es ist nicht schlecht, viele davon gesehen zu haben”, sagt sie.

Als nächstes Wagnis steht nun das Fränkische Freilandmuseum in Bad Windsheim an. Sie geht es voller Zuversicht ein: „Da arbeiten viele Menschen, die alles draufhaben.” Die Konzeption der Ausstellungen, die Detailarbeit und die Veranstaltungen und Feste, die jedes Jahr aufs Neue stattfinden wollen, weil das Publikum sie liebt – Karin Falkenberg will sich genau anschauen, ob noch etwas fehlt und wie man weiter machen kann. „Dabei werde ich keinen Pieps tun, ohne den intensiven Austausch mit dem Team des Freilandmuseums.” Und sie fügt hinzu: „Mt jedem Menschen ändert sich was, aber das ist okay”.

Der Abschied von den historischen Gebäuden, hier die Synagoge aus Allersheim, fällt Herbert May, der bis Ende September Leiter des Fränkischen Freilandmuseums sein wird, schwer. (Foto: Daniela Ramsauer)
Der Abschied von den historischen Gebäuden, hier die Synagoge aus Allersheim, fällt Herbert May, der bis Ende September Leiter des Fränkischen Freilandmuseums sein wird, schwer. (Foto: Daniela Ramsauer)

„Ein Teil meines Lebens”: Leiter des Fränkischen Freilandmuseums hört auf

32 Jahre lang hat Herbert May im Bad Windsheimer Museum gearbeitet; 15 davon als Leiter. Ende September ist Schluss. Sein Team und die Häuser wird er vermissen.
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