Der Antrag, im ANregiomed-MVZ in Rothenburg eine ambulante Kardiologie zu etablieren, wurde abgelehnt. Das bringt den im Verwaltungsrat mühsam gefundenen Gesamt-Kompromiss ins Wanken.
Die Kardiologie befasst sich mit den Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems. Es geht um Herzinfarkt, Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck oder Herzinsuffizienz, also ein extrem wichtiges medizinisches Feld. In Stadt und Landkreis Ansbach gibt es eine stationäre Kardiologie am Klinikum in Ansbach sowie am Standort in Rothenburg. Geleitet wird die Abteilung in Rothenburg von Chefarzt PD Dr. Christian Wacker, der einen hervorragenden Ruf genießt.
Allerdings sind die Anforderungen für die neuen Leistungsgruppen, die ab 2027 gelten, in Rothenburg nicht gegeben. Deshalb hat der Verwaltungsrat im September beschlossen, eine ambulante Kardiologie unter dem Dach des Medizinischen Versorgungszentrums zu realisieren. In den vergangenen Wochen hat sich gezeigt, dass es bei den Notärzten in Rothenburg und der Leitung von ANregiomed unterschiedliche Ansichten gibt, was dort künftig geleistet werden dürfte.
Der Klinikförderverein Mediroth hat nach der Ablehnung des Zulassungsausschusses für Mittelfranken Alarm geschlagen. Das Nein habe mehrere Gründe, vermutet Mediroth-Vorsitzende Michaela Ebner. Der Antrag sei sehr spät und ohne fundierte Begründung gestellt worden. Außerdem wurde der Sitz nicht für Chefarzt Dr. Christian Wacker, sondern für den in Ansbach ansässigen Oberarzt Dirk Spoerhase-Eisel, den Sektionsleiter der Chest-Pain-Unit, beantragt.
ANregiomed widerspricht. Der Antrag sei fristgerecht und ausführlich begründet gewesen, heißt es in einer Antwort an die FLZ. Dass als Facharzt nicht Dr. Wacker, sondern ein Ansbacher Kollege angegeben wurde, liege daran, dass Wacker als Chefarzt „komplett in die stationäre Versorgung der Klinik eingebunden ist und er nicht im erforderlichen Umfang als Vertragsarzt tätig sein könnte”, erklärte die ANregiomed-Pressestelle. Es seien jedoch Unterlagen für mehrere Ärzte eingereicht worden, um eine spätere Anpassung der Teilzeitquoten vornehmen zu können.
Die Maximalquote für den Bereich Kardiologie ist nach einem Beschluss des Landesausschusses in Westmittelfranken bereits erfüllt, verweist ANregiomed auf die Begründung im Ablehnungsbescheid. „Neuzulassungen wären für Kardiologen nur dann möglich, wenn ein bereits bestehender Sitz nachbesetzt wird.” Einen Ermessensspielraum gebe es nicht, nicht einmal mit Blick auf die Versorgungssituation.
Was in den Vorgang zusätzliche Würze bringt: Das Verhältnis von Klinikvorstand Dr. Gerhard Sontheimer und Chefarzt Dr. Christian Wacker kann freundlich gesagt als angespannt bezeichnet werden. Schon länger gab es Gerüchte, Sontheimer wolle den Übergang von der stationären in die ambulante Kardiologie nutzen, um den Rothenburger Mediziner aufs Abstellgleis zu manövrieren. Belege dafür gibt es aber nicht. Sontheimer hatte gegenüber der FLZ im Gespräch mehrfach darauf hingewiesen, dass die ambulante Kardiologie in Rothenburg kein Automatismus sei, nur weil der Verwaltungsrat diese in seinen Strategiebeschluss aufgenommen hat.
Für Landrat Dr. Jürgen Ludwig kommt die Nachricht zur Unzeit. Mitten in der heißen Phase des Wahlkampfs. In den vergangenen Wochen wirkte er erleichtert, dass er eine Lösung für die Krankenhausversorgung erreicht hatte. Doch nun wird der Kompromiss wieder infragegestellt.
In einer ersten Stellungnahme verwies das Landratsamt darauf, dass die ambulante kardiologische Versorgung in Rothenburg ein wichtiger Bestandteil des Strategiebeschlusses vom September sei. Das Angebot sei essenziell für die Weiterentwicklung des Standortes. Die Unternehmensleitung müsse alle Optionen nutzen, „um die Beantragung zum Erfolg zu führen”. Das weitere Vorgehen müsse direkt nach Prüfung des Ablehnungsbescheides „unverzüglich mit dem Verwaltungsrat abgestimmt werden”.
Dass die Maximalquote für Kardiologinnen und Kardiologen in Westmittelfranken erfüllt sei, ist für Landrat Ludwig kein schlagendes Argument. „Leider geht diese Feststellung auf dem Papier an der Lebensrealität der Bürgerinnen und Bürger in Rothenburg ob der Tauber und darüber hinaus vorbei.” Die Krankenhausreform des Bundes dränge gezielt auf eine Ambulantisierung, doch wenn ANregiomed diesen Weg beschreiten wolle, werde der Klinikverbund ausgebremst. „Hier wird wieder einmal überdeutlich, in welcher Zwangslage die Träger von Krankenhäusern stecken.“
Klinikvorstand Sontheimer habe er aufgefordert, erneut auf die Kassenärztliche Vereinigung zuzugehen, so Ludwig. Zudem hat er beim bayerischen Gesundheitsministerium um Unterstützung gebeten.
Aus mehreren Gesprächen mit Mitgliedern des Verwaltungsrates lassen sich drei Punkte als Fazit herauskristallisieren. Erstens will man sich mit der Entscheidung des Zulassungsausschusses für Mittelfranken nicht abfinden. Zweitens herrscht Skepsis, ob der Klinikvorstand in dieser Frage wirklich mit offenen Karten gespielt hat. Und drittens kam die Frage auf, ob Sontheimer tatsächlich gewillt ist, den Beschluss umzusetzen.