Innenminister Herrmann: Cartellverband in Ansbach soll Demokratie stärken | FLZ.de

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Veröffentlicht am 14.05.2026 17:05

Innenminister Herrmann: Cartellverband in Ansbach soll Demokratie stärken

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (hinten zweiter von links) war Ehrengast beim Festakt zum 100-jährigen Bestehen des Ansbacher Ortszirkels des Cartellverbandes. <br> (Foto: Alexander Biernoth)
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (hinten zweiter von links) war Ehrengast beim Festakt zum 100-jährigen Bestehen des Ansbacher Ortszirkels des Cartellverbandes.
(Foto: Alexander Biernoth)
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (hinten zweiter von links) war Ehrengast beim Festakt zum 100-jährigen Bestehen des Ansbacher Ortszirkels des Cartellverbandes.
(Foto: Alexander Biernoth)

Seit 100 Jahren besteht in Ansbach ein Ortszirkel des Cartellverbandes. Am 29. April 1926 wurde der Zusammenschluss aller in Ansbach und Umgebung lebenden Mitglieder katholischer Studentenverbindungen gegründet. Zusammen mit Bayerns Innenminister Joachim Herrmann wurde das Jubiläum gefeiert.

Anlässlich des Jubiläums fand ein Festgottesdienst in der Ludwigskirche statt, den Pfarrer Matthias Goldammer aus der Diözese Aachen gestaltete. Im Anschluss hielt Innenminister Herrmann die Festansprache im Rahmen eines festlichen Kommerses.

Der scheidende Vorsitzende des Ansbacher Cartellverbandes, Christian Fuhrmann, berichtete, dass in der Verbandszeitschrift „Academica“ Anfang des Jahres 1926 der Finanzamtmann Ludwig Zimmerer zur Gründung aufgerufen hatte. Alle Cartellbrüder der „mittelfränkischen Diaspora“ sollten sich in dem Zirkel versammeln. Den Zweck der Gründung umschrieb Dr. Alban Haas, der spätere Leiter des Amtes für Statistik in Bayern, mit den Worten „den in der mittelfränkischen Diaspora – ausgenommen Nürnberg-Fürth – zerstreut wohnenden Cartellbrüdern einen organisatorischen Zusammenhalt zu geben und regelmäßige Zusammenkünfte zu ermöglichen“.

Anschluss und gute Freunde gefunden

Derzeit, so berichtete Fuhrmann weiter, kommen zu den regelmäßigen Veranstaltungen im Durchschnitt zwei Dutzend Interessierte aus 15 verschiedenen Studentenverbindungen. In seiner Begrüßungsansprache erinnerte Fuhrmann an die aus dem Mittelalter stammende Tradition des Zusammenhalts nach dem Lebensbund-Prinzip. Die demokratischen Grundgedanken verbinden die ehemaligen Studenten, die alle in einer katholischen Studentenverbindung Mitglied sind. Er selbst sei vor 18 Jahren nach Ansbach gekommen und habe durch den Ortszirkel des Cartellverbandes schnell Anschluss und gute Freunde in der neuen Heimat gefunden. Ansbach bezeichnete er als eine „liebenswerte Stadt”. Fuhrmann dankte dem Innenminister für die große Sicherheit, die es in Bayern gebe, weil alle an einem Strang zögen. Er kritisierte aber, dass 85 Prozent der Mitglieder des Ortszirkels im staatlichen oder staatsnahen Dienst seien. Die Staatsquote müsse gesenkt werden, so Fuhrmann, und wieder mehr im produzierenden Gewerbe oder im Dienstleistungsbereich Geld verdienen.

Innenminister Joachim Herrmann gratulierte im Namen der Staatsregierung dem Ansbacher Ortszirkel zum 100-jährigen Gründungsjubiläum. Die Bedeutung des Ortszirkels dürfe nicht unterschätzt werden, so seine Einschätzung. Der Zirkel sei voller Leben und er freue sich über eine Staatsquote von 85 Prozent, so Joachim Herrmann im Widerspruch zu Christian Fuhrmann. Mit Blick auf die Geschichte sagte der Innenminister, dass während der Nazi-Diktatur nicht nur jüdisches Leben vernichtet wurde, sondern auch viele Cartellbrüder ermordet wurden. So eine „unglaubliche Verirrung” dürfe nie wieder geschehen, so Herrmann. Er selbst gehört der katholischen Verbindung Frankonia-Czernowitz in Erlangen an.

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Wechsel an der Spitze

Es sei derzeit wichtig, Farbe zu bekennen, so Herrmann, und Flagge zu zeigen für Demokratie und Religion. Religionsfreiheit bedeute nicht, dass die Gesellschaft frei von Religion sei, sondern dass alle Religionen Freiheit genießen. Weder die bayerische Verfassung noch das Grundgesetz seien laizistisch. Er rief den Mitgliedern der Studentenverbindungen zu, dass auf Dauer eine Demokratie nur mit dem Engagement der Demokraten gelingen könne. „Unser Glaube ist stärker als KI“, so Herrmann.

Vertreter der Verbindungen, deren Mitglieder in Ansbach und Umgebung leben, sprachen Grußworte. Nach dem offiziellen Teil wurde noch bis tief in die Nacht gefeiert. Christian Fuhrmann kündigte an, dass er sich vom Vorsitz des Ansbacher Ortszirkels des Cartellverbandes zurückziehen wolle. Nach drei Amtszeiten, so sagte er, sei es Zeit für einen Wechsel an der Spitze.

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