Der Halbleiterkonzern Infineon hat mit der neuen Smart Power Fab in Dresden die größte Einzelinvestition seiner Geschichte eröffnet. Das Werk kostete fünf Milliarden Euro, knapp eine Milliarde davon sind öffentliche Gelder. Das Werk entstand in nur drei Jahren Bauzeit und bringt 1.000 neue Jobs. Infineon will hier Leistungshalbleiter herstellen, die unter anderem für Elektroautos, erneuerbare Energien, Rechenzentren und Industrieanlagen gebraucht werden. Die Chips entstehen auf 300-Millimeter-Wafern. Infineon will seinen Ausstoß in Dresden damit verdoppeln.
Laut Jochen Hanebeck, Vorstandsvorsitzender der Infineon Technologies AG, wird das drei Monate vorfristig in Betrieb genommene Werk genau zur richtigen Zeit eröffnet. „Mit der Smart Power Fab schaffen wir dringend benötigte Kapazitäten für Schlüsseltechnologien der Zukunft - von der Energieversorgung in KI-Rechenzentren über software-definierte Fahrzeuge bis hin zu erneuerbaren Energien.“ Man setze einen wichtigen Impuls, um die globale KI-Revolution zu ermöglichen und Lieferketten in kritischen Industrien abzusichern.
Hanebeck bezeichnete die Investition als Impuls für Deutschland und Europa. „Sie zeigt, was möglich ist, wenn wir mutig sind und Wirtschaft, Politik und Gesellschaft an einem Strang ziehen.“ Infineon investiere jedes Jahr 30 bis 40 Prozent des Umsatzes in Fabriken sowie in Forschung und Entwicklung. Fast jeder zweiten Euro davon fließe in den Heimatstandort Deutschland. „Im vergangenen Jahr waren das rund drei Milliarden Euro.“
„Unternehmen brauchen Planungssicherheit, Flexibilität und Tempo, wenn sie sich um Förderprojekte bewerben. Das müssen wir im neuen European Chips Act und in den Important Projects of Common European Interest noch besser verankern. Mehr Tempo, weniger Bürokratie“, sagte Hanebeck. Man wolle Europa als Halbleiterhub weiter stärken.
Bundeskanzler Friedrich (CDU) hatte seine Teilnahme zur Eröffnung aus terminlichen Gründen abgesagt, ließ sich aber per Video zuschalten. Er sprach von einem „starken Signal für den Industriestandort Deutschland und Europa.“ Die Investition zeige, dass eine hochmoderne und wettbewerbsfähige Halbleiterfertigung hierzulande möglich ist.
In der Eröffnung des neuen Chipwerkes sieht Merz ein Aufbruchssignal für ganz Deutschland und bezog sich dabei auch auf die Entscheidungen des Koalitionsausschusses. „Ich kann also aus voller Überzeugung sagen, es geht wirklich voran.“ Der Wille sei da und groß, die notwendigen Strukturreformen jetzt anzugehen, „um unser Land, unsere Wirtschaft, unsere Industrie fit zu machen für die Zukunft“.
Die Eröffnung der Dresdner Smart Power Fab, der weltweit größten Fabrik für Leistungshalbleiter, sei beispielhaft für diese Zukunft, sagte Merz. „Sie haben gezeigt, wie es vorangehen kann in unserem Land. Das wird jetzt der Regelfall, das wird jetzt der Normalfall.“
Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) nannte die Investition einen „Meilenstein auf dem Weg zu einem digital souveränen Deutschland“. Sie zeige: „Deutschland kann Tempo, Deutschland kann Hightech und Deutschland kann Zukunft.“ Er äußerte sich auch kurz zum Koalitionsausschuss. Es seien wegweisende Beschlüsse zur weiteren Entbürokratisierung und Staatsmodernisierung gefasst worden. „Das ist ein ganz großer Wurf. Es ist schon viel auf dem Weg, aber das ist jetzt nochmal eine richtige Schippe drauf.“
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) forderte mehr Tempo im internationalen Wettbewerb. Europa habe das Ziel, 20 Prozent Weltmarktanteil an der Chipherstellung zu erlangen. Derzeit seien es deutlich unter zehn Prozent. „Weil andere stärker wachsen als wir. Wir müssen uns diesem Wettbewerb stellen. Wir müssen den Rücken gerade machen. Wir müssen gegen diesen Trend arbeiten.“
Die neue Fabrik ist ein Bau der Superlative. Das Werksgebäude ragt über 40 Meter in die Höhe und 22 Meter tief in den Boden. Der Reinraum hat auf zwei Etagen eine Fläche von etwa drei Fußballfeldern. Die fehlerfreie Herstellung der mikroskopisch kleinen Chip-Strukturen verlangt eine staubfreie Umgebung. Die Fab wird zu 100 Prozent mit Öko-Strom betrieben und nutzt Industriewasser anstelle von Trinkwasser. Aktuell hat Infineon in Dresden rund 4.000 Mitarbeiter.
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