In Ornbau verschimmelt ein junges Feuerwehrhaus | FLZ.de

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Veröffentlicht am 08.04.2024 19:56

In Ornbau verschimmelt ein junges Feuerwehrhaus

2012 ist das 870.000 Euro teure Feuerwehrhaus eingeweiht worden. Nun muss der hier zu sehene Sozialtrakt wegen Schäden abgerissen und neu gebaut sowie das Dach der Fahrzeughalle erneuert werden. Kostenpunkt: eine Million Euro. (Foto: Jonas Volland)
2012 ist das 870.000 Euro teure Feuerwehrhaus eingeweiht worden. Nun muss der hier zu sehene Sozialtrakt wegen Schäden abgerissen und neu gebaut sowie das Dach der Fahrzeughalle erneuert werden. Kostenpunkt: eine Million Euro. (Foto: Jonas Volland)
2012 ist das 870.000 Euro teure Feuerwehrhaus eingeweiht worden. Nun muss der hier zu sehene Sozialtrakt wegen Schäden abgerissen und neu gebaut sowie das Dach der Fahrzeughalle erneuert werden. Kostenpunkt: eine Million Euro. (Foto: Jonas Volland)

Saniert werden kann das erst 2012 eingeweihte Feuerwehrhaus in Ornbau nicht mehr. Zu groß ist der Schaden durch Wasser und Schimmel. Dabei hätte man ihn zu Beginn billiger beheben können. Doch das Verfahren dauert an. Nun wird der Sozialtrakt wohl abgerissen und neu gebaut, das Dach der Halle erneuert – für eine Million Euro bei leeren Stadtkassen.

Man hört es tropfen, vollgesogene Handtücher liegen am Boden, braun-schwarze Verfärbungen finden sich an Decke und Wänden. Seit 2020 ist der Sozialtrakt des Ornbauer Feuerwehrhauses aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr nutzbar – wegen Schimmelsporen.

Die haben sich inzwischen so weit ausgebreitet, dass die Träger des in Holzständerbauweise errichteten Hauses betroffen sind. Dem baubiologischen Gutachten zufolge bleibt nur der Abriss. „Wir können es ja nicht verfallen lassen“, sagt Bürgermeister Marco Meier. Für den Neubau, zusammen mit einem neuen Dach für die Fahrzeughalle, rechnet die Stadt mit einer Million Euro. Das Feuerwehrhaus hatte 870.000 Euro gekostet.

Dabei wurden die Kosten für eine Sanierung FLZ-Informationen zufolge im Jahr 2018 auf knapp 8000 Euro geschätzt, die ersten dunklen Stellen entdeckte man 2017. Doch ein erstes Gutachten vermutete auch Planungsfehler des Architekten als Ursache. Bürgermeister und Stadtrat beschlossen, dass er die Sanierung bezahlen soll, sonst würden sie den Gerichtsweg bestreiten.

Für die Beweissicherung durfte die Stadt seitdem keine Mängel beheben. „Es ist bedauerlich anzusehen, wie das Ganze weiter kaputt geht“, sagt Heinz Baum, Ex-Bürgermeister. Inzwischen gibt es allerdings viele verschiedene Gutachten, die alle unterschiedliche Schlüsse ziehen. „Keines trifft eindeutige Schuldzuweisungen“, sagt der seit 2020 amtierende Bürgermeister Marco Meier.

Eines spricht von Kondensat, das von unten aufgestiegen ist, erklärt ein Beteiligter am Verfahren, andere von einem Zwischenraum unterhalb des Blechdaches, der durch zu wenig Isolierung entstanden sein soll, ein anderes von mangelhaft umgesetzten Eigenleistungen der Kommune. 7850 Stunden ehrenamtliche Arbeit hatte die Feuerwehr geleistet.

Daher kritisiert Meier die damals getroffene Entscheidung für ein Gerichtsverfahren. Stattdessen hätte man sich Kosten vielleicht mit dem Architekten teilen können. Stattdessen stehe die Stadt nun vor einer riesigen Investition, weil das Gebäude im Verfahren verschimmelte.

Kritik für Beginn eines Verfahren

Und dieses wird noch andauern, die Beweissicherung steht erst kurz vor Abschluss, das Streitverfahren ist noch anhängig. „Es war eins von vielen Gerichtsverfahren, die ich übernommen habe.“ Ornbaus Kassen sind sowieso strapaziert. „Wenn wir das rein über Kredite finanzieren, würde die Pro-Kopf-Verschuldung um 600 Euro steigen“, sagt Meier.

„Das war eine Mehrheitsentscheidung“, sagt dagegen Heinz Baum, ein Versuch, die Kommune vor Schaden zu bewahren. Niemand hätte mit einem so langem Verfahren gerechnet. „Das ist auch unserem Rechtssystem geschuldet“, findet er. Während des Verfahrens sei auch ein Gutachter verstorben. „Mit dem Wissenstand von heute würde man vielleicht anders entscheiden, aber im Nachhinein sagt sich das leicht.“

Doch falls es kein Planungsfehler war, sondern der Fehler durch Fahrlässigkeit bei einer Eigenleistung entstand, könnte stattdessen eine Versicherung der Kommune zahlen, sagt der Ex-Bürgermeister.


Jonas Volland
Jonas Volland
Jahrgang 2001, fing direkt nach seinem Abitur bei der FLZ an, ist im Anschluss an sein Volontariat seit dem Jahreswechsel 2023 Redakteur in der Ansbacher Lokalredaktion. Fasziniert von bunten Geschichten und aufwendigeren Recherchen.
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