Europa und Völkerverständigung: Das sind für Dieter Mäckl nie einfach nur Worte gewesen. Der 74-Jährige macht sich Jahrzehnte lang dafür stark, tut es immer noch. Als Würdigung seines unermüdlichen Engagements wird er am Samstag in Adelsdorf (Gemeinde Neuhof) mit der Europamedaille ausgezeichnet.
Darüber freut sich der in Laubendorf (Stadt Langenzenn) lebende frühere Lehrer. Die Liebe zur Geschichte spiegelte sich nicht nur in seiner Fächerwahl Deutsch, Geschichten Geografie und Ethik wider, die er bis zur Pensionierung am Neustädter Friedrich-Alexander-Gymnasium (FAG) unterrichtete. 34 Jahre lang war er im Neustädter Geschichts- und Heimatverein aktiv, 24 Jahre davon als Vorsitzender, zehn Jahre als Stellvertreter. Danach beendete er sein dortiges Engagement und widmete sich seiner Aufgabe als Kreisheimatpfleger, die er seit etwa einem Jahrzehnt ausübt.
„Im Oktober will ich aufhören.“ Ein Nachfolger wird deshalb dringend gesucht. Das Aufgabenfeld ist spannend und abwechslungsreich, betont Mäckl. Denkmal- und Bodendenkmalpflege, Brauchtum, Tracht, Obst- und Gartenbau gehören dazu.
Nicht nur das Rückgewandte zu sehen, sondern zu überlegen, was man weitertragen kann, ist ebenfalls Teil des Aufgabenspektrums eines Kreisheimatpflegers. So fertigt er etwa Stellungnahmen zu historischen Bauten und zeigte Fördermöglichkeiten für die Eigentümer auf, wenn sie ihre Immobilie sanieren wollten – immer die Geschichte fest im Blick.
Als Archivar berät er seit zwölf Jahren Kommunen, was ihr Gemeindearchiv betrifft. „Dies ist für viele Bürgermeister ein ungeliebtes Kind. Sie haben kein Interesse daran“, bedauert Mäckl. Es gibt aber auch das Gegenteil. „In Neustadt, Baudenbach, Markt Bibart, Ipsheim und Emskirchen läuft es gut.“ So ganz „ohne“ ist die Aufgabe eines Archivars nicht. So ist es etwa wichtig, die alte deutsche Schrift lesen zu können. Mäckl erzählt im Gespräch mit unserer Zeitung von Ortschaften, in denen Bürgermeister nach der Gebietsreform ihr Archiv kurzerhand entsorgten. „Alles landete auf der Deponie.“ Man merkt dem Vater zweier Kinder und dreifachen Großvater an, dass ihm das in der Seele weh tut. „Was wichtig ist, ist in etlichen Kommunen weg und zwar unwiederbringlich. So geht auch ein Stück der Identität verloren.“ Alles sei schließlich in ein Vorher und ein Nachher eingebunden, resümiert Mäckl. Allein die Namen von Straßen und Plätzen spiegelten die Geschichte wider.
Der gebürtige Nürnberger, der schon lange in Laubendorf lebt, charakterisiert sich selbst als überzeugten Franken und überzeugten Europäer. Franken und Europa könnten mit unglaublichem Kulturreichtum punkten. Für ihn war es immer wichtig, dies weiterzugeben, sei es an seine Schülerinnen und Schüler im Rahmen von Klassenfahrten, oder an Interessierte, die an seinen zahlreichen Reisen und Exkursionen teilnahmen. Lehrer war er immer gern.
Dem 74-Jährigen ist daran gelegen, Verantwortung für die fränkische Geschichte zu übernehmen. „Die endet nicht.“ So sieht es auch mit Europa aus. Mitglied in der Europa-Union ist ist er auch schon etliche Jahre.
Sein großes Engagement wurde bereits vielfach gewürdigt, sei es mit der Medaille für vorbildliche Heimatpflege, der Kulturmedaille der Stadt Fürth, der Ehrenmedaille des Landkreises oder dem Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten. . „Für mich sind die Auszeichnungen wichtig, da die Arbeit so gewürdigt wird.“
Sein Wissen und seine Liebe zur Heimat und Europa an die Jugend weiterzugeben – das stand für Mäckl stets im Fokus, wollte er doch andere begeistern. Zuweilen sei dies auch gelungen – so bei einigen Landkreisbürgermeisterinnen und -meistern, die er unterrichtet hatte. Mit seinen Schülerinnen und Schülern, oft war es die zwölfte Jahrgangsstufe, fuhr er oft nach Rumänien. „Das kam gut an.“ Einige Kolleginnen und Kollegen konnte er ebenfalls für dieses Land begeistern. Für manche junge Leute war es eine Reise in die Heimat ihrer Vorfahren und sehr interessant. Oft hatte man Hilfsgüter, die am FAG von der Schulfamilie gesammelt wurden, im Gepäck.
Die Sachen wurden in Rumänien oft dringend benötigt. Mäckl kann sich noch gut daran erinnern, dass man für einen Schreiner eine Bohrmaschine mitgebracht hatte, mit deren Hilfe er für die Kindergartenkinder Bettchen baute. In Rumänien erlebten die jungen Leute die Komplexität Europas, die auch für uns wichtig ist, resümiert der ehemalige Lehrer. Es leben dort viele Bevölkerungsgruppen, neben Rumänisch werde noch Deutsch und Ungarisch gesprochen.
Natürlich fehlte auch ein Besuch in der Gruft Draculas nicht sowie ein Abstecher ins Schloss von Elisabeth Báthory, der sogenannten Blutgräfin, die Hunderte von Morden verübt haben soll. In diesem Zusammenhang klingt es fast ein bisschen morbid, wenn Mäckl sagt: „Europa selbst hat eine Riesenkultur.“ Dies rüberzubringen, ist ihm ein Anliegen. Generationen hätten schließlich viel dafür geleistet.
Nun will Dieter Mäckl es ruhiger angehen lassen, Aufgaben an andere übergeben. Eines wird aber bleiben, seine Liebe zur Heimat, zu Franken und zu Europa.
Aktuell freut er sich auf die Europa-Medaille, die ihm Marlene Mortler, CSU-Abgeordnete im Europäischen Parlament, am Samstag in Adelsdorf überreichen wird. „Das ist eine schöne Sache. So merkt man, dass man auch gesehen wird“, sagt Dieter Mäckl.