Am Wochenende ist Dr. Herbert May, Leiter des Fränkischen Freilandmuseums, verabschiedet worden. Zum Schluss gab es noch ein ganz besonderes Abschiedsgeschenk, das May offensichtlich sehr berührte und kurz sprachlos machte.
Rund 250 Gäste waren in der Abbundhalle des Museums. Wegbegleitende, Freundinnen und Freunde, Kolleginnnen und Kollegen von Herbert May. Alleine dass Innenminister Joachim Herrmann und auch Ludwig Spaenle als „Beauftragter für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, für Erinnerungsarbeit und geschichtliches Erbe“ der Staatsregierung nach Bad Windsheim gekommen waren, zeigte Mays herausragenden Stellenwert an.
Kein Wunder also, dass er mit Lob für seine bisherige Arbeit überhäuft wurde. Bezirkstagspräsident Peter Daniel Forster fasste es zusammen: „Der Bezirk Mittelfranken als Träger des Freilandmuseums ist Ihnen zu allergrößtem Dank verpflichtet, Sie hinterlassen ein bestens bestelltes Feld.“ May durfte sich über „die Gold-Card des Bezirks“ freuen, sprich lebenslanger freier Eintritt ins Freilandmuseum.
Stellvertretender Museumsleiter Dr. Markus Rodenberg und Verwaltungsleiter Reinhold Werner führten durch das rund dreistündige Programm. Sie hatten sich ein Schlagwort für jeden Redebeitrag zurechtgelegt. Unter „Unaufgeregter Motor“ würdigte Joachim Herrmann Herbert May, ohne dessen „Engagement und Einsatz, die herausragenden akademischen Eigenschaften das Museum in seiner heutigen Form nicht existieren“ würde.
„Wir sind in Bayern insgesamt sehr stolz darauf, ein solches Museum zu haben. Heute geht wahrlich eine Ära zu Ende. Seit mehr als 14 Jahren setzen Sie sich mit Nachdruck für Kultur, Heimat und Brauchtum in unserer mittelfränkischen Heimat ein. Lange Jahre haben Sie hier im Fränkischen Freilandmuseum einen wertvollen kulturellen Schatz gehütet”, sagte Herrmann.
„Geschichtenerforscher“ sei May, betonte Neustadts Landrat Dr. Christian von Dobschütz. Er habe Großartiges geschaffen und erreicht, das Museum habe eine „Strahlkraft weit über die Region hinaus“. Mit Bürgermeister Jürgen Heckel trat ein Redner ans Pult, der May nicht nur als verlässlichen Partner für die Stadt Bad Windsheim lobte, sondern die Werbekraft des Museums unter May „für Mittelfrankens einziges Heilbad“ hervorhob.
Unter dem Schlagwort „Unterstützerfinder“ verabschiedete Bezirksrat Walter Schnell den Leiter, der „überall größte Wertschätzung und Anerkennung erfährt“, den als gebürtigen Trierer fränkische Bescheidenheit auszeichne. Mit Ulrich Herz verabschiedete sich ein Freund Mays, mit dem Herz über Jahre hinweg als Vorsitzender des Fördervereins Fränkisches Freilandmuseums so zusammengearbeitet hatte, „dass kein Blatt Papier zwischen uns passte“.
Dass May auch überregional bestens vernetzt war, weiß in Bad Windsheim kaum jemand. Museumsleiter Jens Scheller vom Freilichtmuseum Hessenpark in Neu-Anspach überbrachte Grüße der Kolleginnen und Kollegen aus anderen deutschen Freilichtmuseen und des Verbandes Europäischer Freilichtmuseen. Er überreichte etwas, dass May trotz intensiver Bemühungen nicht geschafft hatte: Eine Tankstelle aus den 1950erJahren ins Freilandmuseum zu translozieren.
So durfte May zumindest den Bausatz einer historischen Tankstelle in klein entgegennehmen. Mit Ariane Weidlich überbrachte die Arbeitsgemeinschaft Süddeutscher Freilichtmuseen Grußworte. Zur allgemeinen Erheiterung unternahmen Christian Laubert und ein Teil des Teams des Freilandtheaters auf der Bühne einen Spaziergang durch das Museum, in dem immer wieder May auf seinem Fahrrad entdeckt wurde. Sein Radeln durch den Ausgang läutete den Schlussakt ein, „die Überraschung zum Abschied“.
Dr. Thomas Eißing, Georg Waldemer und Dr. Markus Rodenberg übergaben eine Festschrift. „Badstube, Betsaal, Bauernhaus – eine Festschrift für Herbert May“ titelt das Buch mit über 500 Seiten, das künftig in der Schriftenreihe des Museums unter der Nummer 100 geführt wird. Ein Geschenk, das der sichtlich gerührte May einem alten Koffer aus der Sammlung des Freilandmuseums entnehmen durfte. Rund 25 Personen, die allesamt Beiträge mit verfasst hatten, versammelten sich dazu auf der Bühne, ehe unter „Selbstzuwortkommender“ May kurz die letzten Worte als Leiter an seine Gäste richtete.
Typisch May, die Aussage: „Wir wollen ja noch etwas anderes tun als Reden hören.“ Seine Schlussworte galten „dem besten Team, ohne das ich im Museum gar nichts erreicht hätte“. Auch den Rückhalt der Politik „hatten wir immer“. Er sei „völlig gerührt und angefasst“ von der Abschiedsveranstaltung, die musikalisch von Ohrerhüller begleitet wurde. Aus dem „allerallerschönsten Amt auf dieser Welt“ scheidend „sage ich Ade, es war mir eine Freude, und jetzt feiern wir.“