Die Grundstücksgeschäfte der Stadt stehen derzeit unter besonderer Beobachtung. Kritiker haben Thomas Deffner den Titel „Bau-OB“ verpasst. Das Stadtoberhaupt verteidigt die Erschließung weiterer Baugebiete als visionär. Dabei geben sich potenzielle Häuslebauer sehr zurückhaltend, wie das Beispiel Dora-Hitz-Straße zeigt. Der Quadratmeter kostet dort 300 bis 320 Euro.
Das Areal in Hennenbach liegt da wie im Dornröschenschlaf. Alles ist fertig, bereits seit Herbst 2022: Die nach einer Malerin benannte verkehrsberuhigte Ringstraße ist asphaltiert, sämtliche Anschlüsse für Strom, Wasser und Kanal liegen im Untergrund, nachts brennen dort auch die Straßenlaternen. Nur Richtfest hat in dem Neubaugebiet noch niemand gefeiert – kein einziges Haus ist dort zu finden.
Dabei war die Vermarktung der Grundstücke bereits im Sommer vergangenen Jahres angelaufen. 20 Bauplätze mit Größen von 640 bis rund 1200 Quadratmetern werden in dem Areal von der Stadt angeboten. Verkauft ist aber noch kein einziges der Grundstücke, wie die Stadt nun auf Anfrage der FLZ bestätigte. „Derzeit sind für fünf Bauplätze Notartermine avisiert“, legte Anne Ziegler vom Geschäftsbereich Oberbürgermeister den aktuellen Stand dar.
Ein Zeichen mangelnden Interesses soll das aber nicht sein. Zwar haben von den anfänglich und von der Stadt bestätigten 770 Interessenten lediglich 48 einen von der Verwaltung zur Auflage gemachten Bewerbungsbogen eingereicht, dennoch „gibt es derzeit für alle Bauplätze Kaufinteressenten“, versichert Ziegler. Ausgenommen davon sind die Grundstücke, die zur Veräußerung an Hausärzte vorgesehen sind.
Sagt ein Bewerber tatsächlich zu, wird ihm laut Auskunft der Stadt eine Bedenkzeit von sechs bis acht Wochen eingeräumt. Ist bis dahin nichts geschehen, werden die nächsten Kandidaten auf der Liste angefragt. „Das Liegenschaftsamt nimmt weiterhin Bewerbungen entgegen“, konstatiert Ziegler.
Hängt die überschaubare Nachfrage womöglich an den Kosten, die die Stadt aufruft? 300 bis 320 Euro kostet der Quadratmeter in der Dora-Hitz-Straße. Zuzüglich Erschließungs- und Herstellungsbeiträge. „Eine Preisreduzierung kommt nicht in Frage“, stellt Ziegler fest und begründet das mit einem Verweis auf die Gemeindeordnung.
Demnach sind Kommunen rechtlich enge Grenzen bei der Preisgestaltung gesetzt. „Zum einen müssen die Preise zunächst die Kosten decken. Zum anderen haben sich Preise im verkehrsüblichen Rahmen zu bewegen.“ Ein Verkauf unter dem errechneten Wert wäre folglich ein Verstoß gegen die Gemeindeordnung und damit nicht zulässig.
Gleichwohl dürfte die Brache in Hennenbach die Kritik an Deffners Bau-Politik, die er als „zukunftsorientierte Stadtentwicklung“ beschreibt, nicht verstummen lassen. Zumal die Kommune trotz akuter Finanzprobleme am Grundstückskauf im Wert von rund fünf Millionen Euro für das nächste Baugebiet („Am Tiergartenwald“) festhält.
Daraus resultierende Folgekosten wie die verkehrstechnische Anbindung, zusätzliche Plätze in Kindergarten, Hort und Schule würden dabei „nicht beachtet“, werden die Grünen nicht müde zu betonen.
Ohnehin konterkariert die momentane wirtschaftliche Lage mit sich auf einem hohen Niveau einpendelnden Baukosten und der weiterhin steigenden Zinsentwicklung die Bemühungen der Stadt. Eine Verkleinerung der Grundstücke in Hennenbach steht aber nicht zur Diskussion. „Es herrscht auch weiterhin eine Nachfrage nach Wohneigentum“, versichert die Stadt und stellt fest: „Die Umsetzung weiterer Baugebiete kann daher nicht alleine auf die aktuelle Wirtschaftslage abstellen, sondern muss auch darüber hinaus gedacht werden.“