Die Menschen und die Gebäude der historischen Altstadt schützen, ist das Ziel: Deshalb läuft mit den Hochwasserschutzmaßnahmen an der Rezat in Ansbach seit Ende 2025 das wahrscheinlich größte Infrastrukturprojekt der jüngeren Vergangenheit. Mit dem Fortschritt sind die Verantwortlichen zufrieden. Es gibt aber auch noch einiges zu tun.
Circa 1015 Meter Schutzwände und vier Schöpfwerke: Das sind die Kernelemente der Hochwasserschutzmaßnahmen entlang der Rezat, die von der Voggenmühle über den Kasernendamm und Rezatparkplatz bis zur Residenz reichen. Sie sollen dafür sorgen, dass die Ansbacher Innenstadt in Zukunft vor einem hundertjährlichen Hochwasser (HQ100) geschützt ist. Mit eingerechnet ist auch ein Aufschlag von 15 Prozent, um den Auswirkungen des Klimawandels Rechnung zu tragen.
Seit Oktober laufen die Arbeiten im ersten Abschnitt zwischen Voggenmühle und Kasernendamm. Gemäß den Ausführungen von Dr. Markus Reisenbüchler, Leiter der Abteilung Planung und Bau beim Wasserwirtschaftsamt Ansbach (WWA), wurde bisher viel Zeit für das größte der vier Schöpfwerke aufgewendet. So wurden zum Beispiel bisher die Baugrube ausgehoben und die Wände aufgestellt. Derzeit sind die Arbeiter mit der Bodenplatte beschäftigt.
Auch der Bypass ist schon gebaut. Dieser war notwendig, weil auf der Fläche an der Kreuzung von Kasernendamm und Würzburger Straße auch die Kanalentwässerung der Altstadt verläuft. Über den Bypass wird das Mischwasser um das Baugrundstück herumgeleitet.
Die technische Ausstattung wie die Pumpen wird erst zu einem späteren Zeitpunkt in das unterirdische Bauwerk eingebaut. Die Schöpfwerke dienen künftig dazu, Niederschlagswasser und das aus der Kanalisation ankommende Mischwasser über Pumpen kontrolliert in die Rezat abzuleiten. Ist all dies erledigt, geht es im April oder Mai mit der Hochwasserschutzwand weiter. Ein rund 220 Meter langer Teil davon wird zwischen Voggenmühle und Rezatparkplatz gebaut.
„Wir haben einen guten Fortschritt”, fasst Reisenbüchler den bisherigen Stand der Arbeiten zusammen. Geht es so weiter, kann das selbstgesteckte Ziel, mit dem ersten Abschnitt bis zum Ende dieses Jahres fertig zu werden, erreicht werden. Daran ändert auch die geringe Verzögerung durch das dieses Mal tatsächlich aufgetretene Winterwetter nichts. Arbeiten im Untergrund und Winter seien „immer so eine Sache”, sagt der Abteilungsleiter.
Während der erste Abschnitt also weiter voranschreitet, wird im Hintergrund bereits der zweite Bauabschnitt vorbereitet. Dieser führt vom Kasernendamm über den Rezatparkplatz bis zur Residenz. Den Baubeginn taxiert Reisenbüchler etwa auf den Spätsommer. Aus diesem Grund wird nach seinen Worten im Moment die Ausschreibung vorbereitet, die im Mai oder Juni erfolgen soll.
Dass zeitweise zwei Abschnitte parallel laufen, hat einen einfachen Grund. Das zuletzt auf rund 13 Millionen Euro geschätzte Großprojekt wird mit Fördermitteln der Europäischen Union gefördert. Damit die Gelder fließen, muss das Vorhaben bis Ende 2028 abgeschlossen sein.
Aufgrund der bisherigen Erfahrungen auf der Baustelle zeigt sich Dr. Markus Reisenbüchler optimistisch, dass man diesen Termin einhalten wird. Die Baufirma leiste eine gute Arbeit, die Absprachen mit der Stadt Ansbach klappen. „Das funktioniert alles.”