Handfester Zoff beim Kinder-Fußballspiel landet vor Gericht | FLZ.de

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Veröffentlicht am 06.10.2023 13:07

Handfester Zoff beim Kinder-Fußballspiel landet vor Gericht

Nach einem Jugend-Fußballspiel ist es im Landkreis Ansbach zu Handgreiflichkeiten gekommen - die nun am Amtsgericht verhandelt wurden. (Symbolbild: Friso Gentsch/dpa)
Nach einem Jugend-Fußballspiel ist es im Landkreis Ansbach zu Handgreiflichkeiten gekommen - die nun am Amtsgericht verhandelt wurden. (Symbolbild: Friso Gentsch/dpa)
Nach einem Jugend-Fußballspiel ist es im Landkreis Ansbach zu Handgreiflichkeiten gekommen - die nun am Amtsgericht verhandelt wurden. (Symbolbild: Friso Gentsch/dpa)

Fußball ist bekanntlich für viele die schönste Nebensache der Welt. Inklusive Bewegung, Kräftemessen an der frischen Luft und – natürlich – großer Gefühle. Bei einem Spiel zweier D-Jugend-Teams im Landkreis Ansbach sind die Emotionen allerdings in einen handfesten Streit gemündet: Ein Trainer geriet mit zwei Zuschauern aneinander.

Es kam zum Nachspiel vor dem Amtsgericht Ansbach. Laut Anklage klang das erst sehr deutlich. Dem Trainer der Gästemannschaft war die Rolle des Opfers zugedacht, zwei Zuschauer sollten ihn angegangen und ihn einer davon verletzt haben. Dieser Zuschauer muss sich wegen Körperverletzung verantworten. Doch ganz so simpel war es dann doch nicht, wie die eingehende Befragung von Amtsrichter Armin Abendschein ergab.

Der Trainer verweist auf Erinnerungslücken

„Ein ganz normales Spiel“ hatte der 42-jährige Angeklagte vor eineinhalb Jahren auf dem Sportplatz verfolgt. Bis zu einer Entscheidung des Schiedsrichters, die der Gäste-Trainer auch noch Minuten später nicht nachvollziehen konnte. An sich eine Lappalie, doch „er hat sich aufgeregt, reingesteigert und ist dann aggressiv auf einen Zuschauer zugelaufen“, schilderte der Angeklagte seine Sicht der Dinge. „Ich bin dazwischen gegangen, bevor es zu einem Eklat kommt.“

Der Trainer hingegen hatte als Zeuge Erinnerungslücken. Er wollte sich nur an „zwei, drei Schubser“ in Richtung des Zuschauers erinnern. „Etwas fester vielleicht, dann ist er hingefallen.“ Gut erinnerte er sich jedoch an das Einschreiten des Angeklagten. Der habe ihm ein Bein gestellt, „und ich bin umgefallen wie eine Bahnschranke. Im Kniestand ist er auf mir gesessen und hat meine Arme am Boden fixiert. Ich war wehrlos“.

Dabei fiel die Brille des Trainers zu Boden, und er erlitt einen Cut. Der dramatisch geschilderten Vermutung, das Beinstellen habe der Angeklagte als Hebeltechnik „eingeübt, bei der Polizei oder als Sicherheitsdienst“, maß der Richter keine Bedeutung bei. Auch die vom Trainer erwähnten gesundheitlichen Probleme als Folge hatten mit dem angeklagten Vorfall nichts zu tun.

Erst eine Schlichtung, dann eine Anzeige

Ein von der Polizei initiiertes Schlichtungsgespräch war eigentlich erfolgreich gewesen. Man gab sich die Hand, schien den Vorfall vergessen zu wollen, ehe der Trainer im Nachgang doch Anzeige erstattete. „Der Versuch des Schlichtens war deutlich überzogen“, begründete er seine Rolle rückwärts.

„Sehen Sie es mir nach, aber es ist ja nicht ein Finale der Champions League zwischen Paris und Bayern. Das Maß der Emotion wundert mich doch sehr“, befand der Richter. Der Trainer konnte „nicht ausschließen“, dass seinerseits Beleidigungen gefallen waren, und räumte ein, dass er versucht hatte, den Angeklagten anzuspucken.

Obendrein bestätigte der vom Trainer angegangene Zuschauer die Darstellung des Angeklagten, wonach er vom aufgebrachten Trainer „am Hals gepackt und zu Boden gestoßen“ worden sei. Der Mann, selbst als Trainer viele Jahre im Amateurfußball aktiv, war „perplex und schockiert. Ich habe es mir nie vorstellen können, dass so etwas bei einem Jugendspiel passiert“.

Ansbacher Richter stellte das Verfahren ein

Verteidiger Matthias Bolay fragte den Trainer, ob es nicht zu seiner Vorbildfunktion gehöre, vermeintliche Fehlentscheidungen hinzunehmen. „Selbstverständlich“, lautete die kurze Antwort. „Das war ein Akt der Zivilcourage“, befand Bolay in Richtung seines Mandanten, „manche werden belobigt, andere bekommen einen Strafbefehl“.

Gericht und Staatsanwaltschaft waren sich nach 90 Minuten einig. Der Schlusspfiff war dem Richter vorbehalten: Er stellte das Verfahren ein, und der Fußball kann die schönste Nebensache der Welt bleiben.


Florian Pöhlmann
Florian Pöhlmann
Nach der journalistischen Grundausbildung beim Fernsehen rief 1999 die große weite Welt des Sports, die ich in Nürnberg in nahezu allen Facetten kennenlernen und in verantwortlicher Position gestalten durfte. Erst der verlockende Ruf aus Ansbach und die Aussicht, im fortgeschrittenen Alter Neues zu wagen, sorgten ab 2021 für einen Neustart in der Lokalredaktion.
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