„Haltung ist hot“: Hunderttausende beim CSD in Berlin | FLZ.de

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Veröffentlicht am 25.07.2026 04:03, aktualisiert am 25.07.2026 16:36

„Haltung ist hot“: Hunderttausende beim CSD in Berlin

„Pride“: Queere Menschen und ihre Unterstützer feiern in Berlin. (Foto: Fabian Sommer/dpa)
„Pride“: Queere Menschen und ihre Unterstützer feiern in Berlin. (Foto: Fabian Sommer/dpa)
„Pride“: Queere Menschen und ihre Unterstützer feiern in Berlin. (Foto: Fabian Sommer/dpa)

Beim Christopher Street Day in Berlin haben sich Tausende Menschen für eine tolerante Gesellschaft eingesetzt. Mit Regenbogenfahnen, bunten Kostümen und viel Glitzer zogen sie durch die Hauptstadt. Insgesamt seien mehrere Hunderttausend Menschen gekommen, sagte ein Polizeisprecher. Es gebe keine besonderen Vorkommnisse oder Störungen.

Mit ihrer Demonstration setzten die Veranstalter ein Zeichen für Demokratie und Vielfalt. „Queere Menschen stehen weltweit unter mehr Druck“, sagte Thomas Hoffmann, Vorstandsmitglied des Berliner CSD. Bestehende Rechte würden teils wieder rückabgewickelt und auch die Hasskriminalität steige an.

Mit ihrem zweitägigen CSD wollten sie ein ganz klares Zeichen dagegensetzen und sagen: „Wir werden nicht kleiner, sondern größer. Wir werden nicht leiser, sondern lauter“, so Hoffmann. „Und zwar so lange, bis alle Menschen in Deutschland frei, sicher und selbstbestimmt leben können.“

Rapperin Ikkimel: „Es ist mir eine Ehre“

Die Demonstration wurde zur großen Party. Einige Menschen waren mit Glitzerkostümen und Fetischkleidung wie Hundemasken unterwegs, es lief Musik von Queen („Don‘t stop me now“) bis zu Elektrobeats. Die Polizei wies die Feiernden angesichts des warmen Wetters darauf hin, ausreichend Wasser zu trinken.

Zum Auftakt des Wochenendes war Rapperin Ikkimel („Fußballmänner“) am Brandenburger Tor aufgetreten. „Schön, dass ich heute hier spielen darf, Leute, es ist mir eine Ehre“, sagte sie am Freitagabend. Die 29-Jährige hatte neulich mit einem Auftritt im ZDF-„Morgenmagazin“ Schlagzeilen gemacht.

In vielen Ländern würden homosexuelle Menschen und die queere Community nicht akzeptiert, sagte Ikkimel. Es werde immer gesagt, in Deutschland sei das eine Selbstverständlichkeit. Leider merke sie aber immer wieder in Berlin, dass dem leider nicht so sei. Deswegen sei sie stolz, dort spielen zu dürfen. Am Samstagabend soll unter anderem Sarah Connor auftreten.

Mit dem Christopher Street Day (CSD) wird in vielen Städten an Ereignisse im Jahr 1969 in New York erinnert: Polizisten hatten damals die Bar „Stonewall Inn“ in der Christopher Street gestürmt und einen mehrtägigen Aufstand von Schwulen, Lesben und Transsexuellen ausgelöst.

Der Berliner CSD ist eine der größten Veranstaltungen der lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans-, intergeschlechtlichen und queeren Community in Europa. Die Demonstration mit rund 80 Trucks sollte bis zur Siegessäule führen und mit einer Abschlusskundgebung am Brandenburger Tor enden.

Polizei hat Rechtsextreme im Blick

Das Motto lautet diesmal „Haltung ist hot“. Die Organisatoren fordern zum Beispiel, Hasskriminalität wirksam zu bekämpfen und queere Räume zu sichern. Hoffmann äußerte sich auch besorgt über die Umfragewerte der AfD in Sachsen-Anhalt, wo Anfang September ein neuer Landtag gewählt wird. „Die Positionen dieser Partei sind eindeutig und die queere Community hat Angst.“

Die Berliner Polizei hatte mögliche Störer aus dem rechtsextremen Spektrum im Blick. An einer Gegendemonstration hätten etwa 15 Menschen teilgenommen, sagte Polizeisprecher Florian Nath. Eine Person sei wegen Beleidigung festgenommen worden. Zuvor hatte die Polizei die Gruppe bereits am Potsdamer Platz kontrolliert. Dort sei eine Frau festgenommen worden, weil sie einen Elektroschocker dabeigehabt habe.

„Süßmäuse gehen wählen“

Im Sommer feiern queere Menschen und ihre Verbündeten an vielen Orten unter dem Schlagwort „Pride“. Die Berliner Veranstalter des CSD machten auch auf die anstehende Wahl zum Abgeordnetenhaus aufmerksam. Auch hier wird im September gewählt. Einer der CSD-Slogans lautet „Süßmäuse gehen wählen“.

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) wird dann nicht mehr antreten. Er war kürzlich als Spitzenkandidat seiner Partei zurückgetreten, weil er nach dem großen Stromausfall im Januar wegen eines Tennisspiels und seiner Angaben zum Krisenmanagement in die Kritik geraten war.

Beim CSD war Wegner noch einmal dabei, erstmals hatte der Senat auch einen eigenen Wagen. „Gerade in diesen Zeiten, wo es auch um Hass und Hetze, Ausgrenzung, Spaltung der Gesellschaft geht, setzt der CSD immer ein klares Signal“, sagte Wegner. Deswegen sei der CSD wichtig für Berlin.

© dpa-infocom, dpa:260725-930-435505/3


Von dpa
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