Großer Andrang bei der Präsentation der Bürgermeister-Kandidaten in Ippesheim | FLZ.de

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Großer Andrang bei der Präsentation der Bürgermeister-Kandidaten in Ippesheim

Volles Haus bei der Diskussion der drei Ippesheimer Bürgermeisterkandidaten in Bullenheim.  (Foto: Mirko Fryska)
Volles Haus bei der Diskussion der drei Ippesheimer Bürgermeisterkandidaten in Bullenheim. (Foto: Mirko Fryska)
Volles Haus bei der Diskussion der drei Ippesheimer Bürgermeisterkandidaten in Bullenheim. (Foto: Mirko Fryska)

Da soll noch einer sagen, niemand interessiere sich für Kommunalpolitik: 84 Menschen füllten am Donnerstagabend die Weinstube Dürr in Bullenheim bis in den letzten Winkel. Bei der ersten von drei öffentlichen Veranstaltungen präsentierten sich die Ippesheimer Bürgermeister-Kandidaten Karl Schmidt, Rainer Bullmer und Konrad Schmitt.

Bemerkenswert war nicht nur der große Andrang. Für so ein kleines Dorf ist auch die gemeinsame Präsentation aller Kandidaten alles andere als selbstverständlich. Altbürgermeisterin Dr. Doris Klose-Violette moderierte die Auftaktveranstaltung. Ein, zwei Fragen, die etwas spitz formuliert gewesen seien, habe sie im Vorfeld entschärft, sagte sie einleitend. Auch während der Versammlung achtete sie streng darauf, dass die Diskussion sachlich blieb.

Bei den Kandidaten selbst musste sie nicht eingreifen. Persönliche Angriffe blieben aus, inhaltlich stimmten die Bewerber ihren Vorrednern mehrfach ausdrücklich zu. So verteidigte beispielsweise Bullmer die Entscheidung des Ippesheimer Rates zur Stilllegung der Bauschuttdeponie.

Viele Fragen, besonders aus Bullenheim, drehten sich um künftige Projekte. Große Versprechungen machte jedoch keiner. Amtsinhaber Karl Schmidt sagte: „Ich wäre dankbar, wenn wir genauso viel erreichen würden wie in den letzten sieben Jahren und finanziell genauso gut dastünden. Aber ich glaube es nicht.“

Individuelle Akzente der Herausforderer

Je nach persönlicher Prägung setzten Schmitt und Bullmer eigene Akzente. Der Rettungssanitäter Bullmer sprach über die Krisenresilienz der Infrastruktur und schlug vor, das Bahnhofsgelände in Herrnberchtheim zumindest als Stellplatz für Anhänger oder Wohnmobile zu nutzen. Der Leiter des Jugendtreffs und der offenen Ganztagsschule, Schmitt, brachte ein gemeinsames Ferienprogramm mit Uffenheim sowie eine zusätzliche Stelle im Kindergarten ins Spiel.

Unterschiede vor allem in der Kommunikation

Die deutlichsten Unterschiede zu Amtsinhaber Schmidt sehen die Herausforderer in der Kommunikation. Schmidt selbst räumte ein, dass er hier in einer neuen Amtsperiode anders vorgehen würde: „Ich würde den neuen Gemeinderat besser informieren und am Anfang dafür sorgen, dass alle die Liegenschaften der Gemeinde und die Vorgeschichte laufender Projekte kennen.“

Mehrfach wiederholte er:: „Die Gemeinde seid ihr alle. Wenn ihr etwas anders haben wollt, kommt auf mich und den Gemeinderat zu.“ Bullmer betonte, er wolle das Kirchturmdenken überwinden: „Es gibt nur eine Gemeinde. Wir müssen die Maßnahmen priorisieren und angehen, was am nötigsten ist.“ Schmitt hob die Bedeutung offener, auch kontroverser Diskussionen im Gemeinderat hervor.

Fragen zu Grundstück und Infrastruktur

Insgesamt 41 Fragen waren im Vorfeld eingegangen – bis auf eine anonym. Dadurch kamen auch Themen zur Sprache, die direkt vermutlich nicht angesprochen worden wären. So wurde etwa der Verkauf eines rund 400 Quadratmeter großen Grundstücks neben dem Dorfgemeinschaftshaus von der Gemeinde an Bullmer thematisiert.

Was damit von der Fragestellerin oder dem Fragesteller konkret gemeint war, blieb unklar. Schmidt erklärte im Beisein zahlreicher Gemeinderätinnen und -räte, das Grundstück sei nach Abschluss der Planungen übrig gewesen und nach einstimmigem Beschluss verkauft worden. Grundstücksverkäufe würden aber grundsätzlich nicht öffentlich behandelt.

Wasserrohrbrüche und Heizungsausfall

Zur Sprache kamen zudem die zahlreichen Wasserrohrbrüche in Herrnberchtheim, die Bullmer selbst ansprach. In Bullenheim hatte es bei einer Versammlung des Weinbauvereins im Rathaus weder fließendes Wasser noch eine funktionierende Heizung gegeben. Das Wasser sei im Winter grundsätzlich abgestellt und hätte vom Verein aufgedreht werden können, erklärte dazu Schmidt.

Die Heizung habe tatsächlich – und nur an diesem einzigen Ausnahmetag – nicht funktioniert. Für Unmut sorgt außerdem offenbar das undichte Dach des Feuerwehrhauses in Bullenheim. Dessen Reparatur sei kein Problem, versicherten alle drei Kandidaten.

Dorfgemeinschaftshaus bleibt offen

Zur Umsetzbarkeit eines Dorfgemeinschaftshauses in Bullenheim wollte sich hingegen keiner der drei festlegen. Etwas spitz, um es mit den Worten der Altbürgermeisterin zu sagen, wurde gefragt, ob das Thema kurz vor der Wahl noch in den Rat eingebracht worden sei, um Stimmen aus dem Ortsteil zu gewinnen. Die Veranstaltung selbst zeigte jedenfalls, dass ein größerer Raum für öffentliche Treffen in Bullenheim fehlt.

Der überwiegende Teil der Fragen blieb sachlich. Als größter Aufreger erwies sich der Winterdienst – ein Thema, mit dem Ippesheim angesichts der ungewohnten Schneemassen in diesem Winter nicht allein dasteht.

Dr. Doris Klose-Violette schloss den Abend mit einem Dank an die drei Kandidaten für ihre Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen und sich „vorne hinzustellen”. Sie wünschte ihnen eine glückliche Hand, Fingerspitzengefühl, ein robustes Nervenkostüm und „ein kleines Eckchen Humor“. Denn: „Am Schluss sind wir alle nur Menschen – mit allen Fehlern, die keiner von uns machen will.“


Ulli Ganter
Ulli Ganter
Redakteurin
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