Das Internet-Phänomen Drachenlord sorgt am Samstagnachmittag wieder für ein Großaufgebot der Polizei in Emskirchen und dem Gemeindeteil Altschauerberg (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim). Über digitale Plattformen war zum nächsten Schanzenfest aufgerufen worden – und rund 3500 Menschen aus ganz Deutschland und sogar Österreich kamen.
Es erinnert an die Situation vor einem Jahr, als rund 4000 Menschen eine Spur der Verwüstung rund um Emskirchen hinterließen. Dieses Mal ließ es sich zwar anfangs etwas ruhiger an. Doch gegen 13.30 Uhr hatten sich deutlich über 2000 Menschen am Rewe-Markt in Emskirchen versammelt, dem traditionellen Startpunkt für den Zug zur Drachenschanze, also zu dem Gelände in Altschauerberg, auf dem früher das Wohnhaus des Drachenlords Rainer Winkler stand.
Offiziell angemeldet war die Versammlung auch in diesem Jahr nicht. Doch die Gemeinde hatte nach dem erneuten Aufruf bereits im Vorfeld eine Allgemeinverfügung erlassen, wonach sich nur Gruppen bis maximal acht Personen auf der Straße aufhalten dürfen. Außerdem hatte sich die Polizei mit zahlreichen Kräften einschließlich der Reiterstaffel gut vorbereitet und Altschauerberg frühzeitig völlig abgeriegelt. Sie begann bereits gegen Mittag in Emskirchen, Platzverweise auszusprechen.
Die Feuerwehr sperrte später die Straße ab, rund um den Einkaufsmarkt hatte zuvor Chaos geherrscht. Menschenmassen tummelten sich an den Straßenrändern, die den Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer zujubelten. Auch im Rewe-Markt soll es wieder zu tumultartigen Szenen gekommen sein. Eine Meldung, wonach ein Auto auf dem Parkplatz brennt, bestätigte sich zwar nicht, ein Grill hatte aber vor Ort geraucht.
Mit einem mobilen Lautsprecher verwies die Vize-Chefin der Polizeiinspektion Neustadt/Aisch, Sonja Sachs, gegen 13.40 Uhr nochmals auf die Allgemeinverfügung und kündigte an, durchzugreifen und jene Leute, die jetzt nicht sofort freiwillig die Gemeinde verlassen, anzuzeigen. Erst schien es, als würde sich die Menge zerstreuen, Einzelne kamen dem Aufruf auch nach. Doch dann machte sich trotzdem ein Tross lautstark auf den Weg in das kleine Dorf. Es wurden im Laufe des Zuges durch den Wald auch Böller gezündet, wie Polizeisprecherin Janine Mendel bestätigte.
Und das, obwohl der mittlerweile 38-jährige Drachenlord Rainer Winkler schon seit vielen Jahren nicht mehr in Altschauerberg wohnt. Die Gemeinde Emskirchen hat das Gelände gekauft und alle Gebäude darauf abgerissen. Dennoch blieb der Ort eine Pilgerstätte für Menschen, die sich selbst Hater nennen, obwohl viele von ihnen gar nicht mehr wissen, was die Ursprünge des Schanzenfestes sind.
Im Laufe des Nachmittags versuchten die Hater, an den Polizeisperren vorbei durch den Wald und über die Wiesen zum Schanzengelände in Altschauerberg zu gelangen. „Stürmt die Schanze”, schrien sie und stimmten auch „Rainer, Rainer, Rainer”-Sprechchöre an. Die Polizei nahm zahlreiche Menschen vorübergehend in Gewahrsam. Gleichzeitig kamen immer mehr Teilnehmende dazu. In der Spitze waren es rund 3500 Personen, schätzt Mendel.
Gegen 15 Uhr eskalierte die Situation im Wald, als Böller und Flaschen auf Polizeipferde und Reiter, sowie weitere Beamtinnen und Beamte geworfen wurden. Die Polizei wiederum setzte auch Schlagstöcke ein, bestätigte Janine Mendel am Rande der Versammlung. Mehrere Hater aus der Drachenlord-Community wurden wegen Angriffs auf Polizeibeamte festgenommen. Verletzte gab es laut dem Polizeipräsidium Mittelfranken auf beiden Seiten aber nicht.
Auf der Staatsstraße am Feuerwehrhaus hatte sich in der Zwischenzeit auch eine Menschentraube gebildet – denn einige waren vor der Polizei quer in den Ort Neuschauerberg geflüchtet, andere fuhren mit dem Auto vor. Volksfeststimmung herrschte. Nicht wenige hatten sich auch mit entsprechenden Biervorräten eingedeckt. Die Polizei stand auf den Wiesen einsatzbereit.
Es kamen zwar weniger Teilnehmerinnen und Teilnehmer als 2025, dafür war die Stimmung deutlich aufgeheizter. Ein Polizist versuchte immer wieder, über das Megafon an die Vernunft der Meute zu appellieren, bei der Trockenheit keine Böller und Raketen zu zünden und auf die Anweisungen zu hören. Doch er stieß bei einigen auf taube Ohren. Im Wald war es auch zu einer Rauchentwicklung gekommen.
Mitten in diese Situation platzte die Nachricht, dass die Mülldeponie im nahegelegenen Dettendorf brennt. Die Rauchsäule ist demnach kilometerweit zu sehen.Einen Zusammenhang mit dem Schanzenfest gibt es jedoch nach ersten Erkenntnissen nicht.
In Altschauerberg beratschlagten sich auch Bürgermeisterin Sandra Winkelspecht, Landrat Dr. Christian von Dobschütz und der Landtagsabgeordnete Harry Scheuenstuhl. Sie zeigten sich entsetzt von der neuerlichen Versammlung.
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