Gebratenes Suppenhuhn und Toast Hawaii: Das isst die Redaktion an Heiligabend | FLZ.de

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Veröffentlicht am 24.12.2025 11:30

Gebratenes Suppenhuhn und Toast Hawaii: Das isst die Redaktion an Heiligabend

Auf dem Ansbacher Weihnachtsmarkt konnten sich Corinna Müller, Constantin Prosch, Thomas Schaller, Daniela Ramsauer, Robert Maurer und Anna Beigel (von links) aussuchen, was sie essen. Zu Hause an Weihnachten müssen sie sich an gewisse Regeln halten.  (Foto: Evi Lemberger)
Auf dem Ansbacher Weihnachtsmarkt konnten sich Corinna Müller, Constantin Prosch, Thomas Schaller, Daniela Ramsauer, Robert Maurer und Anna Beigel (von links) aussuchen, was sie essen. Zu Hause an Weihnachten müssen sie sich an gewisse Regeln halten. (Foto: Evi Lemberger)
Auf dem Ansbacher Weihnachtsmarkt konnten sich Corinna Müller, Constantin Prosch, Thomas Schaller, Daniela Ramsauer, Robert Maurer und Anna Beigel (von links) aussuchen, was sie essen. Zu Hause an Weihnachten müssen sie sich an gewisse Regeln halten. (Foto: Evi Lemberger)

Die Ente liegt auf einem Tisch mit Wiener Würstchen, um den Schwiegereltern eine Freude zu machen, vertilgt der Gourmet einen Toast Hawaii. An den Festtafeln der Redaktion herrscht Kompromissbereitschaft. Erst, wenn der Vegetarier ins Suppenhuhn beißen soll, hört's auf.

Die Kirsche reißt es raus

Soll ich es zugeben, oder lieber etwas erfinden, was nach kultiviertem Feinschmecker klingt? Also gut: Bei uns gibt es an Heiligabend traditionell Toast Hawaii, den Inbegriff eines exotischen Gerichts in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts. Wobei ich zu meiner Verteidigung anführe, dass ich in diese Tradition eingeheiratet habe. Im Sinne eines friedlichen Weihnachtsfests ergänze ich, dass ich natürlich dennoch vollkommen hinter dem Toast Hawaii und allem anderem stehe, was ich von meinen Schwiegereltern bekommen habe.

Inzwischen hat sich die Tradition sowieso weiterentwickelt. Es gibt bei uns eine Variante ohne Schinken, also vegetarisch – wir haben eine Tochter. Würde es nach unserem Sohn gehen, würde es wohl auch eine Variante mit einem saftigen Steak unter der Ananas geben. Die Kirsche obendrauf ist bei uns nicht so ein chemisch-rotes kandiertes Exemplar, sondern eine eingemachte Kirsche von dem Baum, den die Stadt Ansbach uns zur Geburt unseres Sohnes geschenkt hat. Eine vegane Variante des Hawaii-Toasts konnte sich bisher nicht durchsetzen. Nur eine Scheibe Toast mit Ananas und Kirsche ist halt ein bisschen wenig.

Trotz seines Namens hat der Toast Hawaii durchaus etwas mit Westmittelfranken zu tun. Als Erfinder der Spezialität gilt der Fernsehkoch Clemens Wilmenrod. Der war allerdings weder Koch noch hieß er wirklich Wilmenrod. Und das Rezept hat er wahrscheinlich einem Kollegen geklaut. Dieser Kollege war Hans Karl Adam, der im Gegensatz zu Wilmenrod wirklich kochen konnte. Der gebürtige Schlesier Adam betrieb in Rothenburg ein nach ihm selbst benanntes Hotel, womit der Bogen von Hawaii ins westmittelfränkische Taubertal gerade noch gelungen ist.

Thomas Schaller

„Roster” treffen auf Nussbraten

Von Raclette bis Toast Hawaii (für mich bitte ohne Schinken!) war in unserer Familie an Heiligabend schon alles dabei. An den Feiertagen ist es anders. Da sind wir eigentlich schon seit ich denken kann bei unserer erweiterten Familie im Nachbardorf und essen Wild (wir benehmen uns schon dabei, Wildfleisch, meine ich), denn mein Onkel ist Jäger. Passend dazu gibt es einen leckeren Rotwein – auch aus der eigenen Verwandtschaft.

Klingt alles viel zu harmonisch, denken Sie jetzt? Ganz so einfach ist es nicht. Natürlich gibt es auch bei uns jemanden, der aus der Reihe tanzt (meiner Meinung nach sind das ja eigentlich die Fleischessenden). Für mich ist es nämlich das zwölfte Weihnachten, das ich ohne Fleisch feiere. Wie viele Kommentare ich mir in den ganzen Jahren anhören durfte, können Sie sich vorstellen. Mir hat aber noch nie etwas gefehlt. Keine Ahnung, wieso meine Ernährung für andere so ein wichtiges Thema ist.

Na ja, zurück zur Frage: Manchmal lasse ich das Fleisch einfach nur weg und genieße das Blaukraut, die Semmelknödel und den Rosenkohl, den mein Papa aus unserem Garten holt und Röschen für Röschen mit viel Liebe sauber macht. Aber es gab auch Jahre, da habe ich experimentiert. Einen veganen Nussbraten kann ich zum Beispiel sehr empfehlen. Sobald man den auf den Tisch stellt, haben plötzlich doch alle Interesse an pflanzlicher Ernährung und wollen „nur mal probieren”.

Gespannt bin ich auf die Zukunft. Denn bei der Familie meines Freundes aus Thüringen gibt es an Heiligabend jedes Jahr „Roster” (es sind einfach nur Bratwürste) mit Sauerkraut und Kartoffeln. Ob sich diese Tradition durchsetzt?

Anna Beigel

Ein Suppenhuhn als Brathähnchen

Wenn ich an das Weihnachtesessen in meiner Familie denke, kommt mir als erstes Brathähnchen in den Sinn. Und das als Vegetarier... Allerdings gibt es bei uns keine Tradition im Sinne von „jedes Jahr das Gleiche”. Vielmehr hatten wir verschiedene Phasen, beziehungsweise meine Eltern, die hier den Hut – oder die Kochmütze – aufhatten. Bis ins Teenager-Alter schwimmt man ja ohnehin nur mit. Das Mitspracherecht muss man sich hart erkämpfen.

Bis ich nennenswert mitreden durfte, gab es Hähnchen. Die Jahre danach kalte Brotzeit mit Wurst- und Käseplatten. Dann zwei Weihnachten, an denen gefühlt jeder für sich selbst etwas anderes gemacht hat. Jetzt wechseln wir uns seit ein paar Jahren mit Raclette und Fondue ab (ich glaube, dieses Jahr ist Raclette an der Reihe).

Möglicherweise ist mir Hähnchen deshalb so präsent geblieben, weil ich mich besonders an ein Jahr erinnern kann, als meine Mutter beim Einkaufen ein Suppenhuhn erwischt hat. „Allmächd!”, denken sich vermutlich die erfahrenen Festtagsköchinnen und -köche – und können hoffentlich meine Erinnerung mitfühlen, wie unglaublich zäh das Fleisch war. Ständig hingen Härchen zwischen den Zähnen. Pfuibäh! Ich bin zwar nicht wegen dieses Unfalls Vegetarier geworden, aber wehmütig nach Fleischgerichten werde ich in Anbetracht dessen sicher nicht.

Constantin Prosch

Haferflocken gegen das Herzrasen

In meiner Familie gibt es seit Jahren Lasagne. Davon werden zwei Varianten vorbereitet. Die mit Hackfleisch und Béchamelsauce, und – für mich – eine vegetarische mit Gemüse. So ist für jede und jeden etwas dabei. Was außerdem für Lasagne spricht: Es muss niemand lange am Herd stehen, wurden die Nudelplatten doch schon Stunden zuvor fertig geschichtet und alles mit einer dicken Käseschicht bestreut.

Das verschafft uns einen Zeitvorteil, den wir gut gebrauchen können. Zum Beispiel, um Schoko-Tapser von weißen (!) Küchenfronten zu wischen oder heruntergerissene Christbaumanhänger wieder aufzuhängen. Denn eines ist sicher: Der Heiligabend bei meinen Eltern wird wild und fröhlich. Dafür werden unsere vierjährige Tochter und unser einjähriger Sohn sorgen. Das Essen dürfte ein Highlight werden. Ich sehe umherfliegende Besteckteile, umkippende Gläser und Tomatensauceflecken auf dem Solnhofener Fliesenboden meiner Eltern. Aber Hauptsache, es schmeckt, oder nicht? In der Hinsicht mache ich mir keine Gedanken, was unsere Kinder betrifft. Das könnte sich ändern, sollte einer von ihnen sich zum „Picky Eater“ entwickeln.

Ich selbst war viele Jahre so ein „Picky Eater“, gehörte zu den Kindern, die besonders wählerisch sind. Ich mochte weder Gemüse noch Käse noch Kartoffeln noch Fisch. Nicht mal Pommes mit Ketchup haben mich glücklich gemacht. Im Gegenteil. Ich erinnere mich an einen Kindergeburtstag inklusive Besuch bei McDonald´s (für mich der erste Besuch dort). Schon auf der Fahrt hatte ich Herzrasen und Schweißausbrüche, weil ich wusste, dass ich Pommes oder einen Burger nie runterkriegen würde. Ich war heilfroh, dass es Apfeltaschen gab, die ich ziemlich lecker fand.

Auch an Weihnachten war mein Essverhalten früher ein Thema. Kartoffelsalat oder geräucherter Fisch kamen für mich nicht infrage. Und so habe ich an Heiligabend mehr als einmal Haferflocken mit Milch und Kaba gegessen.

Corinna Müller

Zu den Wienerle gibt's Ente

Es war ein kritischer Moment, als die Platte mit der Ente das erste Mal neben den Puppenwienern stand. An Weihnachten können alle essen, was sie wollen – das versuchen wir umzusetzen, seit mein Mann und ich eine Tochter haben. Vorher haben wir bei unseren Eltern gefeiert. Mit der Tradition haben wir gebrochen, damit wir mit unserem Kind sein können. Auch meine Familie kommt. Den Kompromiss, uns zu besuchen, gehen meine Eltern und meine Geschwister ein.

Auf die Wiener Würstchen (nur die kleinen!), die wir seit über 30 Jahren traditionell zu Weihnachten essen, sind sie nicht bereit, zu verzichten. Mein Mann findet, dass seine Bereitschaft, Ente zu essen statt Gans, eine große ist. Auch dass es übertrieben wäre, alleine eine Gans zu essen, gibt er zu. Bei der Ente hilft ihm unsere Tochter.

Die Würste mit Kartoffelsalat haben meine Geschwister und ich früher reingeschlungen, damit wir schnell zur Bescherung können. Dass wir inzwischen geduldiger sind, ist kein Grund, eine Familientradition aufzugeben. Bei meinem Mann gehört die festliche Tafel unabschaffbar zu Weihnachten. Wir haben beides vereint. Seit dem ersten Moment ist der jeweilige Familienteil der festen Überzeugung, das beste Essen zu haben. Die Speise des anderen wird geduldet. Inzwischen trauen sich mein Vater und mein Bruder, sich nach den Wienerle ein Stück Ente abzuschneiden. Meine Schwester schaut jedes Mal streng. Dass ich seit sieben Jahren kein Fleisch mehr esse, mache ich nicht zum Thema. Es gibt ja Kartoffelsalat und Klöße.

Daniela Ramsauer

Die Gans blockiert alles

Ein typisches Weihnachtsessen? Gibt es bei uns nicht. Ich weiß noch, dass ich es als Kind seltsam fand, dass es an Heiligabend, dem wohl schönsten Fest des Jahres, immer nur ein einfaches Essen gab. Da müsste doch angemessener Weise ein mehrgängiges Menü auf den Tisch kommen. Später verstand ich, dass meiner Mutter nach der anstrengenden Adventszeit dafür schlicht die Energie fehlte.

Wenn ich im Erwachsenenleben eine Rangliste erstellen müsste, würde dies vermutlich von Raclette als Heiligabend-Gericht angeführt. Das gab es nicht immer, aber immer öfter.

Das ist gesellig und sorgt für Unterhaltung beim Essen. Allerdings ist es fast vorprogrammiert, dass man sich zu viele Pfännchen zubereitet und man am Ende bewegungsunfähig auf dem Sofa landet. Aber das ist eine andere Geschichte.

Ein Problem beim Raclette: Die Kinder mögen es zwar grundsätzlich gerne, doch das langsame Essen verzögert die Bescherung. Deshalb war das häufig mit einer Diskussion verbunden, ob das Auspacken der Geschenke nicht vor dem Essen stattfinden könnte. Das ging natürlich nicht, sonst wären vermutlich Lego-Figuren, Teile von Brett- und Computerspielen ebenfalls in den Pfännchen gelandet.

Auch in diesem Jahr stand Raclette für Heiligabend hoch im Kurs. Doch vor ein paar Tagen stand die Schwiegermutter in der Tür. Auf dem Arm ein abgedecktes Etwas. „Das ist eure Weihnachtsgans”, vermeldete sie grinsend. In den vergangenen Jahren hat sie die für uns zubereitet – allerdings wurde es zum Teil eine Hochsommer-Gans, weil wir keinen passenden Termin fanden. Darauf hatte die Schwiegermutter, verständlicherweise, keine Lust mehr. Jetzt liegt eine Gans in unserem Gefrierschrank und blockiert alles. Die Entscheidung fürs diesjährige Weihnachtsessen ist gefallen.

Robert Maurer

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