Schnitzel „Wiener Art” für 15,90 Euro: So stand es in einem Neustädter Restaurant im Dezember 2025 auf der Karte. Gut einen Monat und eine Mehrwertsteuersenkung später hat sich daran laut Websiteangaben nichts geändert. Dabei sind weder Schnitzel noch Lokal ein Einzelfall. Es ist die Regel, wie eine Stichproben-Analyse der FLZ zeigt.
Demnach verfolgen die Wirtinnen und Wirte in Westmittelfranken das, was Branchenverbände schon vorab angedeutet hatten: Dass Preissenkungen beim Essengehen eher nicht zu erwarten seien. Stattdessen würden viele Betriebe die Steuererleichterung nutzen, um die Finanzierung zu stabilisieren, so der Tenor.
Um die Entwicklung zu prüfen, hat die FLZ im Dezember stichprobenartig die digitalen Speisekarten von über 50 Lokalen in Ansbach und Neustadt sowie im Landkreis Ansbach erfasst und die Preise mit den Angaben von Ende Januar abgeglichen.
Das Ergebnis: In nur einem der geprüften Fälle kam es zu einer (auf der Website dokumentierten) Preissenkung auf den Menükarten. Das Ansbacher „Brauhaus” im Hotel Hürner verbilligte einige fränkische Gerichte wie Bratwürste um einen Euro, Kindergerichte um 50 Cent. Der Salat wurde dafür etwas teurer.
„Wir wollten schon ein Zeichen setzen”, erklärt Geschäftsführer Jens Blank seine Preispolitik. Dafür seien die „typischen Ansbacher Speisen” und die Kinderportionen die richtige Wahl. „Ich bin auch nicht wirklich happy, wohin sich die Preise in den letzten Jahren entwickelt haben”, sagt er. Doch gerade die Inflation habe sich als Kostentreiber erwiesen. „Wir versuchen, einen vernünftigen Weg in der Karte hinzubekommen”, da gebe es auch mal intensive Beratungen mit dem Küchenchef.
Generell glaubt Blank, dass der Großteil der Gastronominnen und Gastronomen die Steuersenkung nutzt, „um Luft zu kriegen und um die Preise nicht erhöhen zu müssen”. Eine Senkung wie in seinem Fall, sei wohl im Branchenvergleich eher die Ausnahme.
Die Bundesregierung hatte beschlossen, die Mehrwertsteuer zum 1. Januar 2026 auf vor Ort verzehrte Speisen in der Gastronomie von 19 auf sieben Prozent zu verringern. Der Beschluss ging auf eine Wahlkampfforderung der Union zur Bundestagswahl im vergangenen Jahr zurück.
Um damit zurück auf das eingangs erwähnte Schnitzel für 15,90 Euro zu kommen: Bei einer Steuerlast von 19 Prozent gingen hier rund 2,54 Euro an den Staat. Jetzt sind es 1,04 Euro.
Nicht nur in Westmittelfranken ist die Mehrwertsteuersenkung kaum bei den Endverbraucherinnen und -verbrauchern angekommen. Im Gegenteil: Nach einer ersten Schätzung des Landesamts für Statistik stiegen die Preise in bayerischen Gaststätten und Cafés von Dezember auf Januar sogar um 0,5 Prozent.
Tatsächlich belegen die Auswertungen der FLZ auch immer wieder gestiegene Preise. So wurde etwa der Sauerbraten in zwei Gaststätten im Landkreis Ansbach jeweils um rund zwei Euro teurer. Bei den meisten überprüften Speisekarten veränderte sich nichts.
Kritik kommt von der mittelfränkischen Dependance der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). „Die allermeisten Gastronomen stecken das Geld, das durch das Schnitzel-Steuergeschenk für sie übrig bleibt, in die eigene Tasche”, klagt Geschäftsführerin Regina Schleser. Sie fordert Wirtinnen und Wirte auf, ihrem Personal mehr zu zahlen. Noch immer würden viele Beschäftigte mit Mindestlohn abgespeist.
Dem widerspricht Herbert Krönert deutlich. Er ist Neustädter Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga. Wer nur Mindestlohn zahle, „bekommt doch heute schon keine Mitarbeiter mehr”, sagt er. Die Gastronomie habe die Steuersenkung dringend gebraucht. Die Preissteigerungen der vergangenen Jahre, von Löhnen über Energie bis zu Lebensmitteln, hätten gerade kleine Betriebe regelrecht aufgefressen. „Das war Wahnsinn”, sagt Krönert. Er hofft, dass die geringere Steuerlast vor allem Dorfgasthäusern beim Überleben hilft. Eine zusätzliche Preissenkung sei für die meisten nicht leistbar.
Einen einzigen weiteren Fall von günstigeren Speisen in direkter Folge der Gastro-Steuersenkung konnte die FLZ dann aber doch noch ausmachen. Allerdings nicht dort, wo es am ehesten zu vermuten wäre – bei lokalen Wirtshäusern –, sondern ausgerechnet bei einem der größten Profiteure der Maßnahme: Der Branchenriese McDonald's senkte werbewirksam zum 1. Januar die Preise für fünf Menüs um bis zu 15 Prozent, auch für Filialen in Westmittelfranken. Ob die Aktion von Dauer ist, wird sich allerdings noch zeigen müssen.
Hinweis der Redaktion: Eine aktualisierte Speisekarte auf der Website eines Schnelldorfer Lokals wies 2026 eine vermeintliche Preiserhöhung aus, die in der Lokalität selbst nicht stattfand. Eine entsprechende Passage in unserem Text wurde angepasst.