Mit einem Höhepunkt endete die vierte Saison als Erstligaschiedsrichter für Florian Badstübner. Der 33-jährige Betriebswirt durfte beim DFB-Pokalfinale in Berlin zwischen dem Deutschen Meister Bayer Leverkusen und dem Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern (1:0) als Vierter Offizieller des Schiedsrichterteams dabei sein.
DFB-Pokalfinale in Berlin! Die Teilnahme daran ist nicht nur für viele Fußballer ein Traum, sondern auch die Schiedsrichter haben den Ehrgeiz, daran teilzunehmen. Für alle Referees ist es deshalb auch eine Auszeichnung, für die Leitung des Pokalfinales nominiert zu werden.
Den meisten der Elite-Schiedsrichter des DFB war in diesem Jahrhundert nur eine Teilnahme vergönnt, nur der ehemalige Weltschiedsrichter Dr. Felix Brych (München) und Herbert Fandel (Trier) hatten die Ehre, zweimal das Finale zu pfeifen.
Für Florian Badstübner begann das „Abenteuer Pokalfinale“ am Freitag, 24. Mai. Bis 14 Uhr musste er in Berlin sein, im Fünf-Sterne-Hotel „Grand Hyatt“ am Potsdamer Platz. Dort traf sich das Schiedsrichtergespann mit FIFA-Referee Bastian Dankert (Rostock), den Assistenten Rene Rohde (Rostock) und Marcel Unger (Hamburg) sowie dem bei den „großen Spielen“ obligatorischen fünften Offiziellen Stefan Lupp aus Zossen, der 2008 beim letzten Auftritt der SpVgg Ansbach im DFB-Pokal gegen den Karlsruher SC als Schiedsrichterassistent fungierte.
Das Hotel war zu 90 Prozent vom DFB belegt und so hatte Badstübner nicht nur die Möglichkeit, sich mit einigen DFB-Oberen wie dem unter anderem für die Schiedsrichter zuständigen Vizepräsidenten Ronny Zimmermann (Wiesloch) zu unterhalten, sondern sich auch mit Rudi Völler und Bundestrainer Julian Nagelsmann sowie dessen Co-Trainer Sandro Wagner auszutauschen.
Aber nicht nur Smalltalk, sondern auch Sightseeing stand auf dem Programm. Dafür und auch für den Transport in das Olympiastadion stand der „VW-Shuttle-Service“ zur Verfügung und der Busfahrer war ein „Landsmann“ des Windsbachers: Klaus aus Schwabach. So erhielten die DFB-Schiedsrichter eine exklusive Führung durch den Bundes-(Reichs-)tag. Von 18 bis 19 Uhr trainierten die Schiedsrichter im Olympiastadion, direkt nach dem Training der beiden Pokalfinalisten. So gab es die ersten Berührungspunkte zwischen den Schiedsrichtern und den Mannschaften. Der Freitag wurde abgerundet mit einem Bankett im Hotel.
Am Samstag, dem Spieltag, gab es um 10 Uhr ein Meeting, bei dem auch der Spielablauf mit dem Verhalten bei eventuellen Störfällen besprochen wurde. Dies traf ja dann beim Finale mit der fünfminütigen Unterbrechung wegen der Pyro-Nebelschwaden auch ein.
Um 17 Uhr wurden die Schiris mit Polizeieskorte ins Olympiastadion geleitet. Die Fahrt dauerte knapp 50 Minuten und am Ziel war Badstübner sichtlich beeindruckt. Viele Fans beider Lager waren auf der Fahrt zu sehen und bei der Ankunft war das Stadion schon zu zwei Dritteln gefüllt. Die Spielvorbereitung war zeitlich genau getaktet: 19.20 Uhr Warmmachen bis 19.40 Uhr und neun Minuten vor dem Anpfiff, 19.51 Uhr, bereitstehen um Einlaufen.
„Das bisher Größte, was ich in meiner Schiedsrichterlaufbahn erlebt habe.”
„Das Einlaufen in das Olympiastadion vor den über 74.000 Zuschauern mit den Choreographien der beiden Fanlager, das war das bisher Größte, was ich in meiner Schiedsrichterlaufbahn erlebt habe“, so Badstübner. „Besonders die Choreo von Kaiserslautern mit dem riesigen Teufel, der die bisherigen Pokalgegner im Topf kocht“, war sehr beeindruckend. Als Badstübner erfuhr, dass die Figur des Teufels alleine über 100.000 Euro gekostet hat, „blieb mir die Spucke weg“.
Während des Finales hatte Badstübner nicht viel zu tun. „FCK-Trainer Friedhelm Funkel ist ein respektvoller, freundlicher Mensch und ein sehr angenehmer Zeitgenosse“, so Badstübner und mit Xabi Alonso hatte er ja schon in der Bundesligarunde seine positiven Erfahrungen gemacht: „Dreimal war ich bei Spielen von Leverkusen der vierte Mann, darunter das Hin- und Rückspiel gegen Bayern München. Alonso war entspannt wie immer, stilvoll und der Umgang mit ihm ist sehr angenehm. Sportdirektor Simon Rolfes war viel angespannter.“
Das Abspielen der Nationalhymne war für den Windsbacher ein „Gänsehauterlebnis“. Bei der Siegerehrung erhielt auch das Schiedsrichterquintett Erinnerungsmedaillen aus den Händen von DFB-Präsident Bernd Neuendorf.
Für Badstübner war die Teilnahme in Berlin der Höhepunkt einer Saison, die für ihn durchaus positiv verlaufen ist. Elf Bundesligapartien und neun Zweitligaspiele standen unter seiner Leitung. Das Pokalviertelfinale in Saarbrücken gegen Mönchengladbach fiel den Regenmassen zum Opfer und international war er bei zwölf Euro-League- sowie Euro-Conference-League-Spielen als Vierter Offizieller im Einsatz.
Sehr interessant und für die weitere Laufbahn wichtig war für Florian Badstübner die Teilnahme am UEFA-Core-Lehrgang in Nyon (Schweiz) vom 4. bis 12. März. Zu diesem Lehrgang, Amtssprache Englisch, waren sieben Gespanne aus sieben Ländern eingeladen. Sie absolvierten Trainings und Tests, wurden über Ernährungsmöglichkeiten aufgeklärt.
Es wurde auch ein Körperscreening durchgeführt und „bei mehr als 12 Prozent Fett hast ein Problem“, so Badstübner. Die Leitung des Lehrgangs hatte David Elleray aus England. Im September findet die nächste Zusammenkunft statt, zu der Badstübner mit seinen beiden Assistenten Jonas Weickenmeier (Bad Homburg) und Philipp Hüwe (Köln) wieder eingeladen ist.