„Die Bayern kommen.“ Diese drei Wörter elektrisierten zur Regionalliga-Heimpremiere der SpVgg Ansbach vor knapp zweieinhalb Jahren die Fußballfans aus der Region. Der Xaver-Bertsch-Sportpark platzte aus allen Nähten, rund 4000 Besucher wollten sich dieses Freitagabendspiel nicht entgehen lassen, auch wenn es nur die 2. Mannschaft des FC Bayern war.
Dieses Fußballfest am 22. Juli 2022 wartete dann noch mit einer faustdicken Überraschung auf: Die Ansbacher siegten nach Toren von Tom Abadjiew (2. Minute) und Patrick Kroiß (75.) mit 2:0 – ein Erfolg, der nachhallt.
Diesen Samstag, 9. November, treffen die nullneuner als Tabellenfünfzehnter zu Hause wieder auf den FC Bayern München II (14 Uhr). Ganz so viele Zuschauer wie 2022 werden es nicht werden, aber der Sportpark dürfte wieder gut gefüllt sein. Ein erneuter Sieg gegen den aktuell Tabellendritten der Regionalliga Bayern kann nicht vorausgesetzt werden, Argumente für ein gutes Abschneiden gegen den Talentschuppen der Bayern haben die Ansbacher aber schon.
Allein die jüngere Vergangenheit liefert Mutmachendes. „Wir waren im Hinspiel dieser Saison absoluter Außenseiter, lagen im Grünwalder Stadion schon 0:2 zurück und haben trotzdem noch ein 2:2-Unentschieden geholt. Ich denke, das ist dort noch nicht vielen Mannschaften nach einem 0:2-Rückstand gelungen“, erinnert sich SpVgg-Trainer Niklas Reutelhuber mit Stolz in der Stimme an den überraschenden Punktgewinn am 26. Juli dieses Jahres, den Lukas Schmidt und Nico Hayer mit ihren Toren in der 51. und 57. Minute perfekt machten.
Vor der Neuauflage sagt Reutelhuber: „Ein paar Faktoren wollen wir für uns nutzen: Wir spielen vor unseren eigenen Fans, der Platz dürfte für die Filigrantechniker der Bayern eher ungewohnt sein, die Jahreszeit tut ihr Übriges.“ Und andere Außenseiter haben es in dieser Saison schon vorgemacht, wie man der Reserve des deutschen Rekordmeisters beikommen kann. Der hat zwar in der laufenden Runde erst zweimal verloren, dies aber gegen die Underdogs SpVgg Hankofen-Hailing (0:2) und TSV Buchbach, der sogar in München mit 3:2 siegte.
Es geht Schritt für Schritt in die richtige Richtung.
Andererseits präsentieren sich die „kleinen Bayern“ seit Wochen in Topform, sind seit sieben Spielen ungeschlagen, holten drei Siege in Serie und schossen dabei 12 (!) Tore. Zuletzt wurde der FC Wacker Burghausen mit 5:2 abgekanzelt, was den ansonsten eher nüchtern analysierenden Trainer Holger Seitz fast ein wenig euphorisch werden ließ: „Es geht Schritt für Schritt in die richtige Richtung.“ Jener Seitz, der in seinen jungen Jahren in der B-Jugend des 1. FC Nürnberg mit den Ex-Ansbachern Stefan Hampl und Alberto Mendez zusammenspielte und dabei von Trainer Karl-Heinz Knetsch (ebenfalls SpVgg) angeleitet wurde.
Seitz muss zwar immer wieder Spieler an das Bundesligateam abgeben, kann aber Woche für Woche auf zig U-Nationalspieler zurückgreifen. Etwa auf Torhüter Max Schmitt, der mit der deutschen U17-Nationalmannschaft Weltmeister wurde, oder auf den 18-jährigen „Wunderstürmer“ Nestory Irankunda, der schon für die Männer-Nationalmannschaft von Australien debütierte (beim 2:2 im Hinspiel stand er nicht im Aufgebot).
In bestechender Form befindet sich seit Wochen der aus Döckingen stammende Luca Denk, der für den TSV Weißenburg und den 1. FC Nürnberg (U13 bis U15) spielte. Der defensive Mittelfeldstratege führt mit sechs Saisontreffern die interne Torjägerrangliste vor Timo Kern (5 Treffer) an.
„Natürlich wissen wir um all die spielstarken Talente der Bayern. Wenn wir aber unsere Tugenden wie Einsatzwille und Zweikampfstärke in die Waagschale werfen, sehe ich uns nicht chancenlos“, sagt Reutelhuber, der bei seiner Startelfnominierung ein paar schwierige Entscheidungen zu treffen hat.
Innenverteidiger Matthias Hahn steht nach seiner Gelb-Sperre wieder zur Verfügung. Andererseits hat Konkurrent Jonas Bayerlein beim letztwöchigen 1:1 gegen den 1. FC Nürnberg II überzeugt und sogar die 1:0-Führung der Ansbacher per Kopf erzielt. Dazu Reutelhuber: „Bei uns performen derzeit viele sehr, sehr gut. Da habe ich gerne die Qual der Wahl. Auch die Stimmung im Training ist bombig. Jetzt müssen wir wieder wie in Nürnberg auch gegen die Bayern den Kampf annehmen, eklig sein und Druck machen. Dann schauen wir mal, was dabei herausspringt.“