Nach dem nächtlichen Drohnen-Vorfall am Flughafen Leipzig/Halle haben Spezialisten der Bundespolizei eine Drohne mit einer Sprengvorrichtung entschärft. Nach Angaben des Landeskriminalamtes (LKA) wurde der Zünder einer noch unbekannten Sprengvorrichtung entfernt.
Die Generalstaatsanwaltschaft in Dresden und das im LKA ansässige Polizeiliche Terrorismus- und Extremismus-Abwehrzentrum (PTAZ), haben die Ermittlungen übernommen. Sie schließen eine politische Motivation nicht aus. Deshalb ist auch das PTAZ im Einsatz, hieß es. Der Flughafen gehöre zum Bereich der kritischen Infrastruktur.
Nach Angaben des LKA wurde die Drohne mit der Sprengvorrichtung auf der Start- und Landebahn „Südpiste“ von einem Mitarbeiter des Flughafens gefunden. Ein mutmaßlich zweites unbekanntes Flugobjekt sei mit einem Frachtflugzeug zusammengestoßen, nachdem das Flugzeug wegen der zuvor erfolgten Sperrung der Landebahn wieder durchstartete. Bei der Maschine konnten nach der Landung in Hannover leichte Beschädigungen festgestellt werden, hieß es.
Der Flugbetrieb wurde nach Feststellung der Drohne in der Nacht zunächst komplett eingestellt. Nach einer umfangreichen Kontrolle des Flughafens konnte die Start-/Landebahn „Nordpiste“ noch in der Nacht wieder freigegeben werden. Die Start-/Landebahn “Südpiste„ sollte aus Wartungsgründen am Mittwoch nicht genutzt werden.
„Es besteht keine Gefahr für Leib oder Leben von Passagieren oder Mitarbeitern des Flughafens. Der Flugverkehr für Passagiere ist nicht beeinträchtigt“, stellten die Ermittler klar.
Unklar ist bislang noch, ob es einen Zusammenhang zwischen dem zuerst gesichteten Flugobjekt und der Drohne mit Sprengvorrichtung gibt, die am Boden gefunden wurde. Der Leipziger Polizeisprecher Olaf Hoppe stellte klar, dass Unbefugte nicht einfach auf das Rollfeld gelangen können. Es liege der Schluss nahe, dass das besagte Objekt aus der Luft auf den Boden gelangt sei.
Die Drohne befand sich nach den Angaben aus Sicherheitskreisen nahe einer ukrainischen Transportmaschine vom Typ Antonow AN-124 Condor. Sie wurde sichergestellt und mit einem Röntgengerät untersucht. Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) sprach von einem „sehr ernsten Sicherheitsvorfall“.
Das ukrainische Luftfahrtunternehmen Antonow errichtet derzeit am Flughafen Leipzig/Halle einen neuen Wartungshangar. Der Bau soll in der ersten Jahreshälfte 2027 fertiggestellt werden. Die Ukrainer sind schon seit 2006 mit einer Wartungsbasis am hiesigen Flughafen vertreten. Infolge des russischen Angriffskriegs haben sie ihre Flotte komplett auf den sächsischen Airport verlegt. Sechs Maschinen sind hier stationiert.
„Die Bedrohungslage in Deutschland hat eine neue Qualität erreicht. Eine mit einer Sprengvorrichtung bestückte Drohne macht unmissverständlich klar, dass unsere Sicherheit bedroht ist, erklärte der Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD). Die Infrastruktur müsse besser geschützt werden. „Dem müssen Bund und Länder auch finanziell viel stärker Rechnung tragen.“
Im Juli 2024 hatte es schon einmal einen relevanten Vorfall auf dem Flughafen Leipzig gegeben. Damals war Deutschland nur knapp an einem Flugzeugabsturz vorbeigeschrammt. Einem glücklichen Zufall war es zu verdanken, dass ein Paket, das einen Brandsatz enthielt, noch am Boden im DHL-Logistikzentrum Leipzig und nicht während des Fluges in Brand geriet.
Das Bundesinnenministerium konnte zu einem möglichen Zusammenhang zwischen dem damaligen und dem aktuellen Vorfall nichts sagen. Der Sprecher konnte allerdings bestätigen, dass ein Flugzeug, das eigentlich in Leipzig hätte landen sollen, nicht landen konnte und durchstarten musste. Die Maschine sei „dabei anscheinend mit etwas kollidiert und konnte dann in Hannover landen“.
Wie an anderen Flughäfen auch musste der Flugverkehr in Leipzig in den vergangenen Jahren nach Drohnensichtungen mehrmals eingestellt werden. Im vergangenen Herbst hatte der Betrieb am Flughafen München wegen Drohnen-Überflügen wiederholt eingestellt werden müssen. In der Folge wurde ein Gemeinsames Drohnenabwehrzentrum zum Austausch zwischen Bund und Ländern bei der Bundespolizei eingerichtet.
Der Flughafenverband ADV drängte die Politik nach dem jüngsten Vorfall zum Handeln. „Flughäfen sind sicherheitsrelevante Einrichtungen und bedürfen des bestmöglichen Schutzes. Drohnenabwehrsysteme müssen jetzt schnellstmöglich installiert und vollständig einsatzbereit gemacht werden“, erklärte ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel. Aktuell warteten die Flughäfen in Berlin, München, Düsseldorf, Stuttgart, Hamburg, Leipzig/Halle und Köln/Bonn noch auf die vom Innenministerium zugesagte Ausstattung mit Systemen zur Detektion und Abwehr von Drohnen.
Der Botschafter der Ukraine in Deutschland, Oleksii Makeiev, vermutet Russland hinter dem Drohnen-Vorfall. „Ich hoffe, dass auch all die Behörden in Deutschland jetzt die Tatsachen feststellen. Aber wer könnte es noch sein außer Russland?“, sagte er dem Nachrichtensender Welt TV.
Die Ukraine habe aus dem Vereidigungskrieg gegen Russland viele Erfahrungen mit Drohnen gesammelt, betonte Makeiev. „Unsere Erfahrung ist einmalig. Und wir bieten unserem strategischen Partner Deutschland diese Erfahrungen vom Militär, von unseren Feuerwehrleuten, von unseren Ärzten an zur Verfügung.“
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