Die bestehenden Verkehrsprobleme lösen: Dieses Ziel verfolgt die Verwaltung mit der Einrichtung einer Fahrradstraße in der Dombachsiedlung. Im Rahmen einer Infoveranstaltung wurde das Projekt den Anwohnern jetzt vorgestellt. Die Reaktionen überraschte die städtischen Verantwortlichen dann doch. Es hagelte ausschließlich Kritik.
Das Vorhaben, die Dombach- in eine Fahrradstraße umzuwandeln, hat eine lange Vorgeschichte. Im Juli 2023 hatten sich Anwohner an die Stadt und Oberbürgermeister Thomas Deffner mit dem Wunsch gewandt, den Verkehr ab der Einmündung „Am Dombach“ einzubremsen. In der Folge machten sich die Verwaltung sowie der Umwelt- und Verkehrsausschuss Gedanken, wie man die Verkehrsprobleme – hohes Aufkommen, zu hohe Geschwindigkeit – in den Griff bekommen kann.
Im Februar diesen Jahres fiel letztlich die Entscheidung für die Fahrradstraße – und zwar für die gesamte Dombachstraße ab der Einmündung zum Falkenweg. Damit einher geht auch die Auflösung der aktuellen Dreiteilung des Bereichs, die im Westen und Osten aus einer Tempo-30-Zone sowie einem verkehrsberuhigten Bereich besteht.
Verkehrsmessungen haben zwei Dinge ergeben, wie Rechtsreferent Udo Kleinlein sagte: Einerseits ist der Anteil der Radler, die hier fahren, relativ hoch. Andererseits hat man Überschreitungsquoten von bis zu 26 Prozent. Sprich: Die Verkehrsteilnehmer – Autos und auch Radler – halten sich nicht an die Schrittgeschwindigkeit in dem verkehrsberuhigten Bereich. Deshalb kam es zu der Entscheidung, auf dem etwa 800 Meter langen Stück eine Fahrradstraße einzubauen.
Doch was bedeutet das eigentlich? Im Grunde werden Fahrradfahrer in einer solchen Straße bevorzugt, dürfen zum Beispiel nebeneinander fahren und nur überholt werden, wenn genügend Sicherheitsabstand eingehalten wird. Grundsätzlich gilt in der Fahrradstraße ein Tempolimit von 30 Stundenkilometern. Die Fahrradstraße hat künftig Vorfahrt, was an den Einmündungen von anderen Straßen mit Dreiecken, auch Haifischzähne genannt, markiert wird.
Durch das Markieren von versetzten Parkplätzen auf beiden Seiten und der Verkleinerung der Straßenbreite auf das gesetzliche Minimum – dafür wird der Gehweg verbreitert – soll der motorisierte Verkehr weiter eingebremst werden. „Es war immer das Bestreben, eine rechtssichere Lösung zu finden“, betonte Bürgermeister Dr. Markus Bucka. „Ich denke, wir haben eine ganz gute Lösung gefunden.“
Das sahen die etwa 70 Anwesenden völlig anders. Sie sparten nicht mit Kritik und machten ihrem Ärger Luft. So wurde etwa kritisiert, dass man erst jetzt über das Vorhaben informiert wurde, als es schon beschlossen war. Andere fürchteten, dass sich die ohnehin angespannte Parkplatzsituation noch weiter verschärfen wird. Da half es auch nichts, dass Verkehrsplanerin Anna Hölting versicherte, dass die Anzahl der Stellplätze nicht verringert wird.
Auch Befürchtungen, dass man noch schwerer aus der eigenen Garage oder Ausfahrt herausfahren kann und dass die Feuerwehr ob der geringeren Straßenbreite hier noch durchfahren kann, wurden thematisiert. Den größten Ärger verursachte indes die Auflösung des verkehrsberuhigten Bereiches. Dann werde hier nicht mehr 20, sondern 50 Stundenkilometer gefahren, prophezeite ein Anwohner. Dies wiederum erhöhe die Gefahr für die in der Dombachstraße lebenden Kinder. „Der bereich ist das Sicherste für die Kinder“, hielt eine Anwohnerin fest. „Ich ziehe Sie zur Verantwortung, wenn einem Kind etwas passiert“, richtete ein anderer Anwohner deutliche Worte an die Verwaltung.
Die städtischen Mitarbeiter waren durchaus überrascht von der deutlichen Kritik. „Sie idealisieren den verkehrsberuhigten Bereich“, meinte Markus Bucka. „Die schlechteste Lösung ist, wenn wir nichts machen.“